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Hinreißend erzählte Musikgeschichten

Die elf Konzerte beim 31. Kaleidophon in Ulrichsberg waren ein voller Erfolg.

Wenn ein elektronischer Loop quasi im Raum hängt, ganz zart wie durch einen Fingerzeig moduliert wird, dazu Gitarre und Klavier ökonomische, aber höchst treffsichere Kommentare abgeben, das Publikum gebannt lauscht und am Ende kräftig applaudiert, dann ist man bei Katharina Klement und Martin Siewert bei der mittlerweile 31. Edition des Ulrichsberger Kaleidophons.

Sparsame elf Konzerte hat Veranstalter Alois Fischer auf die Bühne des Jazzateliers gestellt. Das Programm ist geprägt von Vielfalt und dem Verzicht auf stilistische Einschränkung, wesentlich erscheint das Lebendighalten der Klänge jenseits des Mainstreams im Schnittfeld von Jazz, Neuer Musik und freier Improvisation.

Von Rock bis Free Jazz

International sind sowohl die Mitwirkenden als auch die Zuhörer, die schon seit vielen Jahren in großer Zahl den Weg ins oberste Mühlviertel finden. Musikalisch wurde durch die Bank Qualität geboten, auf einige herausragende Dinge sei hingewiesen, so zum Beispiel etwa auf das neben Klement und Siewert zweite Duo: Der deutsche Gitarrist Olaf Rupp beeindruckte im fintenreichen Dialog mit dem Drummer Rudi Fischerlehner, ein Alberndorfer mit Wohnsitz in Berlin. Das kann ziemlich laut werden, hat eine schöne Energie, nimmt Bezug auf die Rockmusik ebenso wie auf den Free Jazz, ist unprätentiös und unmittelbar zugänglich.

Ein Quintett aus drei Kontinenten zelebrierte das freie Spiel der Kräfte aufs Vortrefflichste. Der Geiger Phil Wachsmann, Trompeter Nate Wooley, Klarinettist Floros Floridis, Pianist Sten Sandell und Drummer Paul Lytton spielen sich Bälle souverän zu, ihre Erfahrung erstarrt nie in Routine, hat immer Feuer und Esprit. Der Schwede Sandell beschert dann am Schlusstag als Solist eine Sternstunde. Er verknüpft Feinsinnigkeit mit spektakulärer Wucht, verbindet die Klassik des 20. Jahrhunderts mit dem Jazz von Cecil Taylor und Irène Schweizer. Bei Sandell passen überragende Virtuosität und Musikalität gut zusammen, er unterhält, bringt Innovation, ohne belehrend zu sein. Am Ende trifft das Trio Papajo noch auf die New Yorker Vokalikone Shelley Hirsch. Stimmgewaltig, einfallsreich schöpft sie aus dem Moment, dadaistischer Witz, lyrische Sprachfetzen kennzeichnen ihre Beiträge. Im Quartett zitieren sie aus der Musikgeschichte, kooperieren vortrefflich, zeigen ebenso Verbundenheit wie individuellen Eigensinn. Ganz famos.

Jazz: 31. Ulrichsberger Kaleidophon im Jazzatelier, 5. bis 7. Mai.

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Christoph Haunschmid 09. Mai 2016 - 00:04 Uhr
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