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Richard Tauber durch die oberösterreichische Brille betrachtet

Zum 70. Todestag des Tenors ist ein neues Buch erschienen, das in 24 Annäherungen seine Persönlichkeit einzufangen versucht.

Richard Tauber durch die oberösterreichische Brille betrachtet

Richard Tauber Bild: privat

Heute vor 70 Jahren ist einer der bemerkenswertesten Sänger seiner Zeit in seiner Londoner Wahlheimat gestorben. Für manche ist Richard Tauber sogar der allerbeste Sänger neben Caruso – das ist allerdings eine Frage des Standpunkts.

Tauber ist ein Zufallskind und wie viele Künstlerkinder auch zufällig an einem Ort des gerade Geld einbringenden Engagements zur Welt gekommen – am 16. Mai 1891 zwar gerade nicht auf der Bühne des Linzer Theaters, aber unmittelbar nach einer Vorstellung in einem kleinen Zimmer im Hotel zum Bären – Mutterschutz war damals ein Fremdwort, wie auch das Familienleben, das Tauber eigentlich nie kannte.

Dennoch entwickelte sich das Kind, das bei Zieheltern und im Internat groß geworden ist, zu einem der bedeutendsten und prägendsten Künstler seiner Zeit. Eine Zeit, in der die Grenzen zwischen Unterhaltungs- und ernster Musik noch nicht so weit auseinanderklafften wie heute, und für gutes Geld sang nicht nur Tauber, sondern auch viele seiner Kollegen beinahe alles.

Doch die Karriere des lyrischen Tenors, der dann über die Operette und den Schlager auch in zahlreichen Filmen mitwirkte, verlief nur bis 1933 reibungslos, und plötzlich sollte den politisch ziemlich unbedarften Weltkünstler und Lebemann die Familiengeschichte – einer Familie, die nur auf dem Papier bestand – einholen.

Er war der NS-Diktion entsprechend "Halbjude" und bekam zunächst in Deutschland und ab 1938 auch in Österreich Auftrittsverbot. Im englischen Exil war Tauber nicht mehr in gleicher Weise als Sänger gefragt, sondern auch als Dirigent und Komponist, gestaltete aber weiterhin Liederabende und widmete sich auch in London der leichten Muse vor allem in seiner eigenen Radiosendung. Der Erfolg war aber bei weitem nicht mehr so groß wie einst als Sänger der Dresdner Hof- / Staatsoper und wie in Berlin oder Wien.

1947 wurde bei ihm infolge jahrzehntelangen Rauchens Lungenkrebs festgestellt. Eine Entfernung eines Lungenflügels kurz nach seinem letzten Auftritt als Mozartsänger hatte nur wenig Erfolg – drei Monate später starb Richard Tauber, dessen Stimme so manche Komponisten – allen voran Franz Lehár – mehr als nur inspirierte.

Passend zum Gedenkjahr erschien ein neues Buch, in dem Heide Stockinger und Kai-Uwe Garrels 24 Annäherungen an die Persönlichkeit Taubers skizzieren.

Verzückte Sichtweise

Die beiden gehen abwechselnd auf Spurensuche und zeichnen ein Tauber-Bild aus dem eigenen, sehr persönlichen Blickwinkel. Das hat zur Folge, dass sich manches wiederholt und manche Details bloß oberflächlich behandelt werden. Gerade so, als wollte man die eigene, vielleicht etwas verzückte Sichtweise nicht trüben und kritische Aspekte oder auch die Dramatik von Auftrittsverbot und Exil, wodurch Tauber immerhin zweimal um sein ganzes Vermögen gebracht wurde, was ihn zum Lebensende zum Bittsteller machte, beiseitestellen. Es ist ein feines Buch von Tauber-Enthusiasten für Tauber-Fans, das viele Geschichten bereithält und so erzählt, wie man sie kennt und gerne hört, ergänzt um eine CD mit den legendärsten Aufnahmen des Plattenstars von einst.

Als belletristisches Lesebuch verzichtet der Band auf die manchmal dann doch gebotene auktoriale Distanz als auch auf konkrete Quellenangaben, was ein Weiterlesen oder das Herstellen von Querverbindungen schwer macht. Der Band unterscheidet sich insofern von den anderen Tauber-Biographien, als ein sehr lokaler linzerischer bzw. oberösterreichischer Blickwinkel gewählt wird. Und das hat allemal seine Berechtigung.

Richard Tauber durch die oberösterreichische Brille betrachtet

Heide Stockinger, Kai-Uwe Garrels: Tauber, mein Tauber. 24 Annäherungen an den weltberühmten Linzer Tenor Richard Tauber. Verlag Bibliothek der Provinz, 2017, 28 Euro

 

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Artikel Michael Wruss 08. Januar 2018 - 00:04 Uhr
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