Für seine Musikvideos und Werbefilme erhielt der in London lebende Inder Tarsem Singh („The Cell“) jede Menge Auszeichnungen. Mit „The Fall“ präsentiert er nun ein Projekt, das man international als visuelle Orgie bezeichnete.
OÖN: Die Geschichte beginnt 1915 in einem Krankenhaus in Los Angeles. Der schwer verletzte Stuntman Roy Walker trifft dort auf die kleine Alexandria und beginnt, ihr eine fantastische Story über fünf mythische Helden zu erzählen. Zusehends verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Eigentlich ist „The Fall“ eine unendliche Geschichte…
Singh: Ich bin heute 48. Die Idee hatte ich bereits, als ich 23 war.
OÖN: Es hat lange gedauert, bis ein Film daraus wurde.
Singh: Da ergab sich eine merkwürdige Parallele zum Helden der Geschichte. Er trauert im Krankenhaus seiner verlorenen Liebe nach. Der Zufall wollte es, dass mich zu jener Zeit meine Freundin verließ. Ich saß da, mit gebrochenem Herzen, und ich fühlte: Genau das war der Moment, wo ich meine Magical Mystery Tour antreten musste. Ich sagte zu meinem Bruder, der meine Finanzen regelt: „Es geht los. Verkauf alles, was wir haben. Nur: Bevor du auch unser Haus in London verkaufen musst, ruf mich an!“ Eines Tages kam der Anruf: „Das Haus ist fast verkauft!“ Meine Antwort: „Der Film ist fast fertig! Stopp!“ Gott sei Dank ging ich also nicht bankrott, das Haus blieb mir erhalten. Aber ich pflege auch sehr bescheiden zu leben. Schließlich bin ich in Indien aufgewachsen.
OÖN: Ihr Lieblingsdrehort?
Singh: Die Wüste und ihre unendliche Weite. Liegt vielleicht daran, dass ich aus dem dicht besiedelten Indien komme. Dabei sind Drehs in der Wüste oft außerordentlich schwierig. Manche Schauplätze lagen so hoch, dass uns der Sauerstoff ausging und wir kaum noch atmen konnten.
OÖN: Wohl ein Glücksfall, dass Sie die kleine Rumänin Catinca Untaru für die Rolle der Alexandria fanden?
Singh: Sie sagen es. Sieben Jahre lang graste ich Filmschulen in aller Welt ab. Dann schickte mir jemand aus Rumänien ein Video mit ihr. Ich schaute es mir an und war baff. Sie war genial im Improvisieren.
OÖN: Ihre Tricks setzten Sie auch dramaturgisch ein. Sie ließen Ihr Team und Catinca Untaru glauben, Lee Pace als Held Roy Walker sei wirklich querschnittgelähmt?
Singh: Ich musste deswegen, bei den Krankenhaus-Szenen, auf meinen Stamm-Kameramann verzichten, denn der kannte Lee und wusste, dass er sehr wohl gehen kann. Lee litt sehr darunter, dass er sich dauernd verstellen und lügen musste.
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