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Thomas Maurer: "Dieses unangenehme Jucken spüren viele"

Thomas Maurer spricht im OÖN-Interview über Willkommenskultur, Lügenpresse und sein Mühlviertlerisch.

"Dieses unangenehme Jucken spüren viele"

Dort wo es sich nicht ganz ausgeht, schlummert die Komik. Bild: (Ingo Pertramer)

Thomas Maurer ist seit mehr als 25 Jahren ein Fixstern in der heimischen Kabarettszene. Als einer der "Staatskünstler" versprüht der 49-jährige Wiener gemeinsam mit Florian Scheuba und Robert Palfrader im ORF seinen scharfen Witz. Für sein 19. Kabarettprogramm "Der Tolerator", das morgen Abend im Posthof zu sehen ist, heimste er zum dritten Mal den österreichischen Kabarettpreis ein. Für das Gespräch mit den OÖNachrichten unterbricht der Vater von drei Kindern das Zwiebelschneiden und sinniert über Preise und Politik.

OÖN: Sie haben zum dritten Mal den österreichischen Kabarett-Preis gewonnen – welche Bedeutung hat das für eine Karriere?

Maurer: Man kann sicher davon ausgehen – schaden tut es nicht. Aber ich habe heuer auch den deutschen Kleinkunstpreis gekriegt, und der hat sich zum Beispiel punkto Anfragen von Spielorten oder positiven Rückmeldungen von Spielorten in Deutschland mit 0,0 niedergeschlagen. Man weiß es halt nicht genau.

Ihr aktuelles Programm heißt "Tolerator". Toleranz ist bei uns eigentlich ein positiv besetztes Wort, etwas, was als sehr hoher Wert angesehen wird. Nach so langer Beschäftigung mit diesem Wort – wie sehen Sie das?

Es ist etwas Doppel- und Dreifachbödiges in der Toleranz. Zum einen toleriert man ja nur Dinge, die man lieber nicht tolerieren würde, sonst wäre ja keine Toleranz vonnöten. Dann steckt natürlich auch in der Toleranz natürlich auch immer eine Selbsterhebung und Herablassung. Denn tolerieren kann immer nur der, der auch in der Lage ist, das nicht zu tun. Dann kommen diese ganzen Fragen wie "Wie weit geht die Toleranz?" und "Ist keine Toleranz der Intoleranz" nicht ein paradoxes Unterfangen? Aber ich finde, für Kabarettprogramme sind Dinge, wo es sich spießt, weitaus brauchbarer als eindeutige.

An Ihrem Publikum können Sie alles tolerieren?

Wenn jemand mit dem Vorsatz den Saal betreten hat, den restlichen Abend lauter und lustiger zu sein als ich, dann kann es schon sein, dass ich einschreite.

Wo geht es sich denn Ihrer Meinung nach derzeit nicht aus?

Auf vielen Ebenen. Hochemotionalisierte Politik. Wir haben das Phänomen der Neuen Medien und das Subphänomen des wasserdichten Lügenpresse-Vorwurfs gegen alles. Wenn man irgendwelche Ausländer-Kriminalität erfindet und das stimmt gar nicht, dann ist die Tatsache, dass es nicht bewiesen werden kann, der Beweis dafür, dass es stimmt, weil die Lügenpresse alles verschweigt und deswegen muss es stimmen. Also wir haben da Bereiche erobert, wo so gute alte Instanzen wie Vernunft, Logik und Diskussion einfach ausgeschaltet sind, und da kann die Toleranz gerade der Wohlmeinenden relativ schnell zumindest an ihre Grenzen kommen, wenn nicht an ihr Ende.

Worüber kann man gerade am besten Scherze machen?

Für mich ist das große Thema diese Spaltung, die es ja so eh nicht gibt, zwischen Willkommenskultur – wobei ich niemanden kenne, der durch die Welt rennt und um mehr Leute fragt, die zu uns kommen – und der Weltuntergangsstimmung und der Massenpanik auf der anderen Seite. Das wird uns noch über ein paar Jahre beschäftigen, und das finde ich gerade am allerwichtigsten. Das bietet sich nicht als erstes als lustiges Thema an, aber auch der Erfolg meines Programms spricht dafür, dass dieses ein bisserl unangenehme Jucken diesbezüglich viele Leute spüren. Auch wenn man nicht die Patentlösung anbieten kann, schon die Tatsache, dass man sich auf einer anderen Ebene damit auseinandersetzen kann, scheint für viele Menschen ein Bedürfnis zu erfüllen.

Als Kabarettist reisen Sie ständig durch Österreich. Wodurch sticht Oberösterreich heraus?

Als Bundesland mit sehr vielen Auftrittsmöglichkeiten. Um in Kärnten überhaupt zu spielen, muss ich kämpfen, denn da sind nach den blau-orangen Jahren wenig Spielstätten übrig geblieben, die noch veranstalten. Meine persönliche Beziehung zu Oberösterreich ist, dass ich vor ein paar Jahren für ein Programm intensiv Mühlviertlerisch gelernt habe. Nachdem ich sonst nicht so ein Dialekt-Virtuose bin, ist es außerhalb Wiens fast das einzige Bundesland, in dem ich mich in Landessprache verständigen kann. Mein Oberösterreichisch ist eingerostet, mir fallen jetzt nur Vokabel ein wie "netta", das gute, alte "überhaupst" und "goi". Aber das sind ja Amateur-Dinge, ich war schon weiter!

Weitere Termine: St. Pantaleon, Mehrzweckhalle Riedersbach 15. 10., Pregarten Bruckmühle 27. 10., Linz Arbeiterkammer 3. 11., Leonding Kürnberghalle 15. 11.

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Artikel Julia Evers 14. September 2016 - 00:04 Uhr
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