Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Samstag, 26. Mai 2018, 04:02 Uhr

Linz: 14°C Ort wählen »
 
Samstag, 26. Mai 2018, 04:02 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

Raumnotstand – wohin mit dem ganzen Krempel?

Morgen, Donnerstag (19.30 Uhr), liest Margit Schreiner im Linzer StifterHaus aus ihrem neuen Roman "Kein Platz mehr".

Raumnotstand – wohin mit dem ganzen Krempel?

Margit Schreiner Bild: Marchart

Wenn man sich einen stilistischen Raum vorstellt, der irgendwo zwischen Wolf Haas und Thomas Bernhard liegt, dann findet man dort die Sprache der Margit Schreiner: das Spiel mit dem Absurden und Paradoxen, mit dem saloppen Satzbau der Umgangssprache, die pointierte Zuspitzung, einen Humor, der schnell einmal auf die schwarze Seite kippen kann – und das alles aus dem Mund einer monologisierenden Erzählerfigur.

Diese Merkmale machen die Romane der in Linz lebenden Autorin unverwechselbar. Das gilt auch für ihr neues Buch "Kein Platz mehr". Die ausgewiesene Spezialistin für den ganz normalen Wahnsinn des Alltags bearbeitet auch diesmal wieder ein Thema, das den meisten in unserem Kulturraum vertraut ist. Die mehr oder weniger notwendigen Dinge des täglichen Gebrauchs wachsen uns über den Kopf: Kleidung, Hausrat, Bilder, Möbel, Bücher, Papiere, Werkzeuge und so weiter. Sie füllen die Regale, die Schubladen, die Kästen, so nach und nach auch Dachboden und Keller. Und alle Vorkehrungen zur Vermeidung des Krempels scheinen auf magische Weise genau das Gegenteil zu bewirken.

Die Macht der Dinge

Es wird immer enger in den eigenen vier Wänden. Diese Beobachtung macht die Erzählerin nicht nur bei sich selbst und bei Bruno, ihrem Liebsten, sondern auch bei Freunden, die ständig mit Raumnotstand kämpfen. Die Macht der Dinge über den Menschen ist aber nur das Kernthema in "Kein Platz mehr". Margit Schreiner nimmt noch vieles andere mit, das im Rechen der assoziationsfreudigen Autorin hängenbleibt: individuelle Schrullen in Paarbeziehungen; pflegebedürftige Gartenparadiese, die zur Hölle werden, wenn die Bandscheiben bockig werden; allzu arglos angegangene Pensionierungen und natürlich Glück und Leid des Schriftstellerdaseins. Das Kulturleben ist bekanntlich hart und ungerecht. Bestseller-Autoren haben große Wohnungen, brauchen aber, wie es scheint, nur wenige Dinge und genießen den leeren Raum. Autoren mit kleineren Auflagen hingegen können sich nur kleine Wohnungen leisten, haben aber viele Bücher, tausende Notizzettel, Manuskripte, Zeitschriften und Zeitungsausschnitte und drohen darin zu verschwinden, so wie Friederike Mayröcker.

Höchst amüsant erzählt Margit Schreiner von Schreibseminaren und vom fragwürdigen Glück eines eigenen Häuschens in Süditalien. Abgesehen davon, dass bei den seltenen Aufenthalten die halbe "Urlaubszeit" mit Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten draufgeht, wird der Mensch auch in Italien vom Kernproblem eingeholt: Wohin mit dem überflüssigen Krempel? Müllentsorgung ist bekanntlich nicht die ganz starke Seite der Süditaliener.

So vergnüglich die Lektüre von "Kein Platz mehr" auch ist, aufmerksame Leser werden die dunkleren und ernsten Zwischentöne nicht überhören, besonders auf den letzten Seiten, wo sich Margit Schreiner dem Lebensabschnitt widmet, in dem wir ohnedies alle Dinge hinter uns lassen: dem Zeitpunkt des Todes.

Margit Schreiner: "Kein Platz mehr", Roman, Schöffling & Co., 175 Seiten, 20,90 Euro.

OÖN Bewertung:

 

Kommentare anzeigen »
Artikel Christian Schacherreiter 14. Februar 2018 - 00:04 Uhr
Mehr Kultur

Der Kleinganove mit der Pfefferpistole ist wieder da

Tochter des Kinderbuch-Autors Otfried Preußler arbeitete ein altes Manuskript zum vierten ...

ORF-Landesstudio: Strategien und deren Folgen

Gemeinden und Veranstalter müssen beim ORF bis zu 5000 Euro für eine Sendung bezahlen.

Perfekte Stimmtechnikerin ohne jegliche Starallüren

Sopranistin Olga Peretyatko begeisterte im Brucknerhaus.

Im Supermarkt das Leben verschönern

Sandra Hüller derzeit in unseren Kinos, im Sommer bei den Festspielen Salzburg

Susanne Preußler-Bitsch: Hotzenplotz' Pflegemutti

Susanne Preußler-Bitsch ist die jüngste der drei Töchter von Otfried Preußler (1923–2013), jenem Autor von ...
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS
Bitte Javascript aktivieren!