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"Ich bin noch immer am Suchen, am Hoffen, am Sehnen"

22 Jahre spielte Eugen Victor (81) am Linzer Landestheater. Ab 17. Jänner steht er in Felix Mitterers "Sibirien" in der Tribüne Linz auf der Bühne.

"Publikumsliebling" will er nie sein

Eugen Victor als Herr Aigner und Paula Kühn in "Sibirien" Bild:

Wenn irgendjemand sagt, die Jugend sei schlecht – überhaupt nicht! Gar nicht!!", sprudelt es aus Eugen Victor (81) heraus. "Ich bin sehr froh, dass ich auf meine alten Tage vor einem jungen Publikum spielen darf."

In der Tribüne Linz, wo er ab 17. Jänner in Felix Mitterers Monolog "Sibirien" zu erleben ist, sind zwei Drittel des Publikums Schulklassen. Als alter Herr im Pflegeheim gibt er "einen Kotzbrocken, einen widerlichen, aufbegehrenden, raunzenden alten Widerling. Ich finde es schön, dass Mitterer – für mich der bedeutendste österreichische Autor der Gegenwart – das Alter nicht verklärt."

Jugendlich blitzt es hingegen aus seinen Augen, erzählt er aus seinem Leben. "Nichts ist so schlimm wie Gewohnheit. Ich war 17 Jahre in Deutschland und fünf in der Schweiz. Ich habe immer dann gewechselt, wenn es dem Publikum am besten gefallen hat. Nichts ist so schlimm, wie als Publikumsliebling bezeichnet zu werden."

Die Bösewichte spielt er gern

Geliebt hat ihn nicht nur das Publikum am Linzer Landestheater, wo er 22 Jahre engagiert war. Mehr als 570 Rollen hat er in rund 11.000 Auftritten gespielt. "Ich habe in meinem ganzen Leben nur eine einzige Vorstellung abgesagt." Eine Disziplin, die er der Helmuth-Krauss-Schule in Wien verdankt. "Das war fast wie ein Kasernenhof. Unser Lehrer hat gesagt: ,Die einzige Entschuldigung für mich, wenn jemand nicht zum Dienst kommt, ist die Todesanzeige.’ Das war für mein ganzes Leben prägend. Diesen großen Respekt, den man vor diesem Beruf haben muss, diese Demut vor einer Leistung muss man sich erkämpfen. Das war immer mein Motto."

Bösewichte wie Jago und Mephisto spielt er gern. "Das Böse hat viele Gesichter, das Gute nur wenige. Man muss auch erkennen, warum jemand so geworden ist. Kein Mensch wird böse geboren. Ich bin in der Nazizeit aufgewachsen und weiß, was politische Einflussnahme bedeutet. Das soll keine Entschuldigung sein. Verbrechen bleibt Verbrechen." Entdeckt hat er seine Passion als Schüler: "Ich wollte eigentlich Tierarzt werden." Bis er in Sophokles’ "König Ödipus" auf der Bühne stand.

Auch ein Kabarett schrieb er in jungen Jahren – auf die russische Besatzungsmacht in Wien, was ihm zwei Tage Gefängnis einbrachte. "Ich habe Hitler erlebt und will keine Diktatur mehr, auch keine russische", erklärte er auf dem Revier. Und dass er Tschaikowsky, Puschkin, Tolstoi und Dostojewski liebe. Man ließ den 17-Jährigen ziehen.

Wie es ihm mit der aktuellen gesellschaftspolitischen Lage gehe? "Naja, ich bin nicht sehr glücklich. Aber geben wir ihnen eine Chance, zumindest die 100 Tage. Bekritteln wir nicht gleich alles in typisch österreichischer Art. Wir leben in einer Demokratie. Das Schöne ist, wir können diese Regierung jederzeit wieder abwählen."

Immer aktiv sein

In rund 120 Hörspielen, aber auch im Film ist Eugen Victor immer wieder zu erleben, etwa im Landkrimi "Der Tote am Teich" mit Josef Hader. "Ich liebe das Medium Film und Fernsehen sehr. Eine Großaufnahme sagt so unendlich viel aus. Das ist das Positive. Das Negative: Man hat nie einen Einfluss darauf, was herausgeschnitten wird."

Auch passive Ohnmacht im realen Leben ist nicht das Seine. "Was bringt mir das neue Jahr? Die Frage ist völlig falsch! Was bringe ich dem Jahr! Es muss immer aktiv sein – selbst mitmachen, sich einmischen, sich interessieren, zu verstehen versuchen und wenn nicht, zu fragen. Ich bin noch immer am Suchen, am Hoffen, am Sehnen", wie das Blitzen seiner Augen verrät.

Termine: 17., 25. 1.; 5., 9., 17. 2., je 19.30 Uhr; 21. 1., 25. 2., 17 Uhr, u. weitere;
Karten: 0699 11 399 844, www.tribuene-linz.at

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Artikel Karin Schütze 12. Januar 2018 - 07:35 Uhr
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