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Mehr als ein romantischer Schmachtfetzen zum Schwelgen

Eine musikalische Sternstunde mit den St. Petersburger Philharmonikern und Solist Denis Matsuev im Linzer Brucknerhaus.

Mehr als ein romantischer Schmachtfetzen zum Schwelgen

Fulminant: Denis Matsuev im Spiel mit den Petersburger Philharmonikern. Bild: (Winkler)

Am Mittwoch gab es im Rahmen des Großen Abonnements eine kleine Sternstunde im Brucknerhaus, denn fulminanter, kraftvoller, energiegeladener und zugleich sensibler und intelligenter in der Interpretation kann man Rachmaninows 3. Klavierkonzert kaum spielen, wie es Denis Matsuev mit den St. Petersburger Philharmonikern unter Yuri Temirkanov erlebbar machte. Ein Werk, das zwar einen hohen Bekanntheitsgrad aufweist, an dem aber viele Pianisten aufgrund der rein physischen Herausforderung – Rachmaninow hatte ungemein große Hände –, aber auch an der intellektuellen Aufgabe scheitern.

Denn dieses Konzert – finanziert dank einer Finanzspritze in Höhe von 90.000 Euro durch "Linz Textil"-Eigentümer Dionys Lehner – ist mehr als ein romantischer Schmachtfetzen zum Schwelgen, es ist ein tiefgreifendes Werk, das kompositorisch und klaviertechnisch die Möglichkeiten ausreizt und nur schwer in seinem endgültigen Ablauf vorausgeplant werden kann. Dazu gibt es viel zu viele Notwendigkeiten, mit dem Tempo zu spielen, und das klappt nur dann, wenn alle aufeinander hören. So ließ Temirkanov zu Beginn Denis Matsuev jede Freiheit, schien ihm an den Augen abzulesen, was in der Folge passieren würde, und steuerte mit Gesten der rechten Hand das Orchester mit dem Körper zum Solisten gewandt.

Subtiles Finale mit viel Jubel

Sein Podium stand auch leicht schräg, sodass der Solist nicht im Rücken saß, sondern aus einer Perspektive des gegenseitigen Kontaktierens ein unmittelbares Reagieren möglich war. Und das alleine war schon faszinierend. Dementsprechend der Jubel, den Matsuev mit dem subtil klangplastisch geformten Finale aus Beethovens "Sturm"-Sonate op. 31/2 quittierte.

Im zweiten Teil eine nicht minder mit instrumentaler Perfektion, rhythmischer Exaktheit bei gleichzeitigem Maximum an Expression gespielte Petruschka-Ballettmusik von Igor Strawinsky, die akribisch die oft vielschichtigen Überlagerungen von Rhythmen und Harmonien offenlegte und fein analytisch durchhörbar machte.

Der große Meister des Taktstockes hat diese Musik voll und ganz verinnerlicht und brauchte nur wenige Gesten, um einen orchestralen Orkan vom Zaun zu brechen und scheinbar genauso unvermittelt die subtilsten Klangfarbenspiele zu evozieren. Trotz der Riesenbesetzung war eine unglaubliche dynamische Abstufung möglich. Auch das bestens disponierte Orchester gab eine Zugabe – den VII. Satz aus Strawinskys Pulcinella-Suite für Solo-Kontrabass und Solo-Posaune.

Brucknerhaus: Konzert mit den St. Petersburger Philharmonikern unter Yuri Temirkanov, Solist: Denis Matsuev, 10. Mai

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Michael Wruss 12. Mai 2017 - 00:04 Uhr
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