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Persien oder im Spiegel des Fremden das Eigene sehen

Ein dreistündiger Konzert-Reigen eröffnete am Mittwoch das Festival 4020 im gut gefüllten Mittleren Saal im Brucknerhaus Linz: Unter dem Motto „spiegel.persien“ blickt das Festival bis Samstag – bei freiem Eintritt – über den musikalischen Tellerrand Europas in ein faszinierendes, vielschichtiges Land.

Persien oder im Spiegel des Fremden das Eigene sehen

Das Ensemble Gabbeh eröffnete das Festival 4020 im Brucknerhaus. Bild: Reinhard Winkler

„In dem, was außerhalb von uns liegt, erkennen wir uns selbst“, verwies Festival-Leiter Peter Leisch auf den Spiegel als Sinnbild: Seit jeher dient das ferne Land des Orients auch als Projektionsfläche für europäische Sichtweisen, Sehnsüchte und Ängste.

Das in Wien lebende Trio Gabbeh verdankt seinen Namen einer Spielart des persischen Teppichs mit abstraktem geometrischen Muster. Gesang, Daf, Klarinette und Kontrabass sind die musikalischen Fäden, die sie in freier Improvisation, gespeist aus iranischer Folklore, weiter spinnen, im Wechselspiel als Duo oder Trio zu Klangflächen verweben, die von meditativem Innehalten bis zu emotionsgeladener Extase reichen. Seit jeher hat Persien auch europäische Komponisten inspiriert, wenn auch oft zu eigenen klanggewordenen Projektionen. Das Ensemble Paenj, ein Holzbläserquintett, knüpfte persische Knoten ausgehend von Händels Oper über den Perserkönig Siroe zu Johann Strauß’ „Persischem Marsch“ über Albert Ketélbeys spätromantische Szenerie eines persischen Markts bis ins Heute : Zu erleben waren zwei zeitgenössischen Uraufführungen iranischer Gäste. Altes, Vertrautes traf dabei auf Zeitgenössisches, Unbekanntes, in einer gegenseitige Bespiegelung.

„Persian Frames“ am Klavier

Den Ausklang machte Pianistin Suyang Kim mit Charles Koechlins (1867–1950) „Les Heures Persanes“, die wiederum der iranischen Komponistin Mahdis Golzarkashini (*1984) als Anknüpfungspunkt für ihr Auftragswerk „Persian Frames“ dienten: sieben filigrane Klangminiaturen, die Syang Kim wie glasklare Wassertropfen von den Tasten perlen ließ. Das Publikum zeigte sich ob der stilistischen Vielfalt und den bunten Impressionen spürbar angetan und blieb trotz später Stunde großteils bis zuletzt.

 

3 Fragen an Peter Leisch, Festival-Leiter 4020

Der Welser hat 2001 das Festival für zeitgenössische Musik 4020 gegründet, das biennal stattfindet.

1 Wie haben Sie die Stimmung bei der Eröffnung im Brucknerhaus empfunden?
Wunderbar, vor vollem Haus. Die Rückmeldungen vom Publikum waren äußerst positiv. Ich bin rundum glücklich mit diesem Einstand.

2 Die Kompositionsaufträge wurden heuer ausschließlich an Frauen vergeben.
Auch die zeitgenössische Musik ist ein immer noch von Männern dominierter Bereich. Wir wollten einen bewussten Akzent setzen und Komponistinnen ihren Stellenwert zu geben. Auch bei der Programm-Zusammenstellung und den eingeladenen Künstlern war mir, soweit es bei eingespielten Ensembles möglich ist, Ausgewogenheit wichtig.

3 Ö1 bringt am Freitag von 23 bis 2 Uhr einen Live-Mitschnitt vom Festival im Radio. Was ist dabei zu hören?
Live-Auftritte der Künstler im ORF-Landesstudio und Interviews, in denen die iranischen Künstler über ihre Situation vor Ort sprechen. Zu Gast ist auch Iran-Experte Bert Fragner, der selbst lange im Ran gelebt hat.

 

Festival 4020

Freitag: Lentos Auditorium: Autorin Angela Flam im Gespräch, 19 Uhr, Sahar Lotfi, Gesang, 19.30 Uhr; Elisabethinenkirche: Baran Rezaei, Gesang, 21 Uhr, Eintritt frei!

Samstag: Brucknerhaus: H.- Wolf-Quartett, 19.30 Uhr; Alireza Ghorbani, Gesang, Kayhan Kalhor, Kamanché, 21.30 Uhr, Eintritt frei!

www.festival4020.at

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Artikel Karin Schütze 26. April 2013 - 00:04 Uhr
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