„Geschafft bis Österreich! Noch 50 km nach Linz. Anhängerkupplung gesucht: Autohof Haag“, lautet der letzte Eintrag von Tjerk Ridder und Peter Bijl im Internet, verfasst am Montag, um 9.55 Uhr.
Um 13.45 Uhr schütteln wir uns auf der Raststätte Ansfelden bei Linz die Hände. Erschöpft – von Erlangen bis Linz war es ein gutes Stück –, doch glücklich stehen die beiden Niederländer vor ihrem kleinen Campinganhänger ohne Auto. Als „Wohnwagentramper“ sind sie seit Anfang Jänner unterwegs, von Kulturhauptstadt zu Kulturhauptstadt. Von Utrecht durch das Ruhrgebiet, über Pécs nach Istanbul, wo ihre Reise im März enden soll. Mit einem Schild „Anhängerkupplung gesucht“, dem Dackel Dachs und ihrem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen.
Unterwegs auf einer auch symbolischen Reise, als Beweis dafür, dass „die Welt nicht so schlecht ist, wie es immer heißt“. Und um den Menschen Mut zu machen. „Viele Leute haben Träume, aber wie viele verwirklichen sie?“, fragt Tjerk Ridder, in fließendem Deutsch. „Du brauchst andere, um weiterzukommen“, prangt nicht von ungefähr in großen Lettern auf dem kleinen Anhänger. Sei es in Kilometern von Utrecht nach Istanbul, oder aber auf dem oft endlos weiten Weg vom Wunsch zur Wirklichkeit.
Dosentraum für Schleppdienst
Jeden seinem Traum ein Stück näher zu bringen, das ist die Gegenleistung für die Schleppdienste. In Gesprächen mit ihren Helfern versuchen sie deren verschiedene Träume, unerreichte Ziele aufzuspüren, um sie später auf einem Zettelchen festzuhalten. Eingeschweißt in einer Dose – mit Ablaufdatum, versteht sich – wird der Traum dem Fahrer übergeben. Als Dank und vor allem als Ermutigung.
Nicht um die großen Träume geht es dabei, „die sind schwer einzudosen“, sondern um die kleinen. „Kleine Schritte sind der Schlüssel, um seinen Traum zu verwirklichen. Auch wir machen täglich kleine Schritte, um ans Ziel zu kommen.“
Der erste ist immer der schwerste, der nächste meist ungewiss. Besonders für Wohnwagentramper, wenn sie in der Einöde im Schnee feststecken: „Manchmal weißt du nicht mehr weiter. Aber wenn du einen Schritt tust, wird etwas geschehen – nur nicht das, was du erwartest. Das meint das englische Happening. Es steckt auch im Wort für Glück, happiness.“ Reisende sind eben immer auch ein wenig Philosophen.
Bislang haben die beiden nicht nur unzählige, sondern vor allem gute Erfahrungen, im wahrsten Wortsinn, gemacht. „Die Eindrücke sind einfach überwältigend“, sagt Peter Bijl. Weil er auch Songwriter ist, hält er sie in Noten fest, für sein neues Album, das im Mai erscheinen soll. Da sind die Wohnwagentramper schon längst in Istanbul angekommen, hoffentlich.
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