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Herr Rossi sucht das Glück in der Rock’n’Roll-Pension

Seit 50 Jahren tourt Francis Rossi (67) mit Status Quo durch die Welt, schrieb Welthits und feierte Erfolge. Jetzt spielt die Band, die 120 Millionen Tonträger verkaufte, die Tour "Last Night of the Electrics". Am 30. Juli stoppen die Briten ein letztes Mal auf dem Linzer Domplatz – präsentiert von den OÖN.

Herr Rossi sucht das Glück in der Rock’n’Roll-Pension

Am 30. Juli ist es so weit: Francis Rossi und Status Quo gastieren auf dem Linzer Domplatz – zum letzten Mal mit elektrischen Gitarren. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Vor zwei Jahren war Status Quo auf der "Tour, die niemals endet", doch scheint die Band doch zu einem Ende zu kommen. Was ist die Grund, dass Du deine grüne Gitarre zur Seite hängst?

Francis Rossi: Da gibt's viele Gründe. Der Hauptgrund ist sicherlich, dass wir älter werden und die Shows immer anstrengender, physisch härter für uns werden. Das merke ich nicht während des Konzerts, sondern danach. Ich weiß nicht, ob Rick aufhören möchte, aber ich muss. 

Aber wer dich auf der Bühne bei "Whatever you want" sieht, wenn Du und Rick springen wie junge Burschen, könnte meinen, ihr seid fit genug...

Ich muss auch viel dafür tun. Und doch: Ich hab Knieprobleme und spüre überall das Älterwerden. Irgendwie ist's auch lustig: Ich habe Sportverletzungen von der Musik, von den Konzerten. Ich weiß, das ist ein Widerspruch, aber genau so ist's. Natürlich: Wenn Du mit Status Quo auf Tour bist, erwarten die Fans, dass wir hüpfen. In den Neunzigern war das ja auch kein Problem, aber jetzt. 

Wir haben uns das Herumspringen bei den Stars in den Fünzigern, in unserer Jugend, abgeschaut. Little Richard und Jerry Lee Lewis - da war immer viel Energie in den Shows. Und als ich dann da oben auf der Bühne gestanden bin, hat plötzlich das Knie, dies und das weh getan. Ich weiß, das will niemand hören, denn das Showbusiness vermittelt ja, dass alles in Ordnung ist. Aber das ist es nicht. 

Vor kurzem hat jemand eine Videokassette stecken lassen, darauf hab ich dann einen Comic gesehen, in dem sich alte Männer Gitarren umhängen und die Lippen anmalen.  Manchmal denke ich mir, das ist in Okay. Dann, nächsten Tag: Was für Idioten! Wie bei Mick Jagger und Keith Richards. 

Manche Menschen zählen die Tage, bis sie in Pension gehen. Zählst Du dir Konzerte?

Ja, wirklich! Aber das meine ich weder positiv noch negativ. Langsam dämmert's nämlich, dass ich auf Tour bin, seit ich 13 war, und das Ganze jetzt zu Ende geht. 

Was macht ihr nach dem 23. Dezember, dem letzten Konzert der "Electric" Area"?

Status Quo wird nicht verschwinden. Ich werde ein Soloalbum mit Alan Carr aufnehmen, der schon bei der Aquostic-Tour dabei war. Soweit ich gehört habe, wird Rick wieder mit "Rock Meets Classic" auf Tour gehen. Ich mag das ja nicht, aber Rick steht drauf. Und dann reden wir noch über ein Status Quo-Musical. Über dieses Projekt diskutieren wir ja schon seit Jahren, dass wir's anpacken, wenn wir nicht mehr auf der Bühne stehen. Vielleicht sind da aber auch noch andere Projekte, von denen wir jetzt noch keine Ahnung haben. Vor ein paar Jahren sind wie nach Weihnachten zusammengesessen und haben über einen Kinofilm sinniert - und plötzlich lief der Film ("Bula Quo", Anm.). Das war zwar nicht das Beste, das wir je gemacht haben, aber wir haben's getan. 

Status Quo geht 2017 aber auch auf Kreuzfahrt - mit Aquostic 2. Allerdings in Australien. Wäre eine Kreuzfahrt irgendwo rund um Europa für euch auch denkbar?

Ich weiß es wirklich nicht. Wir haben von Motörhead, als Lemmy noch am Leben war, gehört, dass die Band solche Kreuzfahrten in der Karibik für den US-Markt macht. Die Musikindustrie sucht nach solchen Projekten, mit denen sie Geld verdienen kann. Denn die Plattenlabels verkaufen ja schon lange nicht mehr so viele Tonträger, wie sie eigentlich müssten. Darum fehlt uns jetzt das Geld, um solche Projekte wie Kreuzfahrten zu finanzieren. Derzeit sage ich nein, aber drei Wochen nachdem ich den Telefonhörer aufgelegt habe, kommt jemand und sagt: Was für eine großartige Idee.

Wie alle anderen auch, brauchen wir ein Einkommen. Für uns, unseren Lebensstil, unsere Kinder. Typisch für die Bands in den Siebzigern, Achtzigern waren die Scheidungen, die Alkoholprobleme, die Drogenprobleme, die Flugzeuge, die Häuser - alle glaubten, wir brauchen für all das kein Geld. Im Showbusiness täuschen ja alle vor, dass alles in Ordnung ist. Aber das ist es nicht. 

