19. November 2013 - 00:04 Uhr · Michael Wruss · Kultur

Nicht Fisch und nicht Fleisch, diese neue Zauberflöte

Nicht Fisch und nicht Fleisch, diese neue Zauberflöte

Immer kam in dieser Inszenierung irgendjemand durch die Luft geflogen. Bild: APA

Am Sonntag zeigte die Staatsoper eine mäßige Neuproduktion von Mozarts Zauberflöte in der Regie von Moshe Leiser und Patrice Caurier.

 Im Programmheft nennt das Regieteam zwei zentrale Punkte – Zauber und Flöte. Doch irgendwie ist an diesem Abend jeglicher Bühnenzauber flöten gegangen, und man rettete den Abend nur durch zugegeben pointierte Slapstickeinlagen vor der Langeweile.

Die Ansage, dass die Oper als Entwicklungsroman aufzufassen sei, vom Jüngling hin zum weisen Boss, fand keine Entsprechung. Überhaupt stellt sich die Frage, was Leiser/Caurier mit dem Bühnenbild (Christian Fenouillat) will, das einen leeren Bühnenraum samt schäbiger Rückwand und mechanischen Zügen repräsentierte. Alles bloß Show? Dazu würde passen, dass es krachte, blitzte und fast in jeder Szene irgendwer durch die Luft geflogen kam. Wenn so zentrale Szenen wie die Feuer- und Wasserprobe keinen Applaus hervorrufen, ist etwas schief gelaufen. Da halfen weder grandiose Tierkostüme, noch Polizisten, die beim Klang des Glockenspiels ihre Uniformjacken aufreißen, weiße Tutus hervorquellen lassen und wie die Ballets Trockadero von der Bühne tänzeln. Das ist Comedy, die meilenweit vom Vorstadttheater Schikaneders bzw. dem daraus abgeleiteten Welttheater liegt.

Auch musikalisch war es kein großer Abend. Christoph Eschenbach kündigte eine neue Lesart der Partitur an, außer höchst eigenwilligen Tempi war davon nicht viel zu spüren. Chen Reiss als sängerisch wunderschön gestaltende Pamina bemühte sich merklich, Emotionen in ihre g-Moll-Arie zu legen, wurde aber vom Orchester mehr oder weniger allein gelassen. Benjamin Bruns kam noch am besten mit der Situation zurecht und gab einen beeindruckenden Tamino. Sarastro Brindley Sherratt hatte auf Stelzen zu gehen – weshalb, hat sich nicht offenbart. Olga Pudova war eine ordentliche Königin der Nacht, die aber kaum Dramatik aus ihren nur wenig beseelten Arien schöpfen konnte. Dafür waren ihre Damen mit Olga Beszmertna, Christina Carvin und Alisa Kolosowa bestens besetzt. Markus Werba war ein Papageno wie er sein soll, Valentina Naformiâ eine Papagena-Luxusbesetzung. Thomas Eibenstein überzeugte als Monostatos.

Wiener Staatsoper: Mozarts Zauberflöte, 17.11.,

OÖN Bewertung:

 

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Nicht-Fisch-und-nicht-Fleisch-diese-neue-Zauberfloete;art16,1243278
© OÖNachrichten / Wimmer Medien · Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung
Bitte Javascript aktivieren!