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Linz, die beschränkte Befreiung

Das Linzer Landestheater vergab zum dritten Mal das mit 5500 Euro dotierte und mit einem dreimonatigen Linz-Aufenthalt verbundene „Thomas-Bernhard-Stipendium“. Die Wahl fiel auf die Wiener Germanistin und Dramatikerin Ursula Knoll.

Linz, die beschränkte Befreiung

„Autorin, ohne jemanden anschleimen zu müssen.“ Bild: peter grubmüller

OÖN: Welche Rahmenbedingungen gehen Sie mit diesem Stipendium ein?

Knoll: Bis Ende Juni geben sie mir eine Wohnung, ein Puch-Mini-Fahrrad und ich kann bei den Landestheater-Proben zuschauen. Außerdem wäre es schön, wenn ich einen Text schreibe. Es kann ein Stück sein, ein Mini-Drama – ganz ohne Vorgabe. Es ist eine dreimonatige Blase, in der ich sitzen und schreiben kann. Ich bin viel mit mir alleine, meine Wiener Verpflichtungen sind weg: Gelderwerb, Haushalt, Steuererklärungen. Anstelle am Abend in einem Deutschkurs zu unterrichten, bin ich im Theater. Das ist eine enorm verbesserte Lebensqualität.

OÖN: Warum haben Sie sich 2002 für ein halbjähriges Praktikum in Kirgisistan gemeldet?

Knoll: Ich hab’ dort an der Uni unterrichtet. Ich wollte schauen, wo meine Grenzen sind, und ich hab’ sie gefunden. Ich bin im Wintersemester hin, bei minus 20 Grad in ein völlig fremdes Land mit karger Infrastruktur. Kein Kino, kein Fernseher – Isolationshaft. Einen Ausflug zu machen hieß, mit einem im Innenraum nach Benzin stinkenden Trabi vier Stunden durch Schneelandschaft zu fahren. Wenn wir angekommen sind, waren alle high. Ich hab’ mir oft die Frage gestellt, was ich da mache.

OÖN: Stellen Sie sich diese Frage auch in Linz?

Knoll: Nein, hier bin ich geborgen in einem geschützten Raum, es ist eine zeitlich beschränkte Befreiung. New York sollte es werden, Linz ist es geworden. Sofern man in Wien aufwächst, fragt man sich, was die Provinz anzubieten hat. In meiner Arroganz hatte ich nicht für möglich gehalten, welche spannenden Plätze hier zu finden sind. Dieses Stipendium ist meine bis jetzt größte Chance. Ich hab’ im Burgtheater (Workshop „TheaterSchreiben“) angefangen, dann war ich bei den Wiener Wortstätten, und jetzt bin ich hier.

OÖN: Das klingt nicht nach einem Aufstieg.

Knoll: Es ist ein Weg nach vorne – und es ist geil, dass meine Arbeit anerkannt wird. Ich bin auf der Uni, ich unterrichte Deutsch, ich mach’ Theaterprojekte. Hier bin ich Autorin, ohne jemanden anschleimen zu müssen.

OÖN: Ist das Stipendium an ein Ergebnis gekoppelt?

Knoll: Wenn ich nichts schreibe, ist es auch gut. Trotzdem hab’ ich das Ziel, dass etwas zustande kommt. Aber nicht, um einer Vorgabe zu genügen, sondern dieses Angebot zu nützen und mich darauf einzulassen.

OÖN: Bedauern Sie es, dass ein Stück von Ihnen nicht zwingend inszeniert wird?

Knoll: Es nimmt mir den Druck. Ich funktioniere schlecht, wenn ich etwas muss – ich mach’ eh von selbst. Ein Stück ist Arbeit, aber es ist auch ein Spiel, das ich gerne spiele.

OÖN: Es ist das Bernhard-Stipendium. Fühlt man sich angesichts dieses Titels klein?

Knoll: Nein, ich hab’ ihn mit Humor genommen. Allen hab’ ich erzählt, dass es das Bernhard-Stipendium ist, und sie haben die Augen aufgerissen. Wenn ich gesagt hätte, dass ich ein Linzer Stipendium habe, wäre die Reaktion anders gewesen. Prinzipiell ist mir Bernhard eher fremd. Von Bachmann oder Jelinek bin ich begeistert, Bernhard war nie einer meiner Säulenheiligen.

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Artikel Von Peter Grubmüller 12. Mai 2009 - 00:04 Uhr
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