Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Donnerstag, 14. Dezember 2017, 07:19 Uhr

Linz: 0°C Ort wählen »
 
Donnerstag, 14. Dezember 2017, 07:19 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

So perfekt, als stünde Meister Monteverdi selbst am Dirigentenpult

Festspiele: Der Auftakt zu John Eliot Gardiners Monteverdi-Trilogie in der Felsenreitschule Salzburg wurde heftig bejubelt.

So perfekt, als stünde Meister Monteverdi selbst am Dirigentenpult

Ein Pionier der Alten Musik: John Eliot Gardiner Bild: Chris Christodoulou

Es war 1607 eine Sternstunde, als erstmals eine Oper erklang, die alle Elemente modernen Musiktheaters umfasste und deren oberstes Ziel es war, mit Musik emotional zu bewegen. Nicht viel anders war der umjubelte Auftakt des Gastspiels des Monteverdi Choir und der English Baroque Soloists unter John Eliot Gardiner am Mittwoch in der Felsenreitschule. Monteverdis Musik ist ein musikalischer Leitstern für John Eliot Gardiner. So entriss er als einer der Pioniere der Alten Musik diese Musik ihrer lethargischen Einförmigkeit und ließ den Emotionen freien Lauf. Monteverdi zu seinem 450. Geburtstag pur, ohne extreme Interpretationsansätze, bei trotzdem vollem Einsatz aller affektiven Mittel. Dafür schafft John Eliot Gardiner den Rahmen, den seine genialen Sänger und Musiker frei ausfüllen können. Vielleicht klang es auch aus diesem Grund so authentisch, als stünde der Meister selbst am Pult.

Beeindruckende Auftritte

Zwei Stunden ohne Pause, in denen kein einziges Mal die Spannung abflaute. Dafür setzt Gardiner wie schon Monteverdi einen großen Continuo-Apparat ein, der seine Klangfarben und Klangstärke unmittelbar auf die Situation der Szene einstellen kann. Apropos Szene: Die Aufführung war halbszenisch, kam aber der Uraufführungssituation in einem Saal im Palast zu Mantua sehr nahe. Gerade die riesige Bühne der Felsenreitschule ermöglichte trotz des fehlenden Bühnenbildes beeindruckende Auftritte.

Grandios: der polnische Tenor Krysztian Adam, der dem Orfeo Tiefe, expressive Weite und mit seiner Wandlungsfähigkeit auch eine immense klangliche Farbpalette zur Verfügung stellte. Nicht minder beeindruckend Gianluca Buratto als stimmgewaltiger Caronte / Plutone, die emotional zutiefst bewegende Lucile Richardot als Messaggera, Furio Zanasi als Apoll, Kangmin Justin Kim als beredte Hoffnung und Hana Blaziková als feine Eurydike und sehr vielschichtige Musica. Großartig die Leistung der English Baroque Soloists und zu Recht frenetischer Applaus für John Eliot Gardiner.

Salzburger Festspiele: John Eliot Gardiners Monteverdi-Zyklus – erster Abend "L’Orfeo", 26. Juli, Felsenreitschule

OÖN Bewertung:

 

Kommentare anzeigen »
Artikel Michael Wruss 28. Juli 2017 - 00:04 Uhr
Mehr Kultur

Erzähl mir, wie Weihnachten früher war...

Inge Friedl hat viele Menschen im Land nach ihren Kindheitserinnerungen gefragt und die Geschichten ...

Auf der Jagd nach Quote durch ganz Österreich

Die von Roland Brunhofer konzipierte und am 21. August gestartete "Day-Time" auf ORF 2 kommt nicht so ...

Erfrischende Galanterien mit dem Linzer Ensemble Castor

Das Quartett begeisterte bei seinem Brucknerhaus-Debüt mit selten zu erlebenden Werken der Vorklassik.

2018 wird ein museales Gedenkjahr

Das Kunstmuseum Lentos widmet sich thematisch den Jahren 1918, 1938 und 1968.

Werner Herzog erhält Ehrenpreis

Regisseur und Produzent Werner Herzog (75) erhält beim Bayerischen Filmpreis 2017 den Ehrenpreis des ...
Meistgelesene Artikel   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS
Bitte Javascript aktivieren!