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Ihre große Kunst ist das Kostüm

Als Monika Buttinger etwa 13 Jahre alt war, hat sie "Casanova" von Federico Fellini gesehen und erkannt, dass sie Kostümbildnerin für den Film werden will. Heute zählt die Linzerin zu den Besten ihres Faches. Wie ihr das gelang, hat sie Nora Bruckmüller erzählt.

Monika Buttinger bei der Arbeit   Bild: (Privat)

Die Linzerin und WahlWienerin über Mentoren, Zufälle auf der Mariahilfer Straße, Engagement und die Kunst ihrer Mutter.

Welche Ausbildungsmöglichkeiten gab es anfangs für Sie?

Ich habe mich erkundigt, und im Grunde gibt es bis heute keine. Lediglich an der Akademie der Bildenden Künste in Wien kann man Bühnenbild studieren, und innerhalb dieses Zweigs läuft das Berufsfeld Kostümbild mit. Aber es ist keine Ausbildung, um wirklich Kostümbildner zu werden, erst recht nicht im Bereich Film. Deshalb habe ich mir auch meine Ausbildung selbst zusammengestellt. (Info unten)

Wie sah Ihr Einstieg in die Berufswelt aus?

Meine Diplomarbeit habe ich für die Firma Moser in Seewalchen am Attersee gemacht, wo ich danach gleich als Freelancerin engagiert worden bin. Für die Winter- und Sommerkollektion habe ich dann vier Jahre lang immer wieder zwei Monate für sie gearbeitet. Parallel dazu hat mich auch die Firma Eisbär engagiert. Es war bei mir relativ schnell klar, dass ich mich selbständig machen werde, weil sich sofort diese tollen Chancen aufgetan hatten. In dieser Zeit konnte ich immer wieder in den Bereich Film hineinschnuppern.

Wie haben Sie im Film den Fuß endgültig in die Tür bekommen? Durch Zufälle, Mentoren und viel Engagement?

Alle drei Faktoren haben eine Rolle gespielt. Der große Zufall war, dass ich einen Kameraassistenten, den ich noch aus Oberösterreich gekannt habe, auf der Wiener Mariahilfer Straße getroffen habe. Er hat Lampen geschleppt, und ich Säcke voller Kostüme. Er hat mir dann von einem oberösterreichischen Regisseur erzählt, der gerade seinen ersten Kinofilm plante. Dann habe ich ihm gesagt: Bitte gib mir seine Nummer, ich würde ihn gerne fragen, ob ich als seine Kostümbildnerin mitarbeiten kann.

Und wer waren die beiden?

Der Kameraassistent war Volkmar Geiblinger (der Katsdorfer hat später als Kameramann u. a. für „Rush“ gearbeitet, Anm.) und Regisseur der Gramastettner Leopold Lummerstorfer.

Wie ging es weiter?

Ich habe mich mit Leopold getroffen, und wir haben uns sofort sehr gut verstanden. Er hat dann den Wunsch, dass ich sein Kostümbild machen will, an die Produktionsfirma „Aichholzer Film“ weitergegeben. Dann hat sich die Produktionsleiterin bei mir gemeldet, womit wir jetzt bei den Mentoren wären. Es war Monika Maruschko (u. a. Produktionsmanagerin für „Die Fälscher“ und „Gruber geht“). Sie hat mich angerufen und gesagt: „Ich habe gehört, du willst Kostüm machen. Kannst du das?“ Das habe ich bejaht. Darauf sie: „Du hast das aber noch nie gemacht.“ Darauf ich: „Ich habe aber schon für das Fernsehen gearbeitet und weiß etwa, was Anschlüsse sind.“ Sie meinte, wenn ich mir sicher bin, dann soll ich es machen.

Es ging also um den Film „Gelbe Kirschen“. Damals wussten Sie wohl noch nicht, wer aller mitspielen wird?

Nein. Ich habe das Drehbuch bekommen und gesehen, wer da auf der Liste stand: Josef Hader, Martin Puntigam, Georg Friedrich, Maria Hofstätter, Ursula Strauss … Da ist mir ganz heiß geworden, dann ganz kalt, dann heiß, kalt, heiß, kalt (lacht). Das waren natürlich damals schon große Namen.

