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Von "I hear" bis "Sun" - So ähnlich sind Mundart und Englisch

Immer mehr englische Wörter halten Einzug in den Duden. Aber auch die Mundart ist voll von Wörtern, die mit dem englischen Pendant einen gemeinsamen Ursprung haben.

Was jetzt auch im Duden steht

Fake News – die Wortkreation von Donald Trump findet sich im Duden wieder. Bild: APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene

Wie kommt es, dass sich die Mundart und die englische Sprache teilweise ähneln? Nikolaus Ritt vom Institut für Anglistik an der Universität Wien kennt die Ursache: „Beide Sprachen haben sich aus dem Germanischen entwickelt. Ab dem vierten Jahrhundert haben sich beide Sprachen ausdifferenziert und klar voneinander getrennt. Das Englische hat sich dann aus einer Reihe von westgermanischen Dialekten, die die angelsächsischen Eroberer auf die Insel mitgebracht haben, entwickelt.“ Auch durch Lautverschiebungen in der Standardsprache haben sich im Laufe der Jahrhunderte beide Sprachen immer weiter voneinander entfernt.

Zahlreiche OÖN-Leser berichteten von ihrem ersten Englisch-Schulbuch mit dem Titel „I learn English“. Als geübte Mundartsprecher dachten sie sich allerdings nur, dass im Wort „English“ das „c“ fehlt … Auch das Wort window (Fenster) hat einen germanischen Ursprung: Früher handelte es sich bei einem Windlow um ein Loch in der Wand, durch das Luft und Licht in den Raum kommen konnten.

  • Dahoam : at home (zu Hause)
  • Ros : horse (Pferd)
  • Oalefi : eleven (elf)
  • Drischpl : treshold (Türschwelle)
  • Earl : ear (Ohr)
  • Foam : foam (Schaum)
  • I hear : I hear (ich höre)
  • Sun : sun (Sonne)
  • Göre : girl (Mädchen)
  • Oiwei : always (immer)
  • Freind : friend (Freund)
  • Änkö : ankle (Knöchel)
  • Meis : mice (Mäuse)
  • Leis : lice (Läuse)
  • Daddi : daddy (Papa)
  • napfazen : to nap (schlummern)

 

Was der Kämpfer für das "österreichische Deutsch" vom neuen Duden hält

Der Linguist und Germanist Rudolf Muhr gilt als Kämpfer für das "österreichische Deutsch". Der 67-Jährige lehrte viele Jahre an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Im Interview erklärt der Begründer der Initiative "Wort des Jahres", was er von den vielen Anglizismen im Duden hält und was für ihn das Schützenswerte am österreichischen Deutsch ist.

 

Herr Muhr, in den neuen Duden wurden 5000 Wörter aufgenommen, darunter viele Anglizismen. Was haben die im Wörterbuch der deutschen Sprache verloren?

Muhr: Diese Entwicklung ist natürlich gut, weil diese Wörter im Sprachgebrauch sind. Man kann das nicht wegdiskutieren. Wenn Trump "Fake News" erfindet und alle davon reden, dann muss das natürlich ins Wörterbuch.

Aber es ist ja ein Lexikon der deutschen Sprache.

Es ist vor allem ein Lexikon der deutschländischen Sprache. Der Duden gilt ja nicht für Österreich. Es ist unzweifelhaft so, dass die angelsächsische Welt einen starken Einfluss auf die deutsche Sprache hat. Es wäre ein sinnloses Unterfangen, zu sagen, die englischen Wörter gefallen uns nicht, deshalb nehmen wir die Begriffe nicht auf und dann gibt es sie auch offiziell nicht. Was wäre denn das!

Legen die Österreicher zu wenig Wert auf ihre eigene Sprache?

Man muss den Österreichern sagen, dass ihre Sprache nicht schlechter ist. Natürlich ist es so, dass die österreichischen Eliten aus reinem Opportunismus zu wenig Wert auf ihre eigene Sprache legen. Weil man immer gerne beim Großen dabei sein will und immer Angst hat, dass man dialektal ist.

Das häufige Verwenden von Anglizismen ist also eine Art verbales Statussymbol?

Anglizismen werden eindeutig zur Statusverschönerung verwendet.

Sie haben sich der verbalen Rettung des Paradeisers verschrieben. Wie steht Ihr Kampf gegen die Tomate?

Der Paradeiser lebt und ist wunderbar dabei, sich zu verbreiten. Ich habe immer wieder Propaganda für ihn gemacht. Warum soll Paradeiser schlechter sein als Tomate? Wenn die großen Handelsketten in Deutschland ihre Etikettierungsmaschinen anlaufen lassen, dann pickt halt die Tomate auf dem Paradeiser. Durch die Wendung zu lokalen Lebensmitteln hat sich auch eingestellt, dass die Leute wieder Paradeiser sagen.

Welche Wörter sehen Sie noch in unmittelbarer Gefahr, verdeutscht zu werden?

Da gibt es eine lange Liste. Was mich immer wieder nervt, ist der Anlieger. Das heißt Anrainer. Teilweise wissen die Leute ja gar nicht mehr, ob das österreichisch ist oder nicht.

Was macht Sie zum Kämpfer für das Österreichische am Deutschen?

Es geht darum, wie eine Gesellschaft mit ihren ureigentlichsten kulturellen und sozialen Produkten umgeht. Wenn wir als Gesellschaft der Meinung sind, dass unsere eigene Sprache nichts wert ist, dann ist auch unsere Gesellschaft nichts wert. Damit ist sie offen für Manipulation und Herabwürdigung. Alles, was nicht das Eigene ist, ist dann plötzlich erstrebenswert.

Ist Veränderung nicht ein zwingendes Kriterium für die Sprache? Wir reden ja auch nicht mehr mittelhochdeutsch.

Ich bin überhaupt nicht gegen Weiterentwicklung, der Punkt ist nur der, wie die vonstattengeht. Ob man das bewusst vollzieht und im Griff hat, oder ob das eine wilde Sache ist, die von außen her bestimmt wird.

Das Unheil fängt schon früh an. Warum treffen schon Kinder so häufig den falschen Ton?

In Österreich gibt es nur noch Kinderbücher aus Deutschland. Die haben eine Sprache, die für Österreich total fremd ist. Die Eltern sind gezwungen, die Texte zu übersetzen, wenn sie ihren Kindern vorlesen. Das ist ja kein Zustand, das ist absurd.

 

Was jetzt auch im Duden steht

Am Mittwoch erscheint die 27. Auflage des Duden. Er ist das Standardwerk für deutsche Sprache und Rechtschreibung (in Deutschland). 5000 neue Wörter wurden aufgenommen, somit umfasst der Duden des Jahres 2017 rund 145.000 Einträge. Hier ein paar neue Einträge:

Zeitgeschichte: Flüchtlingskrise, Lügenpresse, Willkommenskultur, postfaktisch, Hasskriminalität, Schmähgedicht, Fake News, Flexitarier; Technologie: Selfie, Selfiestick, Tablet, pixelig, Datenbrille, Emoji, Filterblase, liken, Cyberkrieg, facebooken, entfreunden;

Zeitgeist: Undercut, Work-Life-Balance, Low Carb, Hoodie, Urban Gardening, Roadtrip, Hygge (Gemütlichkeit, Heimeligkeit als Lebensprinzip), Jumpsuit;

Umgangssprache: verpeilen, rumeiern, abgezockt, futschikato, runterwürgen, Honk (Dummkopf, Idiot), Ramschniveau.

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Artikel Helmut Atteneder 08. August 2017 - 15:03 Uhr
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