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Woran schreiben Sie gerade?

Die OÖNachrichten haben zehn oberösterreichische Autorinnen und Autoren gefragt, woran sie gerade schreiben....

Was uns hält – oder auch nicht

Ludwig Laher Bild: K.Laher

Ludwig Laher
Im Moment arbeite ich an einem Essay mit dem Titel „Die Anziehungskraft des Windelortes“, den ich als selbstständige kleine Buchpublikation bei meinem Hausverlag Wallstein plane. Darin geht es um Geburtshäuser Prominenter, die lediglich die allererste Zeit (bis zu drei Jahren) dort verbrachten, bevor die Eltern verzogen. Ausgehend von den Geburtshäusern der beiden Herren Hitler und Ratzinger, die nur 15 Kilometer auseinanderliegen, untersuche ich den Umgang mit solchen Windelorten, von denen ich eine ganze Reihe aufsuche.

Gabi Kreslehner
Nachdem mir in den Sommerferien ein Jugendroman „passiert“ ist und ich deshalb nicht dazugekommen bin, die beabsichtigte Semesterarbeit im Rahmen meines Studiums der Theaterpädagogik zu verfassen, muss ich dies nun nachholen. Ich schreibe also derzeit an einer Arbeit über Leben und Werk von Johann Nestroy. Wenn dies abgeschlossen sein wird, werde ich mich wieder in einen Roman einklinken, der nun ein gutes Jahr lang gut „abgelegen“ ist, in eine 100 Jahre währende Familiengeschichte nämlich, beginnend mit dem ersten Krieg bis in unsere Tage.

 

Walter Kohl
Ich arbeite an einem Roman namens „Der Untergang Amerigas“ (sic!), das wird der dritte Teil zu den Romanen „Ein Bild von Hilda als toter Mensch“ und „Out Demons Out“. Das Buch soll das heitere Satyrspiel zum Ausklang der Trilogie werden. Es erzählt die Geschichte vom beengenden Landleben, vom Aufkeimen einer Gegenkultur in einer Post-Nazi-Provinz, vom Zerbrechen einer untergehenden Welt aus der Perspektive kindlicher Unbedarftheit. Allerdings komme ich wegen harmloser, aber hartnäckiger Augenprobleme nicht so voran, wie ich möchte.

 

Kurt Palm
Der Roman, an dem ich gerade schreibe, heißt „Monster“. Das Buch ist eine wilde Mischung aus Horror, Trash, Politsatire und Liebesgeschichte und spielt fast zur Gänze am Attersee. Dort treibt nicht nur ein fünf Meter langer Monsterfisch sein Unwesen, sondern auch ein lesbisches Vampirpärchen aus Tschetschenien sowie ein paar Politikerinnen und Politiker, die einem irgendwie bekannt vorkommen. Angeschwemmte Hundehinterbeine und ertrunkene Taucher spielen auch tragende Rollen. Jeder kriegt sein Fett weg, niemand wird verschont!

 

Corinna Antelmann
Derzeit befinde ich mich im Endlektorat für meinen neuen Roman „Drei Tage, drei Nächte“, der im Februar 2018 zur Leipziger Buchmesse erscheinen wird (Septime-Verlag). Hier geht es um die Autorin Lisa, die auf Irritationen im Gefühlsleben damit reagiert, sich in ihren Kopf zurückzuziehen: Für sie stellt der Innenraum des Schädels Schutzraum und Gefängnis zugleich dar. Außerdem erscheint im November die Publikation des Essays Wer zum Teufel braucht das Immoralische in: „Das Immoralische“ (Avinus Verlag), herausgegeben von Michael Manfé.

 

Thomas Baum
Ich hab gerade die Druckfahnen meines neuen Kriminalromans „Tödliche Fälschung“ gelesen. Er erscheint in Kürze im Haymon Verlag und wird am 22. März 2018 im Linzer Stifterhaus präsentiert. Einen nächsten Krimi habe ich bereits in Arbeit. Außerdem entwickle ich einen Fernsehspielfilm und eine nächste Folge für „Universum History“. Thomas Baum hat obendrein das Buch für die jüngste, von Regisseurin Sabine Derflinger inszenierte Oberösterreich-Folge „Im Bann von Krieg und Besatzung“ der „Universum History“-Reihe geschrieben.

 

Franzobel
Nach „Floß der Medusa“ wollte ich wieder etwas schreiben, das in der Jetztzeit spielt. Herausgekommen ist ein Kaleidoskop über die österreichische Gesellschaft. Ein Mann gerät unschuldig in Untersuchungshaft. Er wird des Mordes verurteilt, seine Frau verlässt ihn. Parallel dazu taucht die Leiche eines Gigolos auf, der alte Witwen ausgenommen hat. Seine letzte Affäre war die Gattin eines Bauunternehmers, der beinahe einen ganzen Ort in den Bankrott getrieben hat. Beide Erzählstränge kulminieren im Finale furioso auf dem Opernball. Ein Roman über Alphatiere und korrupte Verhältnisse.

Franzobel

 

Alois Brandstetter
Jährlich muss ich einer Behörde in Neubrandenburg eine sogenannte „Lebensbescheinigung“ senden, damit sie mir ein weiteres Jahr meine (kleine) deutsche Rente für 13 Jahre Dienst im Saarland weiterhin überweist. Ein österreichisches Amt bestätigt mit Stempel und Unterschrift, dass es mich „still alive“ vor seinem Schalter gesehen hat. „Lebenszeichen“ oder „Lebensnachweis“ oder „Lebensbescheinigung“ soll der Titel einer Sammlung von Kurzprosa sein, an der ich im Hinblick auf meinen hohen Geburtstag (80 Jahre, Anm.) im nächsten Jahr laboriere.

 

Richard Wall
Ich schreibe an einer essayistischen Prosa, welche die Irlandreise des französischen Dichters, Schauspielers und Zeichners Antonin Artaud 1937 zum Thema hat. Ein turning point in seiner Biografie. Nach sechstägiger Internierung in Dublin wird Artaud nach Le Havre überstellt und der Polizei übergeben, die ihn in eine Zwangsjacke steckt. Darauf folgten fürchterliche acht Jahre in geschlossenen Anstalten und 51 Elektro-Schock-Behandlungen. Zudem entstehen, wie immer Gedichte, und, aktuell, ein Reisetext über meine Wanderungen auf der Mani, Peloponnes.

 

Reinhard Kaiser-Mühlecker
Seit Anfang des Jahres schreibe ich – langsam und zugleich etwas kurzatmig – an einer Erzählung, die Liebes- und Kriminalgeschichte in einem ist, aber ohne Polizisten oder Kommissar. Beenden will ich sie vor Weihnachten, wann sie erscheint, weiß ich noch nicht, ich habe es gerade nicht sehr eilig. (Reinhard Kaiser-Mühlecker ist aktuell zu Gast in Japan. Auf Einladung der japanischen Gesellschaft für Germanistik hält er Veranstaltungen, Lesungen und Seminare zur österreichischen Gegenwartsliteratur in Nagoya, Osaka, Kobe, Tokio und in Nozawa Onsen ab.

 

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Artikel 11. November 2017 - 00:04 Uhr
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