Vorige Woche haben wir ein Konzert gespielt - eines der besten der letzten Jahre - und ich weiß nicht, warum. Das ist wie Sex. Ich jedenfalls suche immer nach diesem goldenen Moment. 

Kurz bevor ihr 2014 in Dublin zum letzten Konzert der Frantic Four-Tour (Status Quo-Originalbesetzung) auf die Buhne gegangen seid, würdest Du gefragt, ob dies ein spezieller Moment sei. Und Du hast kurz geantwortet: Nein! Ist die "Last Nights of the Electrics" eine besondere Tour?

Nein. Denn: Niemand stirbt. Wir kommen ja wieder und machen etwas mit Gitarren. Zwar keine elektrischen, aber es wird ähnlich sein zu dem, was wir jetzt tun - mit denselben Leuten in der Band. Ich glaube Rick möchte weiter mit dem Publikum gröhlen, ich finde das ein wenig pathetisch. Ich bin lieber daheim und genieße die Zeit mit meinen Kindern. Abgesehen davon: Wenn ich im letzten Konzert etwas Spezielles mache - was ist dann mit all den anderen Konzerten davor, für die die Leute Geld bezahlt haben? Alle Gigs sind speziell. 

Die Setlist eurer "Electric"-Tour: Dürfen wir uns auf das Beste aus 50 Jahren Status Quo freuen?

Ja, sicherlich. Aber verschiedene Fans werden darüber unterschiedlicher Meinung sein. Aber ja, es sind unsere besten Songs. 

Unser OÖN-Musikkritiker Ali Grasböck schrieb noch 1984, dass das Status Quo-Konzert im Februar 1978 in der Linzer Sporthalle das beste Konzert seit Jahren war - und sicherlich auch noch in den darauffolgenden Jahren sein würde. Hatte Quo in den Siebzigern tatsächlich die beste Zeit?

Nein. Aber ich verstehe, dass Fans dieser Meinung sind. Wie auch Rick, Alan Lancaster und John Coghlan (Gründungsmitglieder). Sie wünschen sich die Siebziger zurück. Ich mag die Musik, die wir jetzt machen, ich mag die Musiker Andy, John und Leon (Andy Bown, John "Rhino" Edwards und Leon Cave, Anm.). Schön, dass das Konzert in Linz gefallen hat, aber da gibt's auch welche, die anderer Meinung sind.

Status Quo spielte in 50 Jahren geschätzte 4000 Konzerte. Erinnerst Du dich an Auftritte in Österreichs?

Es ist lustig, denn ich erinnere mich genau an dieses Linz-Konzert, denn meine Frau war mit und wir waren mit einem Chauffeur namens Joe-Siegfried unterwegs. Wir haben ihn Schnuffi genannt. Ein großer, mächtiger Mann. Wir haben das Konzert gespielt und danach hat's stark geschneit. Ich wollte unbedingt, dass es uns einschneit - das habe ich mir sehr romantisch vorgestellt, wie in einem Disney-Film.

Und noch etwas: Normalerweise stoppen wir ja nicht an Autobahnraststätten, aber vor rund zehn Jahren haben wir's in Österreich gemacht. An euren Raststätten gibt's das beste Essen, ehrlich. In Deutschlan und Spanien schmeckt' auch noch, aber in England - oh Gott.

Ach ja, vor wegen Essen: Nicht nur in Österreich haben wir jeden Tag Wiener Schnitzel bekommen. Ich kann's nicht mehr essen, ehrlich. 

Ich erinnere mich auch noch als wir 1976 eine Nacht in Wien im Gefängnis saßen.  Wir sind direkt aus Amerika gekommen und es war Usus, dass man ohne Handgepäck nur den Boardingpass herzeigen musste und einfach durch die Security gehen kann. Das war überall so - nur nicht in Wien. Einer der Security-Männer hat Alan aufgehalten (Der dann zuschlug, Anm.). Ich dachte noch: Lass ihn einfach durchgehen, doch er hat ihn aufgehalten. Die Nacht im Gefängnis war eine fürchterliche Erfahrung. 

Du hängst deine grüne Telecaster, dein Markenzeichen, zum Jahresende an den berühmten Nagel. Was machst Du mit der Gitarre? Einem Museum schenken, dem Hard Rock Café überlassen oder bei dir daheim in den Kleiderschrank stellen?

Derzeit steht sie bei mir im Eck. Ich hatte in den letzten Jahren viele technische Probleme mit ihr. Es ist nicht jene Gitarre, die sich am besten spielen lässt, da habe ich andere. Aber sie gehört zu unserer Show dazu. Darum: Ich behalte die Telly erst einmal.

 

O-Ton:

Über die Hintergründe die grüne Gitarre an den Nagel zu hängen bzw. eines möglichen Endes von Quo?

 

Über Fitness, Schmerzen, Bands der 90er und Vorbilder aus den 50ern bzw. Spinal Tap-Parallelen

 

Über die anderen Projekte und die musikalische Legacy von Quo

 

Warum das letzte „Strom-Konzert“ für ihn ein Konzert wie jedes andere sein wird?

 

 Auch wenn für manche Fans das 78er Konzert in Linz das beste war will er nicht zurück in die 70er

 

Seine Erinnerungen an Österreich?

 

Über die derzeitige politische Lage in Europa?

 

Über seine persönlichen nächsten 20 Jahre

 

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Artikel Carsten Hebestreit 21. Juni 2016 - 00:04 Uhr
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