Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Donnerstag, 22. Juni 2017, 18:30 Uhr

Linz: 32°C Ort wählen »
 
Donnerstag, 22. Juni 2017, 18:30 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

Staatsoper: „Pelléas et Mélisande“ als großartiges Musiktheater

Premieren-Kritik: Marco Arturo Marelli inszenierte Claude Debussys Oper stimmig an der Staatsoper Wien

Olga Bezsmertna als „Mélisande“ und Adrian Eröd als „Pelléas“ Bild: APA

Die letzte Staatsopernpremiere der Saison am Sonntag galt Claude Debussys Drame lyrique „Pelléas et Mélisande“. In Marco Arturo Marellis Inszenierung ist alles im Fluss. Der Großteil der Bühnenfläche ist mit Wasser bedeckt, das in jeder Szene eine andere Symbolik erlangt. Wasser, Meer, ein Boot – und doch gibt es kein Entfliehen aus Arkels Burg, in der Mélisande zwar Zuflucht, aber kein Glück findet. Golaud ist nicht wie so oft der um viele Jahre ältere Bruder des jungen Pelléas, sondern beide sind fast gleich alt, was die unglückselige Dreiecksgeschichte noch intensiviert.

Wunderbar feine Klangfarben 

In jedem Detail sind Symbole für die vielschichtigen Metaebenen dieses Stoffs versteckt. Marco Arturo Marelli hat eine großangelegte Architektur auf die Bühne gestellt, die heimeligen Schutz und bedrohliche Enge zugleich ausdrückt. Aber auch musikalisch lebte diese Aufführung vom stetigen Fluss – ganz im Sinn des Komponisten, der ausdrücklich „wollte, dass die Handlung nie stillsteht, sondern ununterbrochen weitergeht“. Das gelang Alain Attinoglu mit dem wunderbar feine Klangfarben generierenden Staatsopernorchester bestens. In seiner Lesart wird man nur so von Melodien überschwemmt, fließen Melodiefloskeln ineinander und erzeugen so faszinierend changierende Klangbilder.

Der Golaud von Simon Keenlyside ist ein junger, langsam alternder, an seinem Leben zerbrechender Außenseiter, der keinem eine Chance gibt, seiner Depression zu entrinnen. Adrian Eröds Pelléas ist genau das Gegenteil und versteht in seiner fast naiven Haltung die Welt nicht mehr. Dazwischen Olga Bezsmertna als weißgekleidete unschuldige Mélisande. Alle drei boten großartiges Musiktheater mit beeindruckender Darstellung und idealem Einsatz der Stimme. Fein auch Maria Nazarova als Yniold, Bernarda Fink als Geneviève und Franz-Josef Selig als König Arkel. Eine absolut stimmige Produktion, die demgemäß beklatscht wurde.

Staatsoper: Claude Debussys Oper „Pelléas et Mélisande“, 18. 6.
OÖN-Wertung: sechs von sechs Sternen

 

Kommentare anzeigen »
Artikel Miichael Wruss 19. Juni 2017 - 16:49 Uhr
Weitere Themen

Country-Star Gunter Gabriel ist tot: Ein bisschen Macho, ein bisschen Punk

Der Country- und Schlagersänger Gunter Gabriel ist tot.

Bachelorette: Das Blut war nicht das Schlimme

TV-Kritik: RTL zeigt seit 14. Juni wieder die "Bachelorette". Julia Evers hat sich die Sendung angesehen.

Fahrradsturz: Dennis Russell Davies sagt Konzert ab

LINZ. Ein Fahrradunfall verhindert das Abschiedskonzert von Generalmusikdirektor Dennis Russell Davies, ...

"Ich bohre schon sehr gern nach"

Am Montag beginnt die Serie der TV-Sommergespräche. Bei Corinna Milborn auf Puls 4 ist Christian Kern zu Gast

Der Mann, der "Pop-Art" mit Punk-Rock verschmilzt

Der Linzer Stefan Beham arbeitet für Bands wie The Offspring.
Meistgelesene Artikel   mehr »
Bitte Javascript aktivieren!