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Vor Peter Klien flüchten fast alle

Der freche Außenreporter von "Willkommen Österreich" ist bei seinen Gesprächspartnern gefürchtet.

Vor Peter Klien flüchten fast alle

Der "Willkommen Österreich"-Außenreporter hier beim FPÖ-Wahlkampfauftakt in Wels Bild: VOLKER WEIHBOLD

Er fragte Prinz Charles, ob er in einem King-Size-Bed schlafe, und wollte von Sebastian Kurz wissen, wer bei der ÖVP für den Stillstand sorge, weil die Partei ja jetzt eine Bewegung sei. Christian Kern fragte er, was dagegen spreche, dass man im Wahlkampf eine Strategie verwendet. Wenn der freche Außenreporter im Dunstkreis von Politikern auftaucht, tauchen selbige gern wortkarg ab.

Die Wahl ist geschlagen, und Peter Klien, der geistreiche Außenreporter von "Willkommen Österreich", hat als ungebetener Gast Wahlpartys heimgesucht und die Verlierer mit seinen gnadenlosen Fragen genervt (Video am Ende des Artikels). Wir baten den Interviewer zum Interview.

 

Herr Klien, Sie kosten mir beim Anschauen Ihrer Interviews Nerven. Woran liegt das – an der unweigerlichen Peinlichkeit, die gleich kommen wird?

Klien: Das höre ich immer wieder. Ich wundere mich darüber, weil ich meine Annäherungsversuche als sehr charmant erlebe. Es ist tatsächlich so, dass ich einen Schalter umlege und da nicht als Privatperson, sondern als Figur agiere. Und das entkoppelt mich dann vom persönlichen Schamgefühl.

Kommt dieses Schamgefühl irgendwann zurück, oder denken Sie: Ja, super, viele gute Sager!

Da muss ich ehrlich sagen, dass es sich eher um Zweiteres handelt.

Sie sind unter anderem Philosoph, Schauspieler, Kabarettist, Bergbauer und Yogi. Sind das die Zutaten für die entsicherte Interviewer-Waffe Peter Klien?

Das ist schon eine gute Beobachtung, weil das eine Mischung der vielen Dinge ist, die ich schon gemacht oder gesehen habe, über die ich gelesen und nachgedacht habe. Das gibt einem eine gewisse Standfestigkeit im Umgang mit so genannten hochgestellten Personen.

Sie stellen mit ernster Miene komische Fragen und bekommen so komische, aber ernst gemeinte Antworten. Ist das gemeinsam mit dem Voyeurismus der Zuschauer Ihr Erfolgsgeheimnis?

Eine kollektive Begeisterung, die durch Dinge ausgelöst wird, von denen man das vorher nie angenommen hätte, ist ja nicht planbar. Ich mache ja schon lange Kabarett, aber auf der Bühne hat meine Arbeit nie solche Begeisterungsstürme hervorgerufen wie im Fernsehen. Das, was ich mache, ist so etwas wie die Rache des kleinen Mannes, weil die Richtung umgedreht wird. Ich rühre um im Kreis der Politik und der Gesellschaft, und die Leute freuen sich, dass da Dinge durcheinandergeraten.

Gehen Sie gut vorbereitet in Ihre Interviews, wie viel ist spontan?

Es ist beides gleich wichtig. Die Vorbereitung ist nicht exzessiv, aber gewissenhaft. Bei der Durchführung ist es wichtig, Situationen schnell zu lesen und zu reagieren.

Dürfen Sie sich alles trauen, oder redet der ORF mit?

Da haben wir äußerst freie Hand.

Sie haben aber ein ORF-Mikrofon in der Hand, das Ihrer Mission einen – wenn auch vorgetäuschten – offiziellen Touch verleiht.

Natürlich wird es beobachtet, aber nachdem mir auch wichtig ist, dass ich alle Politiker gleich gut – manche sagen, gleich schlecht – behandle und das relativ kompromisslos durchziehe, ist damit die journalistische Objektivität durchaus auch gegeben. Es gab nie Interventionen. Der ORF muss aber jede Folge abnehmen, und da ist es schon vorgekommen, dass Dinge herausgeschnitten werden.

Ärgerlich, oder?

Im ersten Moment ärgere ich mich, weil diese Szenen Sprengkraft haben. Als Satiriker möchte man natürlich zündeln und sehen, dass es sich bewegt. Auf lange Sicht kann ich das aber verstehen.

Wie reagiert man am besten, wenn Sie mit dem Mikro auftauchen?

Ich möchte jetzt keinem Politiker Tipps geben, wie er mit mir umgehen soll. Es ist ja auch keine allzu große Kunst, mir gegenüber zu bestehen. Man muss halt auf seine Spontanität vertrauen und Humor mitbringen.

Sebastian Kurz ist bei Ihnen stets kurz angebunden. Halten Sie ihn für humorlos?

Es ist Tatsache, dass er Gesprächen mit mir ausweicht. Das hat man jetzt schon dreimal erlebt. Was der Grund dafür ist, müssen Sie ihn selber fragen. Mein Punkt ist eher, dass ich ihn einmal vors Mikrofon kriegen möchte. Aber so, wie es ausschaut, wird das Nachhaltigkeit erfordern. Wenn seine Bodyguards noch größer und breiter werden, wird es schwierig.

Sind Humorlosigkeit und mangelnde Spontanität ein Grundprinzip unserer Politiker?

Es gibt in allen Parteien auch Proponenten, die Humor und Spontanität mitbringen, es ist allerdings die kleinere Anzahl an Personen. Mir ist es auch wichtig zu sagen: Ich glaube nicht, dass das Kategorien sind, die ein guter Politiker mitbringen muss. Es kann jemand gute Politik machen und nicht wissen, wie er mit mir umgehen soll.

Womit kann man Sie in Verlegenheit bringen?

Das weiß ich jetzt aufs Erste nicht. Wenn ich es wüsste, würde ich es nicht in der Zeitung lesen wollen.

Wie weit würden Sie nicht gehen – gibt es Grenzen der Satire?

Wir tarieren das schon genau aus, wie weit wir gehen wollen. Grundsätzlich würde ich keine Grenze anerkennen. Aber umgekehrt möchte ich auch nicht provozieren um der Provokation willen.

Würden Sie in einem muslimischen Gebetskreis Mohammed-Witze machen?

Das hat für mich nichts mit den Moslems zu tun. Wenn es da Dinge gäbe, die mich massiv stören, würde ich da schon auch Witze machen. Das betrifft die katholische Kirche genauso. Ich würde mich jetzt nicht über Religion als Religion lustig machen wollen, weil das religiöse Bedürfnis zum Menschen dazugehört.

 

Tipp: Peter Klien gastiert am 31. Oktober, 19.30 Uhr, mit der Vorpremiere seines neuen Kabarettprogramms "Reporter ohne Grenzen" im Kulturverein Ramlwirt, Neumarkt im Mühlkreis.

Video: Peter Klien - Nationalratswahl 2017: Wahltag

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Artikel Helmut Atteneder 17. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
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