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Gruberová: Standing Ovations für die Königin des Belcanto

Die Koloratursopranistin begeisterte mit den Nürnberger Symphonikern im Brucknerhaus.

Edita Gruberová: Standing Ovations für die Königin des Belcanto

Eine Dienerin der Musik: Edita Gruberová. Dirigent Peter Valentovic hatte den Abend gut im Griff. Bild: Winkler

Die Meisterin des Belcanto-Gesangs, die Königin ihrer Disziplin, Edita Gruberová, war zu Gast im Brucknerhaus und begeisterte ein gut gefülltes, aber nicht ausverkauftes Haus. Mit dabei die Nürnberger Symphoniker unter Peter Valentovic, der den Abend gut im Griff hatte und die zwischen den Arien eingestreuten Ouvertüren zu Rossinis "Barbiere", zu Donizettis "Don Pasquale" und "Roberto Devereux" sowie zu Bellinis "Norma" fein nuanciert und doch effektvoll musizieren ließ.

Die pure Lust des Zuhörens

Der Star des Abends war natürlich Edita Gruberová, die wie in jedem ihrer Auftritte eine Lehrstunde im Belcanto-Gesang gab. Es ist faszinierend, wie selbstverständlich sie diese Musik interpretiert, wie glasklar sie immer noch intoniert und mit welch unerschütterlicher Technik sie die Schwierigkeiten dieser Musik zugunsten höchster Emotionalität vergessen lässt. Es gibt keine Passage, die wackelt oder – vielleicht bis auf die doch nicht mehr ganz so leicht aus dem Zwerchfell gestemmten Spitzentöne – angestrengt wirkt.

Es ist einfach pure Lust zuzuhören, und man wird dabei noch mit stilistischer Perfektion beschenkt, als hätte sie einen spiritistischen Draht zu den Komponisten dieser Musik und wüsste von daher ganz genau, dass es nur so gehen kann. Das beeindruckt, lässt beinah demütig staunen, und dennoch kommt man bei jedem ihrer Auftritte in Wehmut. Denn sie ist nicht nur die uneingeschränkte und unumstrittene Königin des Belcanto, sie ist auch ein vokaler Dinosaurier, eine Vertreterin einer langsam aussterbenden Kunst. Denn wo sind die Nachwuchs-Gruberovás?

Es gibt viele gute Sängerinnen, doch keine kommt an diese Perfektion heran. Eine Perfektion, die sicherlich auf einer gottbegnadeten Stimme und einer ebenso gegebenen überbordenden Musikalität basiert, die aber ohne unermüdliches Training, ohne bedingungslose Selbstdisziplin und hingebungsvolle Ehrlichkeit der Musik gegenüber undenkbar wäre. Sie versteht schon, sich in Szene zu setzen, gekonnt mit kleinen Gesten ihre unangefochtene Stellung noch zu unterstreichen, aber dennoch ist sie im innersten Dienerin einer größeren Sache: nämlich der Interpretation eines der schwierigsten Vokalrepertoires. Anders lässt sich eine Wahnsinnsszene aus Donizettis "Lucia di Lammermoor", die wie üblich vom Publikum klatschend unterbrochen wurde, gar nicht singen. Auch nicht die große Szene der Elisabetta im ersten Akt von Donizettis "Roberto Devereux". Nicht minder großartig Auszüge aus Bellinis "Norma" und "La Straniera". Dass sich hier Edita Gruberová zuhause fühlt, ist nichts Neues. Die nach dem "Intermezzo sinfonico" aus Mascagnis "Cavalleria rusticana" als Zugabe gesungene Arie der Liu, "Signore, ascolta" aus dem ersten Akt von Puccinis "Turandot", war allerdings gesangstechnisch der absolute Höhepunkt. Nur allein für dieses grandiose hohe B im absoluten Pianissimo hätte sich der Besuch gelohnt.

Vergleichbares bekommt man heute so gut wie nicht mehr zu hören – dazu fehlt schlicht und einfach das Können.

Brucknerhaus: Arienabend mit Edita Gruberová und den Nürnberger Symphonikern unter Peter Valentovic, 18.11.

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Michael Wruss 20. November 2015 - 00:04 Uhr
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