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Montserrat Caballé lacht so gerne, wie sie singt

Eine Tournee zum 80er: Die katalanische Sopranistin ist am 13. November im Linzer Brucknerhaus zu Gast.

Montserrat Caballé lacht so gerne, wie sie singt

Singen hält jung. Montserrat Caballé ist trotzdem überrascht über sich. Bild: EFE

Im April feierte sie ihren 80. Geburtstag. Nach einer längeren Pause ist Montserrat Caballé wieder auf Tournee, am 13. November gastiert die Sopranistin im Brucknerhaus. Im Oktober 2012 war sie bei einer Konzertreise in Russland gestürzt und hatte sich den Arm gebrochen. Sie nimmt es mit Humor, wie vieles andere auch.

OÖNachrichten: Frau Caballé, wie geht es Ihnen?

Montserrat Caballé: Ah, der Arm. Langsam geht es besser, trotzdem tut es manchmal weh. Aber die Ärzte sagen, das ist normal, bei so vielen kaputten Sachen (lacht).

Sie stehen seit 60 Jahren auf der Bühne. Haben Sie irgendein Geheimrezept?

Nein, überhaupt nicht. Ich wundere mich selbst, warum ich noch da bin und singen kann. Das ist ja ungeheuerlich! Aber da gibt es viele andere. Zum Beispiel Plácido Domingo, wir haben fast zusammen angefangen. Naja, so ist es manchmal im Leben. Ich freue mich sehr über meinen 80. Geburtstag, und auch auf die Sachen in Linz. Das ist ja etwas Besonderes für mich.

Vor allem ist es besonders für uns. Was werden Sie singen?

Ich habe ein schönes Programm gemacht mit meiner Tochter, sie wollte dieses Feier-Abenteuer mit mir gemeinsam machen. Wir singen Arien und Duette, spanische Musik. Wir singen zwar im Brucknerhaus, aber nicht Bruckner. Ich habe vor 50 Jahren einen Liederabend in Linz gesungen, Händel, Mozart und französische Lieder. Das hat mir sehr gefallen. Es ist schon so lange her, ich war jung. Wir könnten also sagen: der Besuch der Alten Dame!

Aber Sie lachen wie ein junges Mädchen. Sie sind innerlich jung geblieben?

Ich versuche es. Mein Mann sagt immer, ich sei wie mit 15 Jahren. Alle sagen das, und ich frage mich jedes Mal, warum?!

Haben Sie ein Lebensmotto?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe die Liebe zur Musik.

Erinnern Sie sich noch an Ihr Debüt an der Staatsoper 1959?

Ich war in Basel engagiert. Jemand wurde krank, man brauchte eine Salomé. Da haben sie mich geholt. Das war mein Debüt in Wien. Ich erhielt Lob und Silbersachen, als gute Strauss-Sängerin. Mein erster Preis, eine wunderbare Erinnerung! In Österreich war es immer schön.

Heute müssen Sängerinnen nicht nur singen können, sondern sollen auch noch wie Models aussehen. Wie empfinden Sie das?

Vielleicht würde ich heute keine Karriere machen (lacht)! Aber es gibt noch Leute, die gehen ins Konzert, in die Oper, weil sie die Musik lieben. Das ist das Schönste. Als ich jung war, habe ich auf die großen Sängerinnen gehört, Maria Callas, Birgit Nilsson. Das war eine besondere Ära, davon habe ich viel gelernt. Ich bin meiner Liebe zu den Komponisten gefolgt. Du sollst sie nicht betrügen, sondern bewundern für ihre Musik, ihnen folgen und versuchen, ihnen zu dienen. Sonst dienst du nur dir selbst. Dazu gibt es keinen Grund.

Haben es junge Sänger heute schwerer als damals?

Schwer war es immer. Ich habe viele Schüler. Die sind toll, singen sehr schön. Aber sie schreiben mir manchmal peinliche Briefe. Sie verstehen nicht, warum sie etwas machen sollen, das nichts zu tun hat mit der Oper, der Arie, die sie singen. Sie leben in einer ganz anderen Zeit, einer anderen Welt. Damals war ein Bouquet aus Blumen etwas ganz Besonderes. Heute können die Blumen auch falsch sein. Die Werte waren andere.

Ihr Auftritt mit Freddie Mercury ist legendär. Hilft es der Oper, Grenzen zu überschreiten?

Damals sind viele Leute aus der Rock- und Popmusik zu mir gekommen und haben gesagt: Sie hätten nie geglaubt, dass die Oper so schön ist. Es war ein Fenster, eine Brücke zwischen diesen beiden Welten. Es ist immer schön, neue Leute zu entdecken und dass sie dich und deine Musik entdecken. Das ist etwas Besonderes, darüber muss man froh sein.

Haben Sie sich manchmal einsam gefühlt auf Ihren Reisen?

Das ist immer so. Wenn am Ende der Vorhang fällt, fühlst du dich alleine. Du hast für eine Zeit mit dieser Musik, diesen Gefühlen gelebt. Plötzlich ist es finito. Du musst zur Garderobe, ins Hotel. Das ist eine Einsamkeit. Ja, das ist so.

Wie ist es mit Lampenfieber?

Ah, vor dem Auftritt ist es immer furchtbar. Diese Angst vor dem Publikum und vor dem Werk. Du musst es zum Publikum bringen, damit es weiß, wie groß der Komponist ist. Das ist ein Dienst, das ist nicht einfach.

Gibt es etwas, das Sie unbedingt noch machen möchten?

Ja, ich würde gerne "Die Frau ohne Schatten" (Richard Strauss, Anm.) singen. Das habe ich mir immer gewünscht.

 

Zur Person

Montserrat Caballé wurde am 12. April 1933 in Barcelona geboren. 1965, an der New Yorker Carnegie Hall, begann die Weltkarriere der Belcanto-Königin. Legendär wurde nicht nur ihr Piano, sondern auch ihr Auftritt mit Freddie Mercury. Mit dem Queen-Sänger veröffentlichte sie das gemeinsame Album „Barcelona“. 1998 erhielt die Sopranistin einen Bambi und 2007 den Echo Klassik.

 

 

Montserrat Caballé: Montserrat Caballé, Aria aus Puccini's Gianni Schicchi, München, 1990

 

Monserrat Caballé und Freddie Mercury, „Barcelona“

 

Monserrat Caballé – Master Class 2011

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Artikel Karin Schütze 08. November 2013 - 04:57 Uhr
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