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#MeToo-Debatte: Burgtheater-Mitglieder veröffentlichen Offenen Brief

WIEN. Rund 60 Beschäftigte des Wiener Burgtheaters - darunter auch zahlreiche namhafte Schauspieler und Schauspielerinnen - haben am Freitag im "Standard" einen Offenen Brief veröffentlicht.

Das Burgtheater in Wien. Bild: APA

Mit diesem beklagen sie eine Atmosphäre der Angst und Verunsicherung, die unter dem einstigen Theaterdirektor Matthias Hartmann geherrscht habe, der bis 2014 das Haus führte.

Man wolle damit klarstellen, dass auch die Kulturinstitutionen nicht vor den im Zuge der MeToo-Debatte thematisierten Problemen gefeit seien, so die Unterzeichner, zu denen so prominente Schauspieler wie Regina Fritsch, Petra Morze, Elisabeth Orth oder Branko Samarovski und Nicholas Ofczarek gehören. "Das Burgtheater hat von 2009 bis 2014 eine Direktion erlebt, die unter Matthias Hartmanns Leitung und mit ihm als hauptsächlichem Regisseur am Haus Abhängigkeiten und Betriebshierarchien nicht durch einen verantwortungsvollen Umgang aufgefangen, sondern eine Atmosphäre der Angst und Verunsicherung erzeugt hat", heißt es im Brief. Dabei gehe es nicht um strafrechtlich relevante Vorwürfe, "[...] wir reden von einem Klima, nicht von schweren Straftaten."

Die konkreten Vorwürfe reichen von der Beschimpfung des technischen Personals über die Demütigung einzelner Produktionsmitarbeiter bis zu Homophobie. Hartmann wird etwa die Frage an Schauspielerinnen während einer Probe vorgeworfen, ob "sie beim Oralverkehr das Sperma schlucken würden, oder ob das einer kalorienbewussten Ernährung widerspricht". Auch soll der Theaterchef einen dunkelhäutigen Choreografen als "Tanzneger" bezeichnet haben.

Das Burgtheater als Ort der Debatte

Hartmann sei jedoch kein Einzelfall, den man inmitten von lauteren und fairen Theaterkünstlern brandmarken wolle, heißt es im Offenen Brief weiter: "Immer wieder wird von vielen RegisseurInnen in künstlerischen Prozessen Machtmissbrauch, Demütigung und Herabwürdigung als probates Mittel in der Arbeit angesehen." Wie einschneidend die Hartmann-Ära das Klima am Haus geprägt habe, zeige sich aber nicht zuletzt daran, dass sich unter seiner amtierenden Nachfolgerin Karin Bergmann zwar die Atmosphäre geändert habe, aber "die negativen Konsequenzen in Bezug auf das gegenseitige Vertrauen immer noch spürbar sind." So schwer der Gang an die Öffentlichkeit falle, sei doch das zentrale Anliegen, gemeinsam für eine rücksichtsvolle, respektvolle und faire Arbeitsatmosphäre zu sorgen: "Wir möchten dem Burgtheater nicht schaden, sondern es als Ort der Debatte zeigen."

Direktorin Karin Bergmann sprach gegenüber dem "Standard" von einem Schritt, den sie respektiere. Sie verstehe aber auch die Entscheidung derer, die nicht unterschreiben und die Debatte nicht in die Medien bringen wollten.

Vom "Standard" mit den Vorwürfen konfrontiert, bezeichnete Matthias Hartmann etwa die Frage des Spermaschluckens trotz kalorienbewusster Ernährung als "Witz" und entschuldigt sich, sollte er jemanden verletzt haben. Auch die Bezeichnung des Choreografen als "Tanzneger" bestreite er nicht, halte aber fest: "Ich bin kein Rassist. Der Choreograf, den ich in höchstem Maße schätze, hat sich uns lachend als 'Tanzneger' vorgestellt [...]". Den Vorwurf der Homophobie weise er jedoch von sich. Auch dass er beim Theaterritual des "toi, toi, toi" Kollegen einen Klaps auf den Hintern gegeben habe, verneint Hartmann nicht, aber: "Ich habe dies niemals in chauvinistischer oder sexistischer Absicht getan."

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Artikel nachrichten.at/apa 02. Februar 2018 - 19:24 Uhr
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