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Perfektion mit Anne-Sophie Mutter

Die deutsche Stargeigerin gastierte mit der Philharmonia Zürich im Brucknerhaus.

Perfektion mit Anne-Sophie Mutter

Bestechend virtuos: Anne-Sophie Mutter demonstrierte ihre Extraklasse. Bild: (Winkler)

Großer Star des Frühlingsfestivalkonzerts am Mittwoch im Brucknerhaus war die Philharmonia Zürich, das Orchester der Zürcher Oper, das unter seinem Chefdirigenten Fabio Luisi erstmals auf große Europatournee ging und dazu Anne-Sophie Mutter als Solistin mit auf die Reise nahm. Natürlich stand die große deutsche Geigerin im Mittelpunkt des Fokus, aber dass sie technisch über den Dingen steht und Bruchs g-Moll-Konzert im kleinen Finger hat, weiß man und hat man an diesem Abend auch so erlebt. Absolute Perfektion, berechnende Routine, die in ihrer bestechenden Virtuosität doch nie auf den emotionellen Grund des Werkes gelangte und es eher zum geigerischen Schauspiel mutieren ließ. Das beeindruckt zu Recht, wird aber dem meisterlichen Werk nicht immer ganz gerecht, vor allem dann, wenn der langsame Satz in stark vibrierenden Kantilenen larmoyant versinkt und auf interpretatorische Authentizität verzichtet. Keine Frage perfekt gespielt, aber gestalterisch so, wie es viele machen würden.

Spannender Klang-Kosmos

Da ließ Anne-Sophie Mutter in Toru Takemitsus "Nostalghia" viel intensivere und intimere Töne anklingen, schien ihre Kantilenen expressiv über dem fein ausgeloteten Streicherklang der Philharmonia Zürich phantasievoll auszubreiten und gestaltete so das zwischen asiatischen und europäischen Klangwelten changierende Stück zu einem spannenden Kosmos. Ebenso in der Draufgabe, der Courante aus der Solopartita in d-Moll von Johann Sebastian Bach, wo sie die Musik fein artikuliert sprechen ließ und auch auf das überintensive Vibrato beinahe gänzlich verzichtete.

Überraschend und durchaus ungewohnt war hingegen Fabio Luisis Zugang zu Brahms’ IV. Symphonie, die er zwar äußerst bedächtig beinahe auf dem ersten Ton kleben bleibend begann, aber dann zu einem wahren Operndrama steigerte. Dabei stand die analytische Durchforstung des Materials an erster Stelle, das Offenlegen der thematischen Bezüge und das teilweise wortwörtliche Umsetzen der bisweilen schroffen Spielanweisungen, die im ersten Satz einen Sturm im Wasserglas auslösten.

Ganz neue Klangwelten auch im zweiten Satz, bei dem er oft nur nebensächlich mitlaufende Stimmen zum klanglichen Zentrum erhob und dem plakativ Vordergründigen bloß begleitende Funktion zudachte. Auch das Allegro giocoso sprudelte über vor Freude, aber einer, die nicht wie sonst bestimmt, aber doch leicht einher tänzelt, sondern einer, die Ecken und Kanten offenlegt und hier durchaus die nicht süßwerdenden Kirschen, die Brahms auf seiner Sommerfrische in Mürzzuschlag faszinierten, hörbar werden ließ.

Beinahe attacca stürmte Luisi mit seinem bestens disponierten Orchester in die Passacaglia, die sich so nicht bedächtig edel die althergebrachte Form erschloss, sondern sie energisch überwand – eben Allegro energico e passionato. Wie eine Opernszene, in deren Stretta die ganze Symphonie kulminierte und sich zum explosiven Orchesterfeuerwerk gestaltete. Eine Interpretation, die nah am Text war, verdeutlichte, weshalb Schönberg Brahms als den fortschrittlicheren Komponisten verstand, und die dennoch mit Individualität in der Lesart aufwartete.

Brucknerhaus: Konzert mit der Philharmonia Zürich unter Fabio Luisi und Anne-Sophie Mutter als Solistin, 17. 5.

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Michael Wruss 19. Mai 2017 - 00:04 Uhr
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