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Staatsoper: „Pelléas et Mélisande“ als großartiges Musiktheater

Premieren-Kritik: Marco Arturo Marelli inszenierte Claude Debussys Oper stimmig an der Staatsoper Wien

Olga Bezsmertna als „Mélisande“ und Adrian Eröd als „Pelléas“ Bild: APA

Die letzte Staatsopernpremiere der Saison am Sonntag galt Claude Debussys Drame lyrique „Pelléas et Mélisande“. In Marco Arturo Marellis Inszenierung ist alles im Fluss. Der Großteil der Bühnenfläche ist mit Wasser bedeckt, das in jeder Szene eine andere Symbolik erlangt. Wasser, Meer, ein Boot – und doch gibt es kein Entfliehen aus Arkels Burg, in der Mélisande zwar Zuflucht, aber kein Glück findet. Golaud ist nicht wie so oft der um viele Jahre ältere Bruder des jungen Pelléas, sondern beide sind fast gleich alt, was die unglückselige Dreiecksgeschichte noch intensiviert.

Wunderbar feine Klangfarben 

In jedem Detail sind Symbole für die vielschichtigen Metaebenen dieses Stoffs versteckt. Marco Arturo Marelli hat eine großangelegte Architektur auf die Bühne gestellt, die heimeligen Schutz und bedrohliche Enge zugleich ausdrückt. Aber auch musikalisch lebte diese Aufführung vom stetigen Fluss – ganz im Sinn des Komponisten, der ausdrücklich „wollte, dass die Handlung nie stillsteht, sondern ununterbrochen weitergeht“. Das gelang Alain Attinoglu mit dem wunderbar feine Klangfarben generierenden Staatsopernorchester bestens. In seiner Lesart wird man nur so von Melodien überschwemmt, fließen Melodiefloskeln ineinander und erzeugen so faszinierend changierende Klangbilder.

Der Golaud von Simon Keenlyside ist ein junger, langsam alternder, an seinem Leben zerbrechender Außenseiter, der keinem eine Chance gibt, seiner Depression zu entrinnen. Adrian Eröds Pelléas ist genau das Gegenteil und versteht in seiner fast naiven Haltung die Welt nicht mehr. Dazwischen Olga Bezsmertna als weißgekleidete unschuldige Mélisande. Alle drei boten großartiges Musiktheater mit beeindruckender Darstellung und idealem Einsatz der Stimme. Fein auch Maria Nazarova als Yniold, Bernarda Fink als Geneviève und Franz-Josef Selig als König Arkel. Eine absolut stimmige Produktion, die demgemäß beklatscht wurde.

Staatsoper: Claude Debussys Oper „Pelléas et Mélisande“, 18. 6.
OÖN-Wertung: sechs von sechs Sternen

 

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Artikel Miichael Wruss 19. Juni 2017 - 16:49 Uhr
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