
Es war wohl nur eine Frage der Zeit, eine international gestrickte Masche aufzunehmen und den Erfolgsgarn auch für den deutschsprachigen Raum zu knüpfen. „We Will Rock You“ (Queen) und „Mamma Mia“ (ABBA) haben eindrucksvoll belegt, dass immergrüne Hits selbst in der absurdesten Rahmenhandlung nicht welken.
In diesem Fahrwasser lief „Ich war noch niemals in New York“ mit Udo-Hadern im Dezember 2007 in Hamburg erstmals vom Stapel. Wogen der Begeisterung schwappten hoch.
Nun also ankert das Traumschiff der Unterhaltung in Wien, und eine Havarie braucht niemand zu fürchten. Autor Gabriel Barylli hat sein mit feinem Strich rot-weiß-rot bepinseltes Libretto um 21 Lieder des österreichischen Sinatra geschrieben.
Zwischen „Vielen Dank für die Blumen“ und „Heute beginnt der Rest deines Lebens“ dampft unter der wendigen Regie von Car-line Brouwer eine flotte Screwball-Komödie um Liebesdinge, Heiratssachen, Generationenkonflikt und Geschlechterzwist dahin, deren Kurs auf Leichtigkeit und nicht auf Tiefgang steht.
Maria Wartberg (Hertha Schell) und Otto Staudach (Peter Fröhlich) entfliehen dem tristen Seniorenheim, das wie eine Galeere geführt wird, um ihre späte Liebe mit einer Schifffahrt nach New York zu besiegeln.
Dadurch läuft mit einem Mal das strikt auf Karriere ausgerichtete Leben von TV-Star-Moderatorin Lisa (stimm- und spielstark Ann Mandrella) aus dem Ruder, die ihre Mama Maria gut abgeschoben und aufgehoben wusste. Auch Axel (vokal versiert Andreas Lichtenberger), die Freiheit schätzender Teilzeit-Vater des Buben Florian, bereitet der ausgebüxte Papa Otto wenig Freude. Das ungleiche Paar bildet eine Zweckgemeinschaft, um seine Alten einzubremsen. An Bord kommt es zu Verwechslungen, Turbulenzen und zu mehr als einem Happy End.
Viele der Jürgens-Klassiker baut Barylli wie überraschende Riffs ein, an denen die Erwartung des Publikums zerschellt. „Mit 66 Jahren“ tönt aus dem kecken Mund des Bürschchens Florian (erfrischend Julian Fritz). „Griechischer Wein“ besingt, wie sich Lisas schwule Stylisten Fred und Costa (herrlich tuntig Andreas Bieber und Gianii Meurer) füreinander erwärmten. Und das Abschied nehmende „Merci, chérie“ sülzt Axel der zackigen Lisa just zur Herzensgewinnung ins Ohr.
Kostüme und Bühnenbild verströmen fröhlichen Retro-Schick und Revue-Sex-Appeal, der Dialogwitz sitzt punktgenau. Einmal mehr zeigt Kim Duddy, wie eine Choreografin Ensembles in Szene zu setzen hat.
Ein Schiffbruch mit Liedern eines Udo Jürgens war ohnehin von Anfang an auszuschließen.
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