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Medienhype zum Wiehern

Dieses Medienecho haben nicht einmal Burgtheater-Premieren: Vor über 50 akkreditierten Medienvertretern und sieben Kamerateams wurde an der Wiener Off-Bühne 3raum-anatomietheater das von Theatermacher Hubsi Kramar und dem Projektdesigner Hermann Fritzl konzipierte Stück „Pension F.“ uraufgeführt.

Medienhype zum Wiehern

Riesiges Medieninteresse für Regisseur Hubsi Kramar (li.) und sein Ensemble von „Pension F.“ Bild: Andreas Pessenle

Die Themen liegen auf der Straße, man braucht sich nur zu bücken, um sie aufzuheben. Innerhalb kurzer Zeit kamen in Niederösterreich zwei Schwerverbrechen an das Licht der Öffentlichkeit: der Entführungsfall Kampusch sowie das Kellerverlies- und Inzestdrama von Amstetten.

Nachdem der engagierte Schauspieler und Theatermacher Hubsi Kramar vor einigen Wochen ankündigte, er werde an seiner Off-Bühne den Amstettner Kriminalfall zum Anlass einer Familienseifenoper und österreichischen Tragikomödie nehmen, war Feuer am Dach. Die Brandstifter spielten Feuerwehr: Eine Gratistageszeitung und ein weit verbreitetes Kleinformat hetzten gegen Kramar, warfen ihm vor, er missbrauche die Opfer.

Der Wiener Kultursprecher der FPÖ ortete „einen unglaublichen Skandal, der nach harten Konsequenzen ruft“, „bei diesem Theaterstück handelt es sich um eine abgrundtiefe Perversion, die zum Himmel stinkt“. Kramar füge damit dem „österreichischen Volk einen unbeschreiblich großen Schaden im Ausland“ zu.

Wer Kramars langjährige Theaterarbeit kennt, konnte über diese Vorverurteilung und Denunziation nur den Kopf schütteln, denn Kramars Ansatz läuft auf die Frage hinaus, was ist eigentlich grauslicher –das Verbrechen an sich oder das, was die Medien daraus machen? Die Kramar-Falle schnappte also zu, und bei der Premiere von „Pension F.“ stiegen sich die TV-Teams (Norwegen, BBC, Al Jazeera, RTL, Puls4, ATV und ORF) gegenseitig auf die Füße. Mehr als 50 Medienleute füllten den Theatersaal, so dass für „normales“ Publikum kaum mehr Platz blieb.

Theatralische Fastenzeit

In Form von Practical Jokes, bemühter bis gelungener Satire, billiger Parodie, die noch den „Villacher Fasching“ unterschreitet (Edith Klingers televisionäre Tiervermittlung „Wer will mich?“ für Menschen), Revue, Musik, Trash, Videozuspielungen von Alf Poier ging ein zweieinhalbstündiges Spektakel im 3raum-Anatomietheaters – einst ein Teil der Tierärztlichen Hochschule – über die Bühne.

Am Rosenmontag herrschte ein wenig theatralische Fastenzeit. Aber der Medienhype ist wirklich zum Wiehern.

Info: 3raum-anatomietheater, Beatrixgasse 11, 1030 Wien, Termine: heute, 26., 27. und 28. Februar, 15., 16., 17. und 18. April. Karten: 0650-32 33 377. www.3raum.or.at class="ArtikelText">Über Regisseur Hubsi Kramar lesen Sie mehr auf Seite 4

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Artikel Von Reinhold Reiterer 25. Februar 2009 - 00:04 Uhr
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