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Umstrittene Antisemitismus-Doku doch im Fernsehen

Seit Wochen wird die TV-Doku "Auserwählt und ausgegrenzt" heißt diskutiert. Nachdem sie aufgrund redaktioneller Einwände zurückgehalten worden ist, zeigt sie nun die ARD am Mittwoch (22.15 Uhr).

Die Doku "Auserwählt und ausgegrenzt" ist am 21 Juni zu sehen. Bild: rts

Der Film beginnt gleich provokant: Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) behauptet vor dem Europäischen Parlament, dass einige Rabbiner die israelische Regierung aufgefordert hätten, das Wasser der Palästinenser zu vergiften. Eine "Ritualmordlegende", heißt es aus dem Off, die sich über Jahrhunderte seit dem Mittelalter halte: die Juden als Brunnenvergifter.

Gleich präsentieren die Filmemacher Aufnahmen des antisemitischen Nazi-Propagandisten Julius Streicher, der immer wieder gegen die Juden hetzte.

So beginnt "Auserwählt und ausgegrenzt", eine 90 Minuten lange Dokumentation, um die es bereits seit Wochen Streit gibt. Der deutsch-französische Kultursender Arte - an dem ARD und ZDF beteiligt sind - und der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hatte die Dokumentation ursprünglich in Auftrag gegeben, sich aber wegen redaktioneller Einwände kürzlich gegen eine TV-Ausstrahlung entschieden.

Gegen diese Entscheidung hatte unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland protestiert. Auch Historiker wie Michael Wolffsohn und Götz Aly plädierten für eine Ausstrahlung. Nun springt die ARD ein und zeigt die Dokumentation an diesem Mittwoch um 22.15 Uhr im Ersten.

Kritische Einbettung, Diskussion nach der Ausstrahlung 

Die ARD will das Stück einordnen, auf kritische Passagen hinweisen und darüber diskutieren lassen: Im Anschluss wird dem Thema eine eigene Talksendung mit Sandra Maischberger gewidmet. "Dabei werden auch die vom WDR beanstandeten handwerklichen Mängel der Dokumentation berücksichtigt", hieß es in einer Mitteilung.

Der Film war von "Bild.de" am Dienstag vergangener Woche für einen Tag online gestellt worden. Seitdem kursiert er auch im Internet.

Abgelehnt "aufgrund qualitativer Mängel" 

Die Sender Arte und der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hatten bis zur vergangenen Woche die Ausstrahlung abgelehnt und auf qualitative Mängel hingewiesen. Der Film enthalte Tatsachenbehauptungen, "für die es nach jetzigem Kenntnisstand des WDR keine ausreichenden Belege gibt", hieß es vor einigen Tagen vom WDR. "Auch sind Betroffene mit den im Film gegen sie erhobenen Vorwürfen nicht konfrontiert worden. Das aber gehört zu den Standards der journalistischen Arbeit." Darüber hinaus seien offenbar Persönlichkeitsrechte verletzt worden.

Mehr Szenen aus dem Nahen Osten als aus Europa 

Die Autoren Sophie Hafner und Joachim Schroeder hatten sich laut Arte-Programmkonferenz nicht wie verabredet um den wachsenden Antisemitismus in Europa gekümmert, sondern zumeist im Nahen Osten gefilmt. Arte sei "über diese fundamentalen Änderungen bis unmittelbar vor Lieferung des Films bewusst im Unklaren gelassen" worden, hieß es aus Straßburg. In der Tat zeigt der Beitrag viele Bilder aus dem Nahen Osten, Osteuropa ist überhaupt kein Thema in dem Film, obwohl die Autoren auch Bilder aus Ungarn hatten.

Die Filmemacher zeigen in ihrem Film außerdem beispielsweise Szenen von einer Demo in Berlin oder Bilder von der jüdischen Gemeinschaft in der Pariser Vorstadt Sarcelles. Ganz unterschiedliche Themen werden angeschnitten: Was passiert mit internationalen Hilfsgeldern in Gaza? Gehen sie an die judenfeindliche und antizionistische Hamas? Wie sehr ist der Nahostkonflikt bereits in Frankreich angekommen, und werden Juden dort bedroht und damit zum Auswandern bewegt? Politikwissenschaftler und Antisemitismusforscher kommen zu Wort, und weitere Dutzende von Menschen äußern sich.

Publikum soll sich eigenes Bild machen können 

WDR-Intendant Tom Buhrow unterstrich zum Ende der vergangenen Woche die Bedeutung des Themas und dass es wichtig sei, die Dokumentation und "unsere handwerklichen Fragezeichen dazu transparent zur Diskussion zu stellen". Volker Herres, der Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, sagte: "Ich halte es für richtig, die umstrittene Dokumentation jetzt einem breiten Publikum zugänglich zu machen, auch und trotz ihrer handwerklichen Mängel. Nur so kann sich das Fernsehpublikum ein eigenes Bild machen.

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Artikel OÖN 19. Juni 2017 - 16:20 Uhr
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