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Nöstlinger: "Kein vernünftiger Mensch sagt heut 'Neger'"

WIEN. Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger verwehrt sich weiter gegen nachträgliche Textänderungen in Kinderliteratur.

Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger. Bild: apa

Sie habe viel Kritik einstecken müssen, weil es ihrer Meinung nach ausreiche, mittels Fußnote darauf zu verweisen, dass man ein bestimmtes Wort heute nicht mehr verwendet. "Kein vernünftiger Mensch sagt heut 'Neger'", wehrte sie sich am Mittwochabend gegen Texteingriffe. Aus dem Struwwelpeter etwa das Wort "Mohr" zu entfernen, ist aus ihrer Sicht sinnlos. Nicht das Wort sei rassistisch, sondern die Geschichte an sich, die erkläre, dass Weiße die besseren Menschen seien.

Kinderliteratur scheine von vielen Erwachsenen und Verlagen nicht als Literatur wahrgenommen zu werden, sondern als "pädagogische Pillen, eingewickelt in Gschichterlpapier", kritisierte Nöstlinger im Gespräch über "Kinderbücher und politische Bildung" mit Autor und Kinderpsychiater Paulus Hochgatterer in der Wiener Hauptbücherei. Man solle sich auf die Differenziertheit und Klugheit der Autoren und Vorleser verlassen.

In den 1960ern und 70ern habe "das ewige Gelaber über die heile und nicht heile Welt begonnen", schilderte Nöstlinger. Damals habe man ihr etwa erklärt, dass das böse Verhalten eines Kindes schon auf der nächsten Seite geahndet werden müsse, und nicht erst 40 Seiten später.

Wenn sie eine Verantwortung gegenüber den Lesern sehe, dann im Nicht-Politisieren, betonte Nöstlinger. Das war allerdings nicht immer so: "Am Anfang habe ich politisch mehr herumgefuhrwerkt in meinen Büchern", verwies Nöstlinger auf "Die feuerrote Friederike", in der selbst der Kater "ideologisch sehr firm" sei. Damals habe sie wirklich daran geglaubt, dass ihre Lesern in einer sozialistischen Welt leben werden, "so naiv war ich damals". In den 1980ern hätten sie und ihr Mann immer gesagt, ihre Ideen müssten überwintern. "Aber jetzt überwintern sie schon sehr lange."

Das Gespräch zwischen Nöstlinger und Hochgatterer wurde von Büchereien Wien mit Grüner Bildungswerkstatt, Renner-Institut und Politische Akademie der ÖVP veranstaltet, weitere Veranstaltungen zu Literatur und politischer Bildung könnten laut Veranstaltern folgen.

Zuletzt war die Debatte um veraltete Bezeichnungen und impliziten Rassismus auch im Theaterbereich hochgekocht, als via Facebook eine Petition mit dem Titel "Schwarze Menschen in Europa gegen Aufführung des Theaterstücks 'Die N****' von Johan Simons" gegen Jean Genets Stück "Die Neger" auf dem Spielplan der Wiener Festwochen protestierte. Die IG Autorinnen Autoren hatte damals gegen das "blindwütige Hinschlagen auf Texte und Inhalte, die sich künstlerisch mit konfliktbeladenen Themen beschäftigen" verwahrt.

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Artikel 27. März 2014 - 11:35 Uhr
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