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"Hunde sind unsere Seelenverwandten"

Verhaltensbiologe Kotrschal über Mensch-Hund-Beziehungen Studien zeigen: Kinder werden durch Hunde sozialer und klüger.

Kurt Kotrschal

Der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal mit seiner Eurasier-Hündin Bolita. Bild: privat

"Menschen, die in Beziehung zu Hunden leben, fühlen sich nicht nur subjektiv wohler als Leute ohne Hund, sie sind auch tatsächlich aktiver, sozial besser vernetzt und gesünder, wie neue weltweite Studien zeigen", sagt Kurt Kotrschal, Professor an der Universität Wien, Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle Grünau und Mitbegründer des Wolfforschungszentrums in Ernstbrunn.

Sein jüngstes Buch "Hund & Mensch / Das Geheimnis unserer Seelenverwandtschaft" widmet Kotrschal dieser Erkenntnis. Die OÖNachrichten haben mit dem Verhaltensbiologen unter anderem über die Vorteile gesprochen, die Menschen aus ihrer Beziehung zu Hunden ziehen.

OÖNachrichten: In Österreichs Haushalten leben mehr Hunde (750.000) als je zuvor. Woher kommt das Bedürfnis des Menschen, mit Hunden zu leben?

Ich denke, das hängt damit zusammen, dass die Welt und das Leben immer komplexer werden. Die Menschen sind mit vielen Ängsten konfrontiert, viele haben prekäre Arbeitssituationen. Positive Gefühle kommen dabei oft zu kurz. Hunde befriedigen die Grundbedürfnisse des Menschen nach Zuwendung und danach, andere umsorgen zu wollen, perfekt. Wer seinen Hund gut behandelt, bekommt von ihm immer Zuneigung, egal wie er aussieht, welche Eigenheiten er hat oder wie viel er verdient. Das macht den Hund als Sozialkumpan so wertvoll für uns. Dazu kommt, dass die Beziehung zum Hund herrlich unkompliziert ist.

Studien beweisen, dass der Mensch auch viele gesundheitliche Vorteile durch das Zusammenleben mit Hunden hat. Welche sind das?

Hundefreunde wussten schon immer, dass diese Tiere ihre Besitzer glücklich machen. Aber nun ist bewiesen, dass Menschen, die mit Hunden zusammenleben, bei weitem seltener Depressionen erleiden. Das gilt ganz besonders für Senioren. Grund dafür ist, dass der Mensch Verantwortung für dieses Lebewesen übernimmt, er muss für sein Haustier sorgen und mit ihm spazieren gehen. Dadurch bleiben Senioren aktiv und knüpfen über den Hund immer wieder Kontakte mit anderen Menschen. Hunde dienen dem Menschen sozusagen als soziales Schmiermittel.

Ist das auch der Grund, warum in Schulen und sozialen Wohngruppen immer öfter Therapiehunde eingesetzt werden?

Natürlich, Hunde haben immer eine verbindende und beruhigende Wirkung. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass alleine die Anwesenheit eines Hundes in einer Schulklasse einen entspannenden Effekt auf alle Kinder hat – es reicht schon, wenn er nur da liegt. Der Hund hat dabei eine ähnliche Wirkung wie ein Spaziergang in der Natur, der entspannt und die Widerstandskraft stärkt. Wissenschaftlich nennt man das den Biophilia-Effekt.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Kinder, die mit einem Hund aufwachsen, intelligentere Erwachsene werden. Wie kann das sein?

Weil Hunde Kinder in vielerlei Weise fördern. Ein intensiver Kontakt zu einem Hund stärkt die emotionale, soziale, körperliche und geistige Entwicklung von Kindern. In Beziehung zu Tieren trainieren Kinder rascher und nachhaltiger ihr positives Verhalten, also die Fähigkeit nett, zuvorkommend, rücksichtsvoll und kooperativ zu sein. Aber auch Impulskontrolle, Disziplin, Arbeitsgedächtnis und Flexibilität üben Kinder durch den Kontakt zu einem Beziehungstier wie dem Hund.

Und was haben die Hunde vom Zusammenleben mit uns?

