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Klangforum Wien sucht neuen Intendanten

WIEN. Einen Tag vor Saisonbeginn des Klangforum Wien, der mit einem kleinen Sonderkonzert dem Gedenken an den am 3. August unerwartet verstorben ehemaligen Intendanten Peter Oswald gewidmet ist, gab Intendant Sven Hartberger heute, Donnerstag, seinen Rückzug von dieser Position mit Ende 2019 bekannt.

Bis 31. Oktober läuft die Bewerbungsfrist, die vierjährige Funktionsperiode beginnt am 1. Jänner 2020.

Hartberger, der das Ensemble dann 20 Jahre geleitet haben wird, skizzierte das Prozedere: "Wir werden die Position in den kommenden Tagen öffentlich ausschreiben. Ende November wird das Plenum der Musikerinnen und Musiker entscheiden, mit welcher Person die Gespräche aufgenommen werden, Ende des Jahres wird das feststehen." Formal muss diese Entscheidung dann noch dem Vorstand vorgelegt werden, ehe sie bekannt gegeben wird. Die Intendanz, deren Vorbereitungszeit schon im Juli 2018 beginnt, ist nicht nur für das künstlerische Programm, sondern auch für Budgetierung, Administration und allgemeine Geschäftsführung des Ensembles verantwortlich.

"Ganz organisch sind wir in bestem Einvernehmen zum Schluss gekommen, dass 20 Jahre genügen und dass es dem Ensemble gut tut, dass eine neue Intendanz kommt", begründete Hartberger auf Nachfrage seinen Abgang. Beim 24-köpfigen Ensemble sei der Intendant zwar nur "das 25. Rad am Wagen", mit seinen persönlichen "Vorlieben und Beschränktheiten" präge er dennoch das Programm mit. "20 Jahre lang werde ich eine Art Filter gewesen sein. Ich finde es sehr richtig und sehr gut, dass nach 20 Jahren ein Wechsel kommt. Ich freue mich auf das Neue, das kommt."

Die Klangforum-Intendanz sei "sicher ein Traumjob. Es ist eine der schönsten Aufgaben, die es im Musikleben Österreichs und damit im Musikleben Europas gibt", zeigte sich Hartberger, der über seine persönliche Zukunft nichts sagen wollte, zuversichtlich, dass es zu einer Vielzahl qualifizierter Bewerbungen kommen werde.

"Ein spätes Kind meiner sich langsam zu Ende neigenden Tagen als Intendant des Klangforums" nannte Hartberger die mit Unterstützung der Alban Berg Stiftung ausgerichteten "Festlichen Tage alter Musik", die ab 24. Jänner 2018 bereits zum dritten Mal die "sehr notwendige Brücke von der wirklich alten Musik zur Gegenwart" schlagen und "Begegnungen mit Preziosen" aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ermöglichen sollen. Diesmal decken die Konzerte Musik der Jahre 1908 bis 1961 ab.

Drei Komponistenporträts im Proberaum des Ensembles sind Gottfried von Einem (zur Eröffnung des Festivals am 24. Jänner, exakt zum 100. Geburtstag des Komponisten), Hans Erich Apostel und Karl Schiske gewidmet. Gottfried von Einem sei "ohne Zweifel einer bedeutendsten Musikdramatiker des 20. Jahrhunderts", sagte Hartberger, dass dessen Werke in den Großen Häusern außer zum Jubiläum kaum Aufmerksamkeit erhielten, sei "erstens eine Schande, zweitens massiv unklug". Die vier Hauptkonzerte des Festivals finden im Konzerthaus und im Wien Museum statt.

Heftige Kritik an der Politik hatte Sven Hartberger bei der Pressekonferenz ebenfalls vorzubringen: Dass "ausgerechnet das Integrationsministerium" seine Förderung des Wiener KunstSozialRaums Brunnenpassage, wo das Klangforum in vielfältiger Weise aktiv sei, eingestellt habe, sei "schwer nachvollziehbar". Und für ein großes Projekt für das Kulturprogramm zu Österreichs EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2018 hänge man derzeit gänzlich in der Luft, da "zu meiner grenzenlosen Verwunderung" offenbar das Finanzministerium für die gesamte Vorbereitung "nicht einen Cent Budget freigegeben" hat.

Bei dem zusammen mit dem Animationsfilmfestival "Tricky Women" vorgeschlagenen und auf viel positive Rückmeldung gestoßenen Projekt sollen zehn Komponistinnen mit zehn Filmemacherinnen in ihren gemeinsamen Arbeiten "zum Gespräch über die Zukunft der Welt einladen". Die Uraufführung sollte im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft stattfinden, danach könnte das Projekt durch Europa touren. "Ich habe dafür schon Interessenten bis ins Jahr 2020", versicherte Hartberger.

Von den 1,2 Mio. Euro Gesamtprojektkosten sollte die Republik die Hälfte übernehmen. Das Projekt stehe aufgrund der mangelnden fixen Finanzierungszusagen kurz vor der Absage. "Die Deadline dafür ist in Wirklichkeit Ende September." Peter Wolf, einer der beiden Präsident der Alban Berg Stiftung und zugleich Steuerberater und Wirtschaftsprüfer des Klangforum, habe ihn dringend davor gewarnt, Verpflichtungen ohne entsprechende Sicherheit einzugehen. Daran werde er sich halten. Eines müsse aber klar sein: Entsprechende Mittel erst nach der Wahl freizugeben, werde nicht ausreichen - ein ambitioniertes Kulturprogramm lasse sich nicht in sechs, sieben Monaten auf die Beine stellen.

 

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Artikel nachrichten.at/apa 14. September 2017 - 12:54 Uhr
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