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Viele Gesichter des Jazz

Wenn Jazzfestivals ihr 30. Jubiläum feiern, haben die Zuhörer nicht zu Unrecht Großes zu erwarten. Am vergangenen Wochenende war die Pinzgauer Gemeinde wieder Klangstadt mit einer fast nicht zu verarbeitenden Fülle von Konzerten.

Das Intendantenpärchen Michaela Mayer und Mario Steidl hat für Saalfelden ein wirklich spannendes und umfangreiches Programm zusammengestellt. Die Politik gratulierte, und sogar Grüße der Salzburger Festspiele wurden ausgerichtet.

Gespielt wurde im Kongress, auf der Citystage, bei diversen Almkonzerten und bei den Shortcuts im Kunsthaus Nexus, die dieses Jahr durch Namen wie Elliott Sharp oder Steven Bernstein kräftig aufgewertet wurden. Manch einer beklagte eine zunehmende Kommerzialisierung, aber der Erfolg gibt wieder einmal Recht, die Leute kamen in Massen und die Stimmung war bestens. Programmatisch wurde ein feiner Mix aus Neuem und Traditionellem, aus lautstark Brachialem und fein Ziseliertem geboten. Als österreichischer Opener versuchte Posaunist Christian Muthspiel das Alpenländische nicht ausschließlich den Musikantenstadlern zu überlassen. Seine Yodelgroup ist eine Ansammlung erstklassiger Musiker, großartig die Beiträge des Saxofonisten Gerald Preinfalk und das schillernde Vibraphon Frank Tortillers. Eine nicht ganz risikolose Gratwanderung am Rande des Kitsches ist so was allemal.

Ganz famos Big Air, das klassisch besetzte Jazzquintett des Trompeters Chris Bachelor. Einerseits tief in Blues und Gospel verwurzelt, andrerseits Freiräume zur Improvisation nutzend. Heftig bejubelt wurde ein kraftvoll logisches Schlagzeugsolo des grandiosen Jim Black.

Am zweiten Tag folgten die Auftritte des New Yorker Cellisten Eric Friedlander. Zunächst als Solist in einer intimen Stunde bei den Shortcuts, der die gesamte Geschichte seines Instruments in den Auftritt packte. Neben der selbstverständlichen Virtuosität überzeugten die Musikalität und der selbstverständliche Umgang mit dem Material.

Kleine Pretiosen

Am Nachmittag spielte Friedlander im Trio mit Trevor Dunn am Bass und Michael Sarin am ökonomisch eingesetzten Schlagzeug. Kleine Pretiosen, swingend, federleicht und von bestechender Transparenz. Zuvor hatte das Rova Saxofonquartett mit zahlreichen Gästen John Coltranes Klassiker „Ascension“ ins 21. Jahrhundert transformiert. Ein donnerndes Klangstatement, ein einstündiger Tsunami, der kaum Platz zum Durchschnaufen ließ. Nur selten entwirrte eine erkennbare Melodie das brachiale Musikknäuel. Atemberaubend und grandios in seiner Dichte und Komplexität.

Morgen gibts Coleman

Ebenfalls groß angelegt die Diasporasuite des Trompeters Steven Bernstein. Zwei ausladende Kompositionen ließen auf einem durch zwei Schlagwerke prächtig aufbereiteten Feld erstklassige Solisten zum Zuge kommen. Klarinettist Ben Goldberg, Saxofonist Peter Apfelbaum und vor allem der Gitarrist Brandon Ross nutzten den gebotenen Platz zwischen freiem Jazz, jüdischer Tradition und Echos des späten Miles Davis.

Am Ende des Tags noch ein netter Hinauswerfer. The Ex, eine Band holländischer Punkveteranen mit Afrika-Affinität, hatte sich auch den äthiopischen Saxofonisten Getatschew Mekuria geladen. Knappe, knackige Songs mit einer unterforderten Bläsergruppe, die eigentlich zum lockeren Antanzen luden. Um zwei Uhr morgens waren alle ein wenig erschöpft, aber ziemlich gut drauf. Morgen berichten die OÖN vom Finale mit dem großen Ornette Coleman.

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