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Julian Gillesberger, ein Hells Angel der klassischen Musik, wird Diakon

Damit überraschte der 44-jährige Musiker und Konzertmanager alle – sogar seine Ehefrau

Julian Gillesberger, ein Hells Angel der klassischen Musik, wird Diakon

Julian Gillesberger, Bratschist, Konzertmanager, angehender Diakon Bild: Alexander Schwarzl

Musik und Gottesglauben, diese Paarung ist an sich nichts Ungewöhnliches. Bei Julian Gillesberger, Bratschist des Spring String Quartetts (SSQ), Konzertmanager (Konstantin Wecker, Angelika Kirchschlager) und Organisator der St. Florianer Brucknertage, gehen sich diese Puzzleteile auf den ersten Blick nicht aus. Und trotzdem: Der wilde Hund der klassischen Musik, das Mitglied eines Quartetts, das sich das Prädikat "Hells Angels der Virtuosität" auf die Saiten heftet, glaubt.

So intensiv, dass er vor gut zwei Jahren ein Theologiestudium begonnen hat, auf das die Weihe zum ständigen Diakon folgen soll. Harte Schale, weicher Kern, Herr Gillesberger? "Ich habe schon mit 20 Jahren überlegt, ins Kloster zu gehen. Damals war das nicht stimmig für mich, ich wollte unbedingt Musik machen. Jetzt bin ich bereit, einen Teil meiner musikalischen Arbeit der Liturgie zu opfern. Musik hat definitiv etwas Göttliches", sagt der verheiratete Vater von zwei Söhnen, darunter der begabte Pianist Elias Gillesberger.

Die eingangs erwähnte Symbiose trägt der künftige Diakon auch in den Genen, ist er doch mütterlicherseits ein Spross der Kronsteiner-Dynastie mit vielen musikalisch hochbegabten Priestern.

Auch sein enger Kontakt zu den Augustiner-Chorherren von St. Florian und ein liturgisches Konzert mit dem SSQ in Luzern haben ihm den letzten Kick gegeben. "Meine Frau war anfangs schon verwundert", sagt der Mühlviertler, der in mehreren Orchestern als Solobratschist agiert. Dass es ihm ernst mit seiner zweiten Berufung ist, untermauert sein Pfarrpraktikum in Ried/Riedmark.

Als Diakon will er auf die Menschen zugehen: "Ich bin sehr kommunikativ, das ist in dem Beruf kein Schaden. Bei mir wird viel Musik in der Liturgie zu hören sein, und die Leute sollen mitmachen können." Für die Amtskirche hat er auch schon eine Botschaft: "Ein großer Hemmschuh für die Kirche ist die Angst vor Veränderung, aber ich denke, wir können ruhig auch einmal ein bisschen etwas riskieren. Wenn man Teil davon ist, kann man auch etwas tun."

 

Diakon

Zum Diakon können sowohl verheiratete (ständige Diakone) als auch unverheiratete Männer (im Rahmen ihres Weges zum Priester) geweiht werden. Diakone können unter anderem Trauungen oder Beerdigungen vornehmen, aber keine Eucharistiefeiern leiten oder Beichten abnehmen. In Oberösterreich gibt es derzeit rund 125 ständige Diakone, sie sind kein Priesterersatz.
Ausbildung: zwei Jahre

 

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Artikel Helmut Atteneder 19. Juni 2017 - 00:04 Uhr
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