Weltpremiere zur XE-Eröffnung: Sebastian Brameshuber aus Gmunden beobachtete Muezzins beim Gebetswettbewerb (XE) Bild: XE
OÖN: XE 2009 – was ist dieses Jahr neu und anders?
Dollhofer: 2009 ist das Festival um einen Tag länger und wir nutzen dieses Ausnahmejahr Kulturhauptstadt auch, um programmatisch mehr zu machen. Wir haben uns an das „Extra Europa“-Programm angedockt, das zieht sich filmisch wie ein roter Faden durch. Die drei Länder Norwegen, Schweiz und Türkei sind in den verschiedensten Programmpunkten vertreten. Unsere Auslastung war schon immer sehr gut, der eine Tag mehr soll aber natürlich mehr Besucher bringen.
OÖN: Beim diesjährigen Festival ist einer der Eröffnungsfilme „Muezzin“ von Sebastian Brameshuber, einem der „Local Artists“. Soll das ein Zeichen für die noch stärkere Verwurzelung in der Region sein?
Dollhofer: Sebastian Brameshuber ist Gmundner und hat einen Film über einen Gebetswettbewerb in Istanbul gemacht, bei dem die Muezzins gegeneinander antreten – das passt in den Schwerpunkt Türkei. Lokales und regionales Filmschaffen sind aber seit jeher ein wichtiger Punkt im XE. Es war von Anfang an klar: Wenn man ein Filmfestival macht, muss man zuerst schauen: was gibt es vor Ort, in der Region und wie kann man auch hier eine Plattform für die Kreativen schaffen.
OÖN: Wie beurteilen Sie denn das oberösterreichische Filmschaffen?
Dollhofer: Das unterscheidet sich natürlich stark von Wien, das das Zentrum der Filmindustrie in Österreich ist. Nichtsdestotrotz gibt es hier eine sehr lebendige Szene, sehr stark beeinflusst von der Kunstuniversität und den verschiedenen filmischen Facetten, die dort ausprobiert werden. Auch Dokumentarfilme sind hier sehr stark. Wichtig ist, dass das Arbeiten mit Film und neuen Medien ein wichtiger gesellschaftspolitischer Bestandteil ist, der auch gelernt werden muss. Man kann nicht genug tun, was die Förderung von Filmen, das Produzieren und das Vermitteln betrifft.
OÖN: Die Türkei ist ein Schwerpunkt – wo zieht XE Europas Grenzen?
Dollhofer: Wir heißen ja „Crossing Europe“. Wir überschreiten immer Grenzen, ob das jetzt geografisch oder künstlerisch oder spartenübergreifend ist. Die Türkei ist so eine Schnittstelle, die zwischen Orient und Okzident, und insofern ist die Türkei ein wahnsinnig spannendes Filmland. Natürlich ist Türkei auch immer so ein Reizwort, gerade was die europäische Union betrifft und somit auch ein wichtiges Thema, um sich damit auseinanderzusetzen.
OÖN: Und wie steht es um das Festival im Jahr 2010?
Dollhofer: Das ist noch ein ungeschriebenes und sehr vages Kapitel. Seit drei Jahren werden wir ja von 09 gefördert und unterstützt. Nächstes Jahr werden uns diese Zuwendungen nicht mehr zu Buche stehen. Ich muss jetzt alle kulturpolitischen Entscheidungsträger und alle unsere Partner aus der Wirtschaft dazu anregen, diesen Fehlbetrag zu kompensieren. Aber alle wollen, dass das Festival auch 2010 weitergeht.