Vor 4000 Jahren wurde in Rauris Gold entdeckt, heute findet man dort einmal im Jahr fünf Tage lang eine glänzende Auswahl derer, die mit maßgeblichen Texten auffallen – bis gestern zelebrierten die Rauriser Literaturtage ihr 40. Jubiläum.
Unter dem Sonnblick mitten in den Hohen Tauern, wo die Welt aussieht, als sei sie zu Ende, toben sich die Gedankenjongleure der Literatur unter der Echtheit der Bergbauern aus. Hier wird niemand belehrt oder widerwillig zugetextet, die Gäste schließen sich mit den Einheimischen zusammen und lehnen sich als geeinte Gruppe gegen die Ware Buch auf. Dazu gibt es den Rauriser Literaturpreis, eine Erstlingsauszeichnung, die mit enormer Treffsicherheit Autoren bestimmt, von denen noch viel zu hören sein wird. Kleine Auswahl der Preisträger: Bodo Hell (1972), Franz Innerhofer (1975), Michael Köhlmeier (1983), Herta Müller (1985), Norbert Gstrein (1989), Ruth Klüger (1993), Raoul Schrott (1996), Juli Zeh (2002). Heuer wurde Thomas Klupp (1977 in Erlangen geboren) für sein Debüt „Paradiso“ (Berlin Verlag) ausgezeichnet.
Seit 20 Jahren leitet Brita Steinwendtner – in Wels geboren, selbst Schriftstellerin und Regisseurin – die Literaturtage. Zum Anlass ließ sie etwa die Dichterin Katja Lange-Müller oder den Salzburger Literatur-Professor Hans Höller mit inspirierten Beiträgen von Innsbrucker, Salzburger und Klagenfurter Studenten über „40 Jahre deutschsprachige Literatur“ diskutieren. Mit unter anderem diesem Fazit: Nach 40 Jahren deutschsprachiger Literatur bleibt dasselbe wie nach 40 Jahren Schnitzel: Blähungen, Überfettung, Magenschmerzen und Beilagen, Beilagen, Beilagen.
Die Theoretiker lassen aus Angst vor der Zukunft oft die Gegenwart ausfallen, und die präsentierte sich erstklassig – in brechend vollen Gaststätten mit Lesungen von Peter Henisch („Der verirrte Messias“), Wolf Haas, Hubert von Goisern („Stromlinien“), Samson Kambalu („Jive Talker“), Julian Schutting („Am Schreibplatz“) Michael Köhlmeier („Mitten auf der Straße“) oder Katja Oskamp („Hellersdorfer Perle“). Und es war eine Köstlichkeit, wie sich Köhlmeier und Peter Esterházy („Harmonia Caelestis“) beim „Gespräch über die Kindheit“ liebevoll balgten. Keiner merkte es, aber Köhlmeier war in Eile, noch am Samstagabend las er im Welser Bildungshaus Puchberg aus „Die Musterschüler“. Von dieser quicklebendigen Literatur sollte man nichts versäumen.
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