Ovationen schon bevor Konstantin Wecker sich überhaupt ans Klavier setzt. „Ihr seid aber heut’ guad drauf!“, sagt der putzmuntere und energiegeladene 62-Jährige gegen Ende des Konzertes – und das Publikum ist tatsächlich, von der ersten Sekunde an, enorm guad drauf.
„San koane Geigen da?“, singt er zu Beginn. Und schon tauchen sie auf, die drei Geiger Christian Wirth, Marcus Wall und Julian Gillesberger. „... ka Cello?“ – schon kommt Spring-String-Quartet-Mitglied Nummer vier, Stephan Punderlitschek, mit seinem Cello. „I brauch’ kan Alkohol, kan Rock’n’Roll! I brauch mein Kitsch, jawohl!“ – da steigt Weckers langjähriger kongenialer Bühnenpartner Jo Barnikel mit der Trompete ein. Und Wecker pfeift dazu, als ob es die liebestaumelnde Amsel im Garten am Nachmittag dieses Frühlingstages gewesen wäre.
Ein wunderbar inszenierter Beginn eines dreieinhalb Stunden dauernden Abends über das Leben, die Leidenschaft und die Liebe. Was anfangs Pathosschwere und „Sülzgefahr“ verbreitet, konterkariert Wecker sofort mit Beispielen deutscher Dichtung mit Masturbationsfantasien und Schweinigeleien bis hin zu „Sauschwanz“ Mozart.
Das Spring String Quartet geigt gehörig auf bei den Wecker‘schen Songs: fein ziseliert bis kraftvoll, fragil bis zur fetzigen Variation der Rocker-Hymne „Smoke On The Water“. Bei „Ich liebe diese Hure“ legt Cellist Punderlitschek wie weiland Weckers Konzert-Gefährtin Hildi Hadlich den Soundteppich. Es geht oft und viel über die Liebe in 40 Jahren Wecker‘scher Poetenkunst. Er pflanzt uns die Melancholie ins Herz und lässt trotzdem das Gemüt heiter tänzeln.
Die Linzer Soundmacher genießen ihr Heimspiel, und Wecker lässt noch einen Oberösterreicher auftreten: Der Florianer Sängerknabe Alois Mühlbacher, der bei der von Wecker vertonten Kinderklangwolke im Vorjahr mit dabei war, erntet für seine eindringliche Stimmkunst ebenfalls Standing Ovations.
Ja, es waren wirklich alle sehr guad drauf!
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