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„Rausch": Analytischer und gescheiter Blick auf die Generation Facebook

Österreichische Erstaufführung von „Rausch“ des deutschen Autors Falk Richter.

Es ist eine Menge an Textfläche mit langen, pausenlosen Sätzen, kaum Interpunktion, keine Vorgabe von Personen oder Orten, keine Angaben oder Wünsche an die Regie. Das macht die Rezeption von Falk Richters neuestem Stück „Rausch“ einerseits schwierig, lässt andererseits aber einem Szeniker sämtliche Freiheiten für die Umsetzung auf der Bühne.

Landestheater-Schauspielchef Gerhard Willert hat sich im kleinen Eisenhand-Raum, den Alexandra Pitz mit weißen Textilwänden neutral bis steril wirken lässt, dafür entschieden, die Konzentration auf diesen gescheiten, aktuellen Text zu legen. Das ist gut so, denn der Text ist großes Gedankenkino, ein Analysieren und Psychologisieren, eine Tiefenschau der Generation Internet und Facebook.

Falk Richter (43), einer der interessantesten und meist gespielten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart, verwebt den genauen Blick auf diese Generation mit der globalen Situation.

Willert überträgt die Textfläche auf vier Frauen und zwei Männer, die, wie es die Textvorgabe eben auch tut, abwechselnd reden, auch miteinander, manchmal gleichzeitig übereinander gelagert. Das ist großteils spannend, weil der Text virtuos geschrieben ist und ebenso virtuos von Gunda Schanderer, Katharina Vötter, Katharina Warik, Nancy Fischer, Konstantin Bühler und Thomas Kasten dargebracht wird. Ein Regisseur will aber auch etwas in Szene setzen und nicht nur pure Rezitation ablaufen lassen. Deshalb lässt Willert die Darsteller manchmal wie Autisten agieren, dann doch wieder in Dialog treten, sie in ein Mikro reden, vermutlich um einzelnen Sätze oder Worte eindringlicher an das Ohr des Zuhörers zu bringen, lässt sie mit Neonleuchtröhren herumhantieren – das alles wäre aber gar nicht notwendig, so wie auch die im Text und somit auf der Bühne vorkommenden Wiederholungen. Das ist nicht gründlichere Vertiefung, sondern schlichtweg stellenweise langweilig.

Es geht um Beziehung, um die Suche nach Liebe jener Generation, die schnell damit ist, den „Gefällt mir“-Button zu klicken, aber dann, so „wirklich wirklich“, mit dem Offline-Partner, der doch auf Facebook so unglaublich super ist, ihre Zweifel hat. Diese Suche nach Anerkennung und Liebe ist geschickt verwoben mit globalen Ereignissen, mit der Angst vor Krisen oder dem Zusammenbruch von Systemen in Zeiten von Eurobonds, Rettungsschirmen, einer Occupy-Bewegung oder Finanztransaktionsspekulanten – das Wort kommt oft vor und ist so zungenbrecherisch wie dereinst der Fischers-Fritz-fischt...-Spruch. Das fordert dem konzentriert agierenden Schauspiel-Team einiges ab, bravourös werden die Satz-Ungetüme gemeistert, schauspielerische Wandlungsfähigkeit ist diesmal nicht so gefragt, dafür aber Variation in Stimme und Tonfall.

Die permanent präsenten Klangwelten von Eva Reiter korrespondieren mit dem Text und den Darstellern, setzen fiktive Punkte, Frage- und auch Rufzeichen.

Kluges und Humorvolles

Es macht Spaß, so viel Kluges und auch Humorvolles eineinhalb Stunden lang zu hören, unendlich vieles daraus ließe sich zitieren. Schön, ein derart aktuelles Stück – Falk Richter hat es selbst erst im April 2012 uraufgeführt, die Linzer Aufführung ist die zweite Inszenierung überhaupt – hier sehen zu können. Empfehlenswert für alle, denen Diskussion und Nachdenken Lebenselixier sind.

„Rausch“: Stück von Falk Richter, Österreichische Erstaufführung, Landestheater-Spielstätte Eisenhand, Premiere am 18. Jänner

OÖN Bewertung:

 

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 21. Januar 2013 - 00:04 Uhr
Silvia Nagl
Bild vergrößern Ein analytischer und gescheiter Blick auf die Generation Facebook

„Wir sind Teil eines Netzwerkes“: Bühler, Wawrik, Vötter, Kasten (v.li.)  Bild: (Brachwitz)

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