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"Ich weiß nicht, was ein Künstler ist"

Der Wiener Maler Jürgen Messensee (79) stellt im Artemons in Hellmonsödt aus.

"Ich weiß nicht, was ein Künstler ist"

Jürgen Messensee: "Manchmal bin ich vom Ergebnis meiner Arbeit völlig überrascht." Bild: Weihbold

Im August wird der Wiener Maler Jürgen Messensee 80 Jahre alt. Sein Geist ist beneidenswert brillant, ebenso seine Vitalität. Und in seiner Schaffenskraft befruchten einander Erfahrung und Jugendlichkeit zu einer einmaligen Unverwechselbarkeit. Seit gestern stellt Messensee bei Herwig Dunzendorfer in der Galerie Artemons Contemporary in Hellmonsödt Werke aus der jüngeren Vergangenheit aus. Ein Gespräch mit einem Unangepassten.

 

OÖNachrichten: Herr Messensee, woher nehmen Sie diese Schaffenskraft?

Messensee: Ich habe keine Ahnung. Meine einzige Ideologie ist, dass ich liebe, was ich tue. Meine Vorstellungen korrelieren nicht mit dem, was gemeinhin gemeint ist. Meine Arbeit ist eine Methode meines Denkens. Ich bin kein Künstler, ich weiß nicht was das ist. Ich bin ein Nachdenker. Das berührt mich, es ist ein Geschenk.

Warum bestimmen Schönheit und Frauen Ihre Arbeit?

Die Natur ist halt so unbeschreiblich schön. Jetzt wird man sagen, na gut, ist halt ein Mann, und seine Steuerung ist halt so, deswegen gefallen ihm die Frauen am besten. Es wird schon so sein. Aber es geht nicht um Gefallen.

Sondern?

Mein Bezug auf die Welt, auf die Natur ist immer gegeben. Aus diesen Komponenten sind offenbar diese Bilder entstanden. Glauben ist gar nichts. Alles ist ungeheuer geheimnisvoll und auf einmal ist man selber das Geheimnis. Wir sind auf der Suche. Kunst erzeugt eine nicht gekannte Realität.

Sie gelten als Einzelgänger. Sind Sie einer?

Es ist mir eigentlich egal, was man über mich denkt. Ich treffe gerne Menschen. Aber nicht zu oft. Irgendwie wird da die Energie beschädigt.

Sie hassen "die Intellektuellen" – warum eigentlich?

Ich darf mich da gar nicht so auslassen, ich will ja niemanden beleidigen. Wenn man sieht, was für ein Unsinn in Folge völliger Unkenntnis und Talentlosigkeit – auch im intellektuellen Sinn – passiert, dann wird es schon heavy. Was da alles geredet wird – und es ist gar nichts wert.

Wie oft kommen Sie in den Genuss des Gefühls, ein Bild wirklich fertig gemalt zu haben?

Meine Arbeit verlangt mir schon einiges ab. Es ist so wahnsinnig schwierig zu verstehen, was zu tun ist. Und dann hat man so und so oft Resultate, bei denen man sehen kann, dass das Ergebnis der Sache schon sehr nahe kommt. Das ist ein sehr großes Glück. Dann empfindet man es für eine Sekunde als richtig. Es ist ein Seinszustand.

Sehen Sie sich also als Privilegierter?

Man darf es gar nicht laut sagen, heutzutage. Ich bin sehr demütig und voller Dankbarkeit. Und wenn dieses Sein beendet ist, kommt ein anderes. An den Tod glaube ich in keinster Weise.

 

Ausstellung: Jürgen Messensee, aktuelle Arbeiten, Galerie Artemons Contemporary – Kunsthalle in Hellmonsödt. Geöffnet jeweils Freitag bis Sonntag. Bis 9. April

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Artikel Helmut Atteneder 09. April 2016 - 00:04 Uhr
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