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Vertonte Chronik vom Leiden Christi

Evangelische Kantorei: Auftakt zu den Passionskonzerten von Musica sacra

Vertonte Chronik vom Leiden Christi

Franziska Leuschner und ihre Evangelische Kantorei Bild: Kotek

Am Sonntag fand in der Martin-Luther-Kirche der Auftakt zu den Passionskonzerten der Musica-sacra-Reihe mit der Evangelischen Kantorei statt. Auf dem Programm keine der großen Bach-Passionen, sondern die Brockes-Passion von Johann Friedrich Fasch. Dieser war um drei Jahre jünger und wäre – hätte ihn damals sein Dienstgeber freigegeben – Bach als Thomaskantor vorgezogen worden. Der Grund mag darin liegen, dass sich Fasch Anfang der 1720er-Jahre mehr dem neuen Stil verpflichtet fühlte und die dichte Polyphonie für überholt ansah. Doch wie man diese Musik auch nennen mag – ob Vorklassik, empfindsamer Stil oder Rokoko –, es ist eine Zeit des Suchens, des Experimentierens, und nicht alle Einfälle haben sich als brauchbar erwiesen.

Suche nach der Intensität

So gibt es – dem Libretto Barthold Heinrich Brockes’ geschuldet – keine Dramatik im Ablauf der Passions-Geschehnisse, vieles wird wie ein unaufgeregter Zeitungsbericht vorgetragen, und die emotionale Reaktion der Arien darauf bleibt meist ebenso kühl. Die kunstvollen Choräle Bachs weichen der viel einfacheren Frühform und sind daher noch schwieriger zu gestalten. Das heißt, die Musik trägt viel in sich, man muss allerdings intensiver danach schürfen, als es bei Bach nötig wäre.

Das war auch bei diesem Konzert zu erleben, das mit Bachs bei uns eher selten zu hörender Kantate Nr. 22 "Jesus nahm zu sich die Zwölfe" begann. Wo sich dort die emotionale Dichte von selbst einstellt und gleich im eigenwillig gestalteten Chor, der mit einem Zwiegespräch beginnt und allmählich in die große Chorfuge übergeht, fesselt, muss bei Fasch beinahe nachgeholfen werden. Das ist den Solisten – Susanne Thielemann, Gerda Lischka, Gernot Heinrich und Stefan Zenkl – durchaus gut gelungen, auch das Ensemble Concerto Lutherano investierte viel darin.

Der fein studierte Chor der Evangelischen Kantorei hatte allerdings nur beim Eingangschor der Bachkantate wirklich etwas zu tun und nur bedingt Freude mit den sehr einförmigen Chorälen, die die sonst sehr versierte Kantorin Franziska Leuschner differenzierter hätte gestalten können. Dennoch eine interessante Begegnung mit nicht alltäglicher Musik.

Passionskonzert, Musica sacra: Ev. Kantorei in der Linzer Martin-Luther-Kirche, 11. 3.

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Michael Wruss 13. März 2018 - 00:04 Uhr
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