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Happy Birthday, Iggy Pop! 

Der "Pate des Punk" feiert heute seinen 70er. 

Der „Pate des Punk" feiert heute seinen 70er Bild: Reuters

Er ist die fleischgewordene Verkörperung von Sex, Drugs und Rock'n'Roll: Iggy Pop! Mit den „Stooges“ war er Punk, bevor überhaupt Punk existierte, für seinen Kumpel und Mentor David Bowie schrieb er den Hit „China Girl“, sein Knaller „Lust for Life“ veredelte den „Trainspotting“-Soundtrack – heute feiert der „Pate des Punk" seinen 70. Geburtstag. Seinen Ehrentag begeht der für seine Eskapaden Berüchtigte denkbar untypisch. „Wahrscheinlich werde ich mit meiner Frau zu Abend essen, bei gedämmtem Licht, wo wir nah beieinander sitzen können. Und wenn ich Glück habe, gehe ich an den Strand. So stelle ich mir eine wilde Zeit vor", verriet er kürzlich dem „Rolling Stone“. 

Geboren wurde Iggy Pop 1947 als James Newell Osterberg in eine ärmliche Wohnwagensiedlung in Ann Arbot (Michigan) hinein. „Es war wahnsinnig klein und ich habe erst später realisiert, was mir das beigebracht hat", sagte er der „New York Times". „Ich habe Harmonie mit anderen Menschen gelernt und das war essenziell. Erst als ich in die große Welt hinausging, habe ich realisiert, dass die nicht so ist." Mit 20 gründete Iggy - der Spitzname geht übrigens auf seine Highschool-Band The Iguanas zurück - gemeinsam mit den Brüder Ron und Scott Asheton sowie dem Bassisten Dave Alexander The Stooges. 

Die Musik? Laut, dilettantisch - und genial! Während seine Mitstreiter rohen, primitiven Rock’n’Roll mit mehr Energie als Finesse spielten, kreischte Iggy dazu selbstquälerisch und angstgetrieben wie ein verunglückter Mick Jagger. Seine wilde Bühnenshow verschaffte ihm Kultstatus: Er schlug sich mit einer zersplitternden Flasche auf die Brust, robbte pudelnackt durch die Splitter, erbrach sich regelmäßig, und taumelte blutend von der Bühne. „Die perfekte Hintergrundmusik für eine Auspeitsch-Party“ witzelte damals eine US-Zeitung. Die Stooges waren der bissige, nihilistische Gegenentwurf zu den Hippies. 

Heute gelten die drei Studioalben der Band - „Stooges“ (1969), „Fun House“ (1970) und „Raw Power (1973) – als legendäre Meisterwerke des Rock’n’Roll und Proto-Punk. Bei Erscheinen waren die Reaktionen von Fans und Kritikern aber überschaubar. 1974 löste sich die Band auf, und Iggy ging auf Entzug. „An vieles erinnere ich mich nicht mehr“, erzählte er Jahre später über diese turbulente Zeit: „Manchmal wachte ich morgens auf mit einem Brummschädel, blutigen T-Shirt und etwas Grünen, das aus meinem Penis rann.“ Erst David Bowie riss Iggy Pop aus dem ewigen Hin- und Hertorkeln zwischen Exzess und Entzug. In West-Berlin produzierte er Pops erste beiden Soloalben „The Idiot“ (mit dem späteren Bowie-Hit „China Girl") sowie „Lust For Life" (inklusive des Gassenhauers „The Passenger") und verhalf ihm so zu einer ordentlichen Karriere-Renaissance. Den ganz großen Erfolg landete Pop dann im Jahr 1987 mit seiner Cover-Version von „Real Wild Child". Es war seine erste Top-Ten-Platzierung. 

Bis zum heutigen Tag hat Iggy Pop 18 Soloalben veröffentlicht, die in unterschiedlichster Qualität seine Themen-Trias aus Einsamkeit, Weltschmerz und Liebessehnsucht verhandeln. Ab 2003 reformierte er sogar die Stooges und nahm zwei weitere, allerdings über weite Strecken vernachlässigbare Alben auf. Dass er aber kein Eitzerl von seiner künstlerischen Potenz verloren hat, bewies der leidenschaftliche Golfspieler nachdrücklich mit dem im März 2016 veröffentlichten Solo-Album „Post Pop Depression“, das alte und neue Fans ebenso begeisterte wie die Kritiker. 

Bescheiden sind die Zukunftswünsche, des seit einigen Jahren in dritter Ehe Verheirateten: „Ich erwarte nicht, dass ich bald ein neues Album machen werde, aber vielleicht kann ich etwas singen, sprechen oder schreiben. Ich möchte einfach weiter arbeiten und auf diese Welt um mich herum reagieren, es genießen, Zeuge dieser wunderschönen Erde zu sein. Ich mag die Natur. Und ich hoffe, dass ich für die Menschen, die auf mich angewiesen sind, von Nutzen sein kann."

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Artikel Von Lukas Luger 21. April 2017 - 06:00 Uhr
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