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Linzer Spielplatz der globalen Phantasie

Heute startet das Ars Electronica Festival (bis 12. 9.), die Welt mit Künstlern zu verbessern.

Linzer Spielplatz der globalen Phantasie

Robertina Sebjanic erforscht den Ursprung des Lebens und inszeniert die Auflösung von Kristallen in Natriumsilikaten als Kunstwerk. Bild: Weihbold

Im Keller der Linzer Postcity, des ehemaligen Post-Verteilerzentrums am Hauptbahnhof, kauern die Alchemisten der Neuzeit über Maschinen. Es sind insgesamt 500 Künstler aus der ganzen Welt, die Materialien der Gegenwart in künftiges Gold verwandeln möchten. Sie spielen und experimentieren mit Robotern, sie zerren an ethischen Grenzen, sie dehnen die Begriffe von Endlichkeit und sind dabei neben faszinierend wie humorvoll vor allem visionär. Der künstlerische Leiter Gerfried Stocker balanciert das heute um 21 Uhr beginnende Ars Electronica Festival mit einem Budget von 1,2 Millionen Euro zwischen populären Schauerlebnissen und philosophischen Ansätzen, wie sich aus unserer Welt ein besserer Ort basteln ließe. Vom ZDF über das japanische Fernsehen NHK bis zum Chef des "New Scientist" und dem "Rolling Stone"-Magazin sind rund 400 Journalisten aus aller Welt akkreditiert. In keinem anderen Segment ist Linz derart bedeutsam. 93.000 Besucher waren im vergangenen Jahr zu Gast.

Die erste der drei Postcity-Etagen gibt mit "u19 – create your world" Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, die Festivalidee mit Projekten unter gesellschaftlichen Aspekten zu bereichern. Einige Schritte weiter im STARTS-Lab stehen unter anderem hünenhafte Roboter und 3D-Drucker quasi symbolisch dafür, wie modernste Technik sowohl Alltag als auch Arbeitswelt verändern wird. In der "Gallery" wird verhandelt, welche Rolle die Kunst dabei spielt – dem Prinzip der Festival-Vernetzung folgend: Kunst, Technologie, Gesellschaft.

Eine riesige Anzahl von Konferenzen und Vorträgen begleitet die Schau. In der Gleishalle steigen die musikalischen Auseinandersetzungen mit dem Thema, abschließend am Sonntag mit dem Konzert des Bruckner Orchesters.

Am spektakulärsten öffnet sich das Kellergeschoß, "die Unterwelt", wie Stocker sagt. Von riesige Seifenblasen erzeugenden Trichtern (Thom Kubli) über festgebundene Muscheln (Spela Petric), die an der Herstellung eines Gefäßes mitwirken – als Metapher für im Hamsterrad gefangene Menschen – bis zur Installation "Aquaphoneia" (Michael Montanaro, Navid Navab), die die menschliche Stimme in Materie verwandelt. Den Blick auf die Welt verwandelt das Festival ohnehin.

Ars Electronica Festival, "radical atoms and the alchemists of our time", heute bis 12. 9., Infos und Karten unter Tel: 0699/1778 1590, www.aec.at

Die Magie der radikalen Atome

„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden“ behauptete der Autor Arthur C. Clarke („2001: Odyssee im Weltraum“). Die jetzt eröffnete und nach dem ARS-Festival weiter laufende „Radical Atoms“-Ausstellung im Ars Electronica Center beschwört beim Besucher eben diese staunende Ungläubigkeit hervor. Der Frage, wie sich Bits und Bytes mit der realen Welt verbinden lassen, widmen sich die faszinierenden Arbeiten der Tangible Media Group rund um Hiroshi Ishii in den verschiedensten Facetten.

Ein Display, das sich verknoten und falten lässt („LineFORM“), Material, das in Sekunden die Konsistenz von weich zu hart und retour ändern kann („jamSHEETS“) und Miniroboter, die auf unserer Kleidung wohnen („Rovables“) – die 14 Projekte aus Ishiis Kreativlabor erlauben Blicke in eine Zukunft, die wir uns noch nicht träumen lassen. Höhepunkt der Ausstellung ist der Prototyp „inForm“, der vom Eberstalzeller Daniel Leithinger entwickelt wurde. Ohne Berührung, einfach per Video übertragener Handbewegung, können auch über weite Entfernungen Objekte gesteuert werden. Quasi „Skype“ für die übernächste Generation.     (ll)

 

 

 

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Artikel Peter Grubmüller 08. September 2016 - 00:04 Uhr
Video

Ars Electronica: Radical Atoms Exhibition

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