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Siegfried Rauch hat die Brücke des "Traumschiffs" für immer verlassen

Die deutsche Fernsehlegende verstarb im Alter von 85 Jahren nach einem Treppensturz

Siegfried Rauch hat die Brücke des "Traumschiffs" für immer verlassen

14 Jahre hielt Rauch als Kapitän Jakob Paulsen das „Traumschiff“ auf Kurs Bild: APA/dpa/-

Kapitän Jakob Paulsen hatte eigentlich nie schlechte Laune, unfreundlich war er auch nie, hilfsbereit und herzlich dagegen immer. Die Uniform adrett und blendend weiß, das Lächeln strahlend – in dieser Rolle stand Schauspieler Siegfried Rauch 14 Jahre auf der Kommandobrücke des ZDF-"Traumschiffes". Am Sonntag verunglückte die Fernsehlegende bei einem Treppensturz in seinem Wohnort Untersöchering südlich von München im Alter von 85 Jahren tödlich.

Wenn Siegfried Rauch über sein Leben sprach, klang das meist pragmatisch: Als er sein Studium der Architektur in München abbrechen wollte, hielt ihn das gute und günstige Mensaessen an der Uni, erzählte er kurz vor seinem 85. Geburtstag. Also studierte er einfach etwas anderes und kam so über Umwege zur Schauspielerei.

Pragmatisch war Rauch auch, wenn es um das Leben und den Tod ging. Das Schicksal habe alles in der Hand, da sei er sich sicher. Und auch, dass es da "irgendetwas zwischen Himmel und Erde" gebe, "was wir nicht so ganz begreifen können", war für ihn ausgemacht. Überraschen lassen wollte er sich aber nicht von diesen Kräften und suchte sich daher schon vor vielen Jahren einen schönen Platz auf dem Friedhof aus – mit Alpenblick.

Schauspieler über Umwege

Zur Schauspielerei kam Rauch über Umwege. Erst hatte er es mit Architektur und Theaterwissenschaften versucht, bevor er sich dann doch für die Praxis und ein Schauspielstudium entschied. Bühnenengagements in Bremen, München, Hamburg und Berlin folgten, und bald stand Rauch zum ersten Mal vor der Kamera. Zu seinen ersten Filmen zählten "Die Geierwally" (1956) und der Edgar-Wallace-Film "Der Mönch mit der Peitsche". Dem deutschen TV-Publikum wurde Rauch durch die Serie "Es muss nicht immer Kaviar sein" bekannt. Er spielte im "Tatort" und bei "Derrick" und Ende der 80er Jahre in dem Familiendrama "Die glückliche Familie" an der Seite von Maria Schell.

Dass er auch im internationalen Geschäft bestehen konnte, zeigte er in den 1970er Jahren. Damals spielte er in dem Oscar-prämierten US-Film "Patton – Rebell in Uniform" mit und gab an der Seite von Steve McQueen einen Rennfahrer in dem Film "Le Mans". Eine Hollywood-Karriere kam für ihn aber nie infrage, weil er bei seiner Familie, seiner Frau und den beiden Söhnen, in der bayerischen Heimat bleiben wollte. In Hollywood, so sagte er, wäre er zwar reicher geworden, aber nicht glücklicher. Bis ins hohe Alter stand er noch als Dr. Roman Melchinger in "Der Bergdoktor" vor der Kamera, 2015 veröffentlichte er ein Album mit Liebesliedern und gab Konzerte.

Von seinen Zuschauern wurde er für seine sanfte und bodenständige Art mit großer Beliebtheit belohnt. Ihm selbst war das eher suspekt. "Meine zwei Söhne sagen dazu immer: ,Weil du so bist, wie du bist’", sagte Rauch vor seinem 85. Geburtstag – und blieb wie so oft pragmatisch: "Wieso soll ich denn auch anders sein?"

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Artikel OÖN 13. März 2018 - 00:04 Uhr
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