Zusätzlich zu regelmäßiger Nahrung und einem warmen Schlafplatz, den sie von uns bekommen, genießen sie das Zusammenleben mit uns, sofern wir sie gut behandeln. Studien beweisen, dass Hunde die Gesellschaft von Menschen jener ihrer Artgenossen vorziehen. Dies resultiert aus der jahrtausendelangen gemeinsamen Geschichte von Mensch und Hund, in der sich der Hund extrem an uns angepasst hat und zu unserem Seelenverwandten wurde.

 

"Hunde sind unsere Seelenverwandten"

Buchtipp: "Hund & Mensch", Kurt Kotrschal, Brandstätter Verlag, 24,90 €

 

Auftakt der neuen OÖN-Serie

Was haben die Astrologin Gerda Rogers, die ehemalige Moderatorin Chris Lohner, der Sänger Walterloo und die Ski-Cross-Weltmeisterin Andrea Limbacher gemeinsam? Richtig, sie sind Hundeliebhaber. Was diese Prominenten mit ihren bellenden Gefährten verbindet, lesen Sie in den kommenden Wochen.

Das erwartet Sie:
5. November: Die Ski-Cross-Weltmeisterin Andrea Limbacher ist seit 2015 stolze Besitzerin einer Australian Shepherd-Hündin: „Furi und ich sind unzertrennlich“, sagt Limbacher.

12. November: Hans Kreuzmayr, alias Waterloo, hatte in seinem Leben bereits viele Hunde. Derzeit teilen der Sänger und seine Frau Andrea ihr Leben mit dem Irischen Setter Maxi.

19. November: Die Moderatorin Chris Lohner liebt ihren Cairn Terrier Shirley heiß und innig. Wenn sie mit ihrem aktuellen Kabarettprogramm unterwegs ist, passt die Astrologin Gerda Rogers auf Shirley auf.

 

Die 8 beliebtesten Hunderassen

Knapp 50.000 Hunde sind laut Statistik des Gesundheitsministeriums in Oberösterreich angemeldet.
Mit Abstand am beliebtesten sind Mischlinge.

1. Bei den reinrassigen Hunden ist die eindeutige Nummer eins klein, lebhaft, selbstbewusst und gelehrig: der Chihuahua.
Gute Erziehung ist bei diesen Winzlingen ebenso wichtig wie bei großen Hunden.

2. Ein ganz anderes Kaliber ist der Zweite in der Rangliste, der Deutsche Schäferhund. Er erfreut sich seit vielen Jahren weltweit großer Beliebtheit. Diese Rasse ist arbeitsfreudig, kämpft jedoch oft mit gesundheitlichen Problemen.

3. Nummer drei im Beliebtheits-Ranking ist der Malteser, ein kleiner, kluger und fröhlicher Begleithund, der nicht allzu viel Bewegung braucht. Er eignet sich bestens für Familien und Senioren, die in der Stadt wohnen.

4. Den vierten Platz teilen sich der Golden Retriever und der Labrador. Die Vorfahren des Labradors stammen von der kanadischen Ostküste. Namensgebend ist die Labrador-Halbinsel. Diese Rasse zählt zu den Apportierhunden.

5. Der fünfte Platz gehört dem Yorkshire Terrier. Er ist eine Frohnatur mit klugem Kopf und starkem Willen. Der „Yorky“ wird zwar oft als Handtaschenhund bezeichnet, braucht aber unbedingt seinen Auslauf.

6. Ständig wachsender Beliebtheit erfreut sich der Mops. Diese Rasse gilt als sanftmütig, fröhlich und gelassen. Wegen ihrer oft extrem kurzen Nase leiden viele Möpse unter großen Atemproblemen.

7. Der Beagle wurde ursprünglich zur Hasenjagd verwendet. Heute ist er ein Familienhund, der anpassungsfähig, gesellig und verträglich ist. Der passionierte Jagdhund braucht konsequente Erziehung.

8. Pudel gibt es in vielen Farben und Größen. Schon in der Antike waren sie oft Begleiter edler Damen. Diese Rasse gilt als intelligent, anhänglich und verspielt. Der Pudel ist ein leicht erziehbarer Gefährte.

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Artikel 29. Oktober 2016 - 00:04 Uhr
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