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"Für viele war der Gulda ja nur ein verrückter Klavierspieler“

Am 27. Jänner jährt sich der Todestag von Friedrich Gulda zum 16. Mal. In seinem Heimatort Weißenbach am Attersee wurde er lange ignoriert. Eine Spurensuche.

Friedrich Gulda, Pianist von Weltformat, Komponist, Jazzmusiker, Enfant terrible und Mozart-Liebhaber Bild: privat

An dieses Bild mochten sich die Weißenbacher nur langsam gewöhnen: Ein dreckiger, roter Ferrari steht an der schmalen Forststraße beim Steinecker, hoch über dem Attersee. Ein älterer Mann mit bunter Kopfbedeckung ist ausgestiegen, er sitzt auf einem Bankerl und stiert unbeweglich hinunter auf das tiefblaue Gewässer. Es ist Friedrich Gulda, der begnadete Pianist, der Mozart so interpretieren konnte wie kaum ein anderer. Und der Mozart so liebte, dass er just am Geburtstag des Wunderkinds, am 27. Jänner (2000), 69-jährig gestorben ist. "Wenn ich einmal stirb’, dann sitz’ ich mit dem Mozart auf einer rosa Wolke und spiele mit ihm Klavier", pflegte Friedrich Gulda zu sagen.

Ferrari-Fahrer Gulda

 

In Weißenbach am Attersee, wo er rund ein Vierteljahrhundert gelebt hat, wurde er bei vielen mit Kopfschütteln registriert. "Für die Gemeinde war der Gulda ja nur ein verrückter Klavierspieler. Aber er war ein Genie und einem Genie verzeiht man alles, weil ein Genie eben ein Genie ist", sagt Karl Trucker.

Der Nachbar des Pianisten kam dem launigen, kettenrauchenden Künstler – der einmal sogar seinen Tod vorgetäuscht hat – so nahe wie kaum ein anderer. Gulda winkte den heute 85-jährigen Goldschmied oft zu sich ins Studio in den Riedlhof herein und spielte ihm vor. "Kum eina und hör dir das an. Was sagst dazu?" Der Pianist spielte auch bei den Truckers hin und wieder Klavier und Orgel. Noch heute steht ein Piano – auf Guldas Empfehlung gekauft – im Wohnzimmer. Gute Nachbarn seien sie gewesen, für Freundschaft war es zu wenig, sagt Karl Trucker. Trotzdem hat er seinem Nachbarn ein kunstvolles Grab gestaltet. Karl Trucker ist es auch zu verdanken, dass es heute in Weißenbach einen Friedrich-Gulda-Weg gibt.

So aufbrausend und unberechenbar Gulda sein konnte und deswegen bei Künstlern und Konzertveranstaltern gefürchtet war, so anpassungsfähig war er im Ort. Einmal tauchte er bei Kapellmeister Johann Resch auf: "Kann ich bei euch mitspielen?" Dessen Vorgabe "G’miatlich muass sein" akzeptierte Gulda und war fortan Mitglied des Musikvereins. Trotzdem musste er immer wieder neue Quartiere und Probenräume suchen, weil er wieder einmal ob seiner, sagen wir, direkten Art der Meinungsvermittlung hochkant hinausgeflogen war.

Friedrich Guldas Lebensgefährtin bis zum Tod, Ursula Anders, lebt heute noch im oberen Stockwerk in Guldas Haus. Sie verwaltet den Nachlass – sehr zum Missfallen von Guldas Söhnen Rico und Paul, beide ebenfalls berühmte Pianisten.

Guldas Lieblingsplatz in Weißenbach

 

Vier Bücher hat sie herausgegeben, darunter einen Bildband und ein Buch mit handschriftlichen, lückenlosen Notizen von seinem ersten Konzert am 5. Oktober 1946 bis zu seinem letzten, einem Solo-Abend im Musikverein, am 4. November 1999.

Ursula Anders hat Gulda am 27. Jänner 2000 tot in seinem Bett gefunden. Sie ist davon überzeugt, dass sie trotz der vielen Amouren ihres Lebensgefährten – von dem sie immer in der dritten Person spricht – die Frau seines Lebens war: "Der Gulda hat in Anspielung auf Mozart immer zu mir gesagt: Du bist meine Konstanze."

 

Welche Künstler sich noch vom Attersee inspirieren ließen

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Artikel Helmut Atteneder 25. Januar 2016 - 00:05 Uhr
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