Sie waren das jüngste von fünf Kindern. War es so, dass Sie das Gewand der Älteren anziehen mussten – oder haben Sie eigenes eingefordert?

Es war so, dass meine Mama sehr viel Kleidung für uns selbst gemacht hat. Wir haben von einem Eisenbahner-Gehalt gelebt. Sehr gut sogar, in dem Sinn, dass wir immer alles hatten und es uns an nichts gefehlt hat. Aber meine Mama hat sehr kreativ sein müssen. Und ich glaube, dass das auf mich abgefärbt hat. Dazu kommt meine älteste Schwester. Sie unterrichtet an der Modeschule in Linz. Sie ist zehn Jahre älter, und ich habe schon als Kind die tollen Kreationen gesehen, die sie in der Schule gemacht hat. Ein anderer Bruder von mir ist Bildhauer und Maler. Ich habe viel Förderung und Inspiration durch meine Familie bekommen.

Gibt es etwas im kreativen Prozess zum Kostümbild, das Ihnen am meisten gefällt?

Was für mich das Spannendste ist, kann ich gar nicht sagen. Was ich aber wahnsinnig genieße, ist die Recherche – egal, um welche Thematik es geht, egal ob ich für ein historisches Projekt in alten Büchern schmökern kann oder im alten Kostümfundus suche oder ob es um zeitgenössische Projekte geht. Ich habe gerade einen Kinofilm abgeschlossen, in dem es stark um die WEGA geht. Durch diese Arbeit habe ich Einblicke in diesen Polizei-Apparat erhalten, die ich sonst nie bekommen hätte.

Was Polizei und Uniformen betrifft, ist es bestimmt heikel, wenn man etwa ein falsches Abzeichen erwischt?

Man muss sehr verantwortungsvoll arbeiten. Aber ich sage am Ende immer: Wir drehen hier keine Doku, sondern einen Film. Mir fällt dazu ein Beispiel ein: Im Film „Einer von uns“ gibt es eine Szene, in der zwei Polizisten (Andreas Lust, Rainer Wöss, Anm.) normalerweise Polizeikappen aufhätten. Ich habe aber entschieden, dass sie Barette aufhaben, weil die Kappe Andreas Lust einfach gar nicht gepasst hat. Im Grund unüblich, aber hier waren die Barette dem Film zuträglicher.

Monika Buttinger, 45, wurde in Wels geboren und wuchs in Linz als jüngstes von fünf Kindern auf. Als Jugendliche sah sie den wundervoll ausgestatteten Film Casanova von Italo-Kultregisseur Federico Fellini und wusste, dass sie Kostümbildnerin werden wollte.

Das Schneidern lernte sie von ihrer Mutter, auf einer Pfaff-Maschine. Bis heute gibt es keine reine Ausbildung für Kostümbild. Buttinger hatte Glück: In Linz konnte sie die neu installierte HBL für künstlerische Gestaltung besuchen, mit 18 ging sie nach Wien, wo sie in Hetzendorf den damals ebenso neuen Lehrgang für Modedesign abschloss.

Nach ihrem Diplom machte sich Buttinger selbstständig, für die Firma Eisbär entwarf sie etwa die berühmte Fellmütze. Bisher hat sie bei mehr als 50 Film- und TV-Produktionen mitgearbeitet, u. a. beim oscar-nominierten Film "Revanche" und bei "360" mit Anthony Hopkins und Jude Law.

In Wels stellen das Programmkino und das Medienkulturhaus Buttingers Arbeit ins Rampenlicht. Von 22. bis 24. 9. sind Kostüme in einer Ausstellung zu sehen (Galerie der Stadt Wels), von 18. bis 24. 9. zeigt das Kino acht Filme, am 23. 9. hält sie einen Workshop im Nähladen Kraftstoff. Alle Infos: www.programmkinowels.at

 

 

 

 

 

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Artikel 15. September 2017 - 10:04 Uhr
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