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"Humor ist eine komplizierte G’schicht"

Kabarettist Gunkl über die Gefahr hinter "Game of Thrones" und sein neues Programm.

"Humor ist eine komplizierte G’schicht"

Das Menschsein ganz allgemein, aber auch ganz konkret beleuchtet Gunkl in seinem neuen Programm. Bild: Robert Peres

"Zwischen Ist und Soll – Menschsein halt": Wer nicht genau versteht, was Kabarettist und "Experte für eh alles" Gunkl alias Günther Paal damit meint, kann am 5. Oktober bei der Oberösterreich-Premiere seines neuen Programms im Linzer Posthof dazulernen.

 

OÖN: Sie sind für Ihren sehr gezielten, aber exzessiven Einsatz von Fremdwörtern bekannt. Was macht denn die Erotik von Fremdwörtern aus?

Gunkl: Ich verwende Fremdwörter nicht zum Selbstzweck, sondern weil halt gewisse Sachverhalte mit einem Begriff zusammengefasst werden und das eine elegante Art ist, sich mitzuteilen, wenn man Phänomene nicht im Detail schildern muss. Wenn es einen Namen gibt, dann sagt man das.

Lernen Sie noch jeden Tag neue dazu?

Nein, ich lebe ganz normal (lacht) und aufmerksam. Manchmal begegnet mir ein Begriff, den ich schön finde – weil ich es elegant finde, dass dieses Ding einen Namen hat. Das hat in der Volksschule begonnen. Wenn man Micky Maus liest, hieß es, verblödet man. Meine Eltern waren aber großzügig, wir durften das lesen. Da stand das Wort "Halluzination" drin. Ich kannte das nicht, mein Vater hat gesagt: "Halluzination, das ist, wenn man etwas sieht, das nicht da ist." Ich war fasziniert. Dass es da ein Wort gibt, das fand ich wunderbar.

Bei Ihren Programmen kommen sehr viele Gedanken in kurzer Zeit auf einen zu. Wie gehen Sie das beim Schreiben an, dass die Zuschauer Ihrem Tempo auch folgen können?

Ich achte immer darauf, dass man alles verstehen kann, was ich sage. Beim Schreiben habe ich zwei Aufgaben zu erfüllen. Erstens Gedanken zu formulieren, Phänomene zu erkennen und auf ihre Grundlagen zurückzuführen – wie kann es dazu kommen, dass etwas passiert. Das Zweite ist, das so zu formulieren, dass es verständlich ist. Da muss ich manchmal deutlicher werden, als ich es beim Gespräch über den Tisch bin. Überdeutlich, aber nicht fad. Aus anderem Winkel, aber unterhaltsam.

"Zwischen Ist und Soll – Menschsein halt" heißt das neue Programm. Was sagt uns das?

Wie der Mensch ist, ist er nicht nur ein Zustand, sondern was ihn auszeichnet, ist, dass er immer etwas will. Ob er sich ausgesucht hat, das zu wollen, ist jetzt einmal wurscht. Tatsache ist, dass der Mensch immer etwas tut, um das, was er vorfindet, zu verändern. Er glaubt, dass das, was er macht, dazu führt, dass es dann besser ist. Im Ist sind Steine und Bäume. Die unbelebte Natur. Der Mensch ist damit befasst, sich in einem Ist zu finden und dann etwas daran verändern zu wollen. Dieser Weg, dieser Unterschied, dieser Gradient ist das, was den Menschen auszeichnet, das ist schön und problematisch.

Wie wünscht man sich ein Publikum?

Aufmerksam, bereit und nicht überlustig ohne Anlass. Wenn alle kommen und "hahaha", alle lachen ohne Anlass, dann denk ich mir, da werden wir es aber schwer haben, dass ich euch etwas erzähle. Denn auch der Humor ist etwas, das zwischen Ist und Soll passiert. Das erfordert eine gewisse Denkarbeit – das Ist zu erkennen, das Soll zu erkennen und den Unterschied und was an dem Unterschied lustig ist, als lustig zu erkennen. Humor ist eine komplizierte G’schicht – wenn man es sich überlegt. Wenn jemand aber so lacht, ohne dass das Ist beschrieben, das Soll formuliert und der Unterschied benannt ist, dann denkt man sich: "Da hamma’s aber jetzt nur lustig", aber nicht wirklich, weil das, worin Humor besteht, geschwänzt wird.

Welche TV-Serien haben es Ihnen angetan?

Was ich mir nicht anschau, ist "Game of Thrones". Da habe ich erst bei Staffel 2 Folge 7 reingeschaut, da haben sich irgendwelche Menschen hingebungsvoll geschlachtet. Das ist schon einmal etwas, wo ich mir denke, das muss ich nicht unbedingt sehen. Und dann hat mir ein Freund, ein hochintelligenter Mensch, zu erklären versucht, worum es geht. Ich bilde mir ein, ich bin auch kein Depp, aber wer da jetzt warum, wem, mit welchen Räubereien und Erbschaften und vermuteten Drachen... – ich hab nach zehn Minuten gesagt, das wird nichts mehr.

Zwischen Vergewaltigung und Verstümmelung...

Was eine Gesellschaft prägt, sind zu einem sehr großen Teil die Geschichten, die sich eine Gesellschaft erzählt. Bei den Geschichten sind es nicht so sehr die Ereignisse als eben auch da die Grundlagen. Es gibt Filme, wo jemand umgebracht wird, und das ist ein Rückschlag für die Gesellschaft. Wenn jemand umgebracht wird, ist das etwas ganz Entsetzliches, weil das nicht geht, dass man jemanden umbringt. Es gibt aber so Filme, da bringt man jemanden um, so wie wenn man eine Milch kaufen geht. Diese Idee, dass das Menschenleben nicht das höchste Gut ist, das wir haben, dass das Umbringen einfach eine Methode ist, um etwas zu erreichen, was man will, wie es bei diesen Serien ist, ist etwas, was ich für hochgefährlich halte.

 

OÖ-Termine: 5.10. Posthof, Linz, 10.10. Atrium, Bad Schallerbach, 6. 2. Salzhof, Freistadt

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Artikel Julia Evers 14. September 2017 - 00:04 Uhr
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