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Ruine einer perfekten Liebe: Romeo frisst und Julia säuft

Theaterspectacel Wilhering: Premiere von Ephraim Kishons Komödie "Es war die Lerche" in der Regie von Joachim Rathke

Ruine einer perfekten Liebe: Romeo frisst und Julia säuft

Martin Dreiling als Romeo und Joachim Rathke in der Rolle des William Shakespeare Bild: Erblehner

Bei Shakespeares "Romeo und Julia" muss gestorben werden. Auf diesen Schrecken kann man sich verlassen. Nur der Tod der beiden hat diese übergroße Liebe auch nach mehr als 420 Jahren als Mythos konserviert. Halt, noch einmal zurück: Was wäre passiert, hätten die beiden den Schlamassel der Familien Montague und Capulet überlebt? Möglicherweise genau jenes Drama, das in der Scheune des Stifts Wilhering in der Regie von Joachim Rathke und nach den Worten von Ephraim Kishons satirischer Fortschreibung "Es war die Lerche" durchgespielt wird. Am Freitag fand die begeistert beklatschte Premiere statt.

Glauben Sie ja nicht, dass dem einst sinnlichsten Liebespaar des Universums der Alltag erspart bleibt. Auch Romeo wird in 29 Jahren dicker – und handelte es sich bei Julia nicht um eine in die Jahre gekommene Verona-Grazie, sie ginge auch als mies gelaunte Sokrates-Gattin Xanthippe durch. Martin Dreiling und Julia Ribbeck (auch im richtigen Leben ein Paar) stellen diesen köstlichen Konflikt wie dem Leben abgeschaut auf die Bühne. Ja, es werden Klischees gewälzt, aber mit allerlei Shakespeare-Zitaten veredelt. Das Timing stimmt so gut wie immer.

Weil Julia ihren Romeo emotional erfrieren lässt, kuschelt der mit seiner Wärmflasche, die er zärtlich Lisa nennt. Die beiden hausen in einem heruntergekommenen Theater (Bühne: Harald Bodingbauer, Kostüme: Alois Dollhäubl), wo sie Abend für Abend ihre Jugend nachspielen. Sie hat ein Hausfrauen-Weißwein-Problem, er ernährt sich von Schwedenbomben. Und wenn sie in diesem wortlosen Terror schon reden, dann aneinander vorbei.

Ruine einer perfekten Liebe: Romeo frisst und Julia säuft

Julia Ribbeck 

 

Ihre lautstark pubertierende und dergestalt Stromgitarre spielende Tochter Lucretia (Julia Frisch gut als renitentes Kind) verachtet beide. William Shakespeare (humorvoll kultiviert: Joachim Rathke) erscheint, er will sein aus den Fugen geratenes Werk vollenden und verknallt sich in den Teenager. Das bringt die Eltern auf die Palme, eint sie aber. Also sollen Romeo und Julia im zweiten Versuch über den Jordan gehen, um wenigstens dieser Liebe nicht im Weg zu stehen. Eine ernsthaft gezimmerte Komödie, passt in jeden Haushalt.

 

Schauspiel: "Es war die Lerche", von Ephraim Kishon, Regie: Joachim Rathke, Scheune des Stifts Wilhering, Premiere: 4. 8., Termine: 8., 9., 10., 11., 15., 16., 17. August, Karten: 0699/10976739, www.theaterspectacel.at

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Peter Grubmüller 07. August 2017 - 00:04 Uhr
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