„Mass Transformation“: Ohad Talmor mit Band, Spring String Quartet (Brucknerhaus, 22. 9.)
OÖN Bewertung:
Drei Sterne – diesmal nicht der Wertung halber, sondern der gerechten Aufteilung zwischen zwei, die in das Experiment der „Mass Transformation“ mehr oder weniger freiwillig involviert sind: Anton Bruckner mit seiner f-Moll-Messe und Ohad Talmor mit seiner „Transformation“ derselben in zeitgenössische Rhythmen, gespielt von seinem Ensemble (Keyboard, Sax, Trompete, E-Gitarre, Schlagzeug, Gesang) und den Streichern des „Spring String Quartet“. Ein Experiment, mit dem der in Israel geborene Saxofonist und Komponist nicht allein ist, man denke an die Bruckner-Jazzversionen des Linzers Thomas Mandl. Was hat Bruckner an sich, dass er Jazzmusiker beinahe magisch anzieht? Ist es das Fließende, das einen seine Musik spüren lässt, ähnlich dem Jazz?
Musik und Text – Talmor verändert beides mitunter radikal. Seine „Kyrie“ scheint in sphärischen, chaotischen Klängen Glaubensfragen den Boden zu entziehen. Provokant wird das „Gloria“ zum Lobpreis des vergötterten Geldes in Zeiten des Kapitalismus. Vom Keyboard getragen, senkt sich der Segen des „Sanctus“ auf das Publikum. Wie ein sakrales Feigenblatt wirkt das Latein im „Benedictus“. Der Weg zum Glauben im „Credo“ ist ein langer, aufwühlender, wechselhafter, das „Agnus Dei“ ein über die Vergänglichkeit sinnierendes „Fading Out“. Umgesetzt wird die gewagte Transformation – vielleicht doch mehr „Inspiration“? – von akkuraten, spielfreudigen Musikern, deren Lächeln zu sagen scheint: Wir nehmen uns selbst nicht so tierisch ernst. Das ist sympathisch. Und alles andere Ansichtssache. Wenig Besucher, doch viel Applaus.
Kein Schaffner in Sicht