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Nichts Gutes, außer man tut es

Mit der Uraufführung der Kinderoper „Pünktchen und Anton“ von Iván Eröd ist der Wiener Staatsoper ein außerordentlicher Erfolg gelungen.

Zivilcourage ist gefragter denn je, und so bekommt die Geschichte vom reichen Töchterchen Pünktchen, das dem armen Anton helfen will, aktuelle Züge. Dass sich manche die Hilfsbereitschaft anderer zunutze machen und darin alle kriminelle Energie aufwenden, lernt man ebenso wie den simplen Aufruf zum Teilen.

Thomas Höft hat aus Erich Kästners Geschichte ein tiefsinniges und doch kindgerechtes Libretto geschaffen, das trotz der heiteren Grundtendenz nachdenklich stimmt – frei nach Kästners Motto: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Iván Eröd hat dazu eine echte Opernmusik geschrieben, die von den kleinen Zuhörern Aufmerksamkeit fordert und ganz bewusst mit dem klassischen Repertoire an Formen und Klängen spielt. Ein bisschen jazzig darf es schon sein, es ist aber meilenweit davon entfernt, rockig-poppigen Einheitssound zu präsentieren. Vielmehr knüpft Eröd im Orchester ein subtil verschlungenes motivisches Netz, das die ideale Grundlage für die ebenfalls opernhaft agierenden Sänger bietet. Was vielleicht fehlt, ist ein Lied, das man beim Nachhausegehen noch im Ohr hat. Dafür haben die Kleinen große Oper im kleinen Zelt auf dem großen Opernhaus erlebt.

Matthias von Stegmann hat das Ganze punktgenau in die von Walter Schürze liebevoll entworfene Ausstattung gestellt und eine vergnügliche Opernstunde inszeniert. Vergnüglich auch deshalb, weil das Ensemble vom Hausherrn Ioan Holender als Herr Pogge köstlich angeführt wurde.

Daniela Fally war ein Pünktchen zum Verlieben, nicht nur stimmlich, sondern auch in der Darstellung eines gerade pubertierenden Mädchens, das Sitte und Ordnung so gern beiseite ließe. Ihr Anton fand in Roxana Constantinescu eine ideale Verkörperung, die im rauen Burschen so manch weichen Kern entdecken ließ. Begeistert haben auch Ildikó Raimondi (Frau Pogge), Donna Ellen (als dicke Berta) und Alexander Kaimbacher (Robert). Ein bisschen blass Simina Ivan als Kindermädchen und Sophie Matilley als Frau Gast.

Ein gelungenes Werk, das noch vielen Kindern die Tore zur Oper öffnen wird.

Info: 01/51444/2019, www.staatsoper.at

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 10. Mai 2010 - 00:04 Uhr
Von Michael Wruss
Bild vergrößern Pünktchen und Anton

Rundum geglückt: Pünktchen (Daniela Fally) und Anton (Roxana Constantinescu)  Bild: apa

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