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Weihedeckerl für Ostern selber sticken

Tradition: Bei der österlichen Speisenweihe in der Kirche werden Fleisch, Eier, Brot und Salz in ein schön besticktes Tuch gehüllt. Alles über Brauchtum und traditionelle Muster.

Weihedeckerl für Ostern selber sticken

Handarbeitsexpertin Karin Eder zeigt Thekla Weissengruber ihre österlichen Kreuzstich-Vorlagen in der Bauernstube im Schlossmuseum Linz. Bild: Weihbold

Zu Ostern bringen viele Gläubige einen Korb mit Fleisch, Brot, Wein, Eiern und Salz mit in die Kirche, um die Speisen weihen zu lassen. "Das Brauchtum geht zurück bis ins 7. Jahrhundert und ist bis heute eine ganz wichtige und schöne Tradition, für die sich auch viele junge Menschen begeistern", sagt Pastoralassistent Gerhard Pumberger aus Pinsdorf. "Das sehen wir schon allein daran, dass bei uns die Körbchen am Ostersonntag richtiggehend gestapelt werden müssen, weil es so viele sind."

Mit all den geweihten Köstlichkeiten würde dabei weniger das Ende der 40-tägigen Fastenzeit gefeiert, sondern vielmehr die Auferstehung und damit die Lebendigkeit und Lebensfreude zelebriert. "Ostern ist ja das Fest des Lebens", sagt der Theologe. Die geweihten Speisen werden gemütlich zu Hause gegessen, "da feiert man dann daheim mit seiner Familie weiter."

Doch nicht nur die Speisenweihe selbst, auch die Weihedeckerl, mit denen das Essen in den Körben zugedeckt wird, haben eine lange Tradition.

"Dabei handelt es sich um schöne Tücher aus Leinen, die mit religiösen Symbolen bestickt sind", sagt Thekla Weissengruber, Volkskunde-Expertin im Linzer Schlossmuseum. Zu Ostern seien das natürlich vor allem das Osterlamm, das Kreuz, das Herz oder die Buchstaben IHS als Kurzform für den Namen Jesus, erklärt die Forscherin, deren Fachgebiet Textilien und Trachten sind.

Bei der Handarbeitstechnik würde es sich vor allem um Kreuzsticharbeiten handeln, "die dazu fast immer in Rot gehalten sind", sagt Weissengruber. "Die Farbe hatte früher den Vorteil, dass sie lange haltbar war, darüberhinaus steht Rot ja auch für das Leben, für Kraft, Liebe und Blut." Die Menschen wollten mit den Symbolen auf den Weihedeckerln laut Weissengruber zum einen zeigen, dass sie religiös sind. "Zum anderen erhoffte man sich dadurch natürlich auch, dass Gott einem gnädig ist, Unheil abwenden und etwaige Sünden vergeben möge."

Auch die Anfertigung solcher Kunstwerke sei so etwas wie ein andächtiger Akt gewesen – und früher auch fast so etwas wie Luxus. "Allein schon, dass man Zeit für etwas aufgewendet hat, das nicht zwingend notwendig war – also nicht für den täglichen Gebrauch bestimmt war, war schon etwas ganz Besonderes", sagt Weissengruber. "Dementsprechend stolz und bedacht waren die Damen natürlich auch auf ihre textilen Kunstwerke, die das ganze Jahr über wie ein Schatz im Wäscheschrank gehütet wurden. Zu Ostern hat man sie gewaschen und gestärkt – und präsentiert. Für Ostern war den Leuten nichts zu kostbar – kein Wunder, ist es doch größte Fest des Jahres."

Burda-Designerin Karin Eder hat für OÖN-Leser Stickvorlagen für Ostermotive entworfen.

 

Das kommt traditionellerweise in den Osterkorb

Die Speisen werden in der Osternacht oder am Ostersonntag in der Kirche geweiht, sagt Pastoralassistent Gerhard Pumberger. Traditionellerweise kommt dabei in den Osterkorb:
Brot/Gebäck steht für Jesus als lebendiges Brot.
Osterlamm: Zeichen für Erlösung.
Osterschinken/Geselchtes: Viele verzichten ja auf Fleisch in der Fastenzeit, nun feiert man wieder die Fülle des Lebens.
Wein symbolisiert das Leben und die Lebenslust.
Salz weist auf die Auferstehung und das neue Leben hin.
Ostereier sind das Symbol für Neuanfang und Liebe.
Kren wird in manchen Regionen ebenfalls geweiht: Seine Schärfe soll das durch die Auferstehung überwundene Leid (das Bittere) symbolisieren.

 

Die Stick-Anleitungen (PDF):



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Artikel Valerie Hader 12. März 2016 - 00:04 Uhr
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