Platée ist eine Komödie, die sich – wie viele andere – am Missgeschick, am Untalent oder der maßlosen Selbstüberschätzung anderer belustigt und damit der Gesellschaft jenen Spiegel vorhält, den sie verdient. Das ist an diesem Premierenabend blendend gelungen. Die 1745 anlässlich der Hochzeit des Dauphins Ludwig Ferdinand mit der spanischen Infantin Maria Teresa uraufgeführte Oper spielt im Olymp: Um Juno von ihrer Eifersucht zu heilen, täuscht Jupiter vor, Platée zu lieben, eine froschähnliche Nymphe.
Anthony Pilavachi fand für den bitterbösen Götterscherz eine ideale Zugangsweise. Ausschauen tut das Ganze wie eine billige „Deutschland sucht den Superstar“-Show, in der ebenfalls längst Verweste über andere urteilen.
Platée, mehr als nur ein hässliches Entlein, das sich nach nichts mehr sehnt als nach Liebe, hat so gewisse Ähnlichkeiten – ob gewollt oder nicht – mit Susan Boyle, jener schottischen „Nachwuchssängerin“, die mit 47 Jahren über Nacht zum Star geworden ist.
Fabelhafte Unterstützung bekam die Regie vom phantastischen Bühnenbild und den aufwändigen Kostümen, die einmal mehr die verlogene Glamourwelt mit der Sehnsüchte heischenden Realität zusammenprallen lässt. Ganz wichtig war dabei auch das Ballett, dem in diesem „Ballet bouffon“ ganz große Bedeutung zukam und das von Guido Markowitz choreographisch ideal in die Szenerie integriert worden ist.
Der Star des Abends
Musikalisch ist Platée sowieso etwas ganz Besonderes. In Linz hat man sich mit Martin Braun dafür einen Dirigenten geholt, der seinen Schwerpunkt in den letzten Jahren auf alte Musik legte, was an diesem Abend mehr als deutlich zu hören war, und der mit dem ihm zujubelnden Bruckner Orchester ein funkelndes Barockjuwel auf modernen Instrumenten erstehen ließ.
Unglaublich wie schlank, vibratoarm das Bruckner Orchester spielen konnte und wie auf diese Art und Weise diese Musik ungeheuer modern und zeitgemäß wirkte. Auch das Sängerensemble konnte sich mehr als nur sehen und hören lassen. Allen voran William Saetre, der punktgenau die Satire getroffen hat und Platée zu einer unwiderstehlichen Person werden ließ. Großartig gespielt und überzeugend singend, war er der Star des Abends.
Köstlich übersteigert – auch mit wahnwitzigen Spitzentönen – Gotho Griesmeier als La Folie. Wendig und agil Daniel Jenz als Thespis und Mercure sowie Giulio Alvise Caselli als Momus. Katrin Adel war, bewaffnet mit einer Kettensäge, die ideale Verkörperung der vor Eifersucht rasenden Juno und Florian Spiess ihr ewig jugendlich-flatterhafter Gemahl.
In den Tiefen von Platées Reich herrscht Cithéron ideal verkörpert von Franz Binder, und Elisabeth Breuer war ein ordentlicher Amor.
Mit dieser Produktion ist dem Landestheater ein ganz großer Wurf gelungen.
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