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„Für mich ist der Bau einer Mauer ein Symbol des Scheiterns“

Crossing Europe: Natalie Hallas größte Leidenschaft ist es, mit Filmen auf soziale Randlagen aufmerksam zu machen.

Seperated

Screenshot aus "Seperated" Bild: Crossing Europe

Für ihren Film „Separated“ erforschte die Regisseurin und dreifache Mutter, 37, das Leben an der Mauer zwischen Israel und Palästina, an den „Roma“-Mauern in der Slowakei und an einem Sandwall in der Westsahara, wo 25 Millionen Landminen vergraben sind. Österreichpremiere ist am Samstag, 27.4. (18 Uhr, Ursulinensaal).

OÖNachrichten: Sie sind gebürtige Linzerin und leben in Spanien. Wie kam es dazu?

Natalie Halla: Ich habe Jus studiert und bin mit einem Stipendium des Erasmus-Programms nach Spanien gegangen, habe dort meinen Mann kennen gelernt und bin dort gelandet. Nach 15 Jahren sind wir aber wieder dabei in Linz Fuß zu fassen.

Und wie kommt man vom eher trockenen Jus-Studium zum Filmemachen?

Das war immer schon meine Leidenschaft. Meine Oma Anna Mutter ist Künstlerin, mein Großvater, Adolf Mutter, war auch ein bekannter Zeichner. Das Malen und Zeichen war nicht mein kreativer Weg, eher das Filmen. Vor allem wollte ich soziale Themen aufzeichnen, die mich persönlich in irgendeiner Art und Weise berühren, und das audiovisuelle Medium ist ein sehr starkes, um solche Geschichten den Menschen nahe zu bringen, und dadurch vielleicht im Kleinen etwas bewirken zu können.

Als Dokumentarfilmer begibt man sich an Orte, die andere nicht leicht besuchen können und erzählt die Geschichte dieser Plätze. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Menschen, die von einer Mauer abgetrennt von der Gesellschaft leben, eine Doku zu widmen?

Ich habe mit 22 Jahren in Israel meine Diplomarbeit über Religionsfreiheit geschrieben. Das war eine Zeit, in der es eine große Hoffnung auf eine friedliche Lösung für die israelisch-palästinensischen Konflikte gegeben hat. Später wurde dann die Mauer gebaut, was mich persönlich sehr, sehr getroffen hat. Es hat mich geärgert, gewurmt und schockiert. Ich wollte das in Form eines Filmes zeigen. Es hat mich inspiriert, einen Film gegen solche Mauern zu machen. Ein Spanien ist auch das Schicksal einer Minderheit in der Westsahara ein großes Thema, die von einer 3000 Kilometer langen, schwer verminten Mauer getrennt wird. Das ist für mich auch ein Thema, weil auch diese Mauer einen Schandfleck der Menschheit dar stellt. Dass in der Slowakei in immer mehr kleineren Dörfern und Städten Mauern gebaut werden, um die Minderheit der Roma abzuschirmen, hat mir meine Mutter erzählt.

Als Europäer erinnern einem diese Geschichten an die Berliner Mauer und den Eisernern Vorhang. Was habe Ihnen die Mauern, die sie besucht haben, über die gesellschaftliche Verfasstheit der Länder erzählt?

Für mich ist der Bau einer solchen Mauer immer das Symbol des Scheiterns einer friedlichen Lösung. Auch mich erinnerte es absolut an die Berliner Mauer, speziell die Mauer in Palästina, die physisch der in Berlin sehr ähnlich sieht. Es wurde die Mauer auch mitten durch die Städte getrennt, Familien wurden getrennt. Eine Mutter erzählte mir, dass ihre Tochter mit ihren Enkeln nur 30 Meter entfernt wohnt, sie sie aber nicht mal aus der Ferne sehen kann. Sie darf nicht auf ihr eigenes Dach steigen.

Was war das Schwierigste an den Dreharbeiten, für die Sie auch sehr weit gereist sind?

Die zwei größten Herausforderungen waren sicher die Dreharbeiten an der palästinensischen Mauer und entlang der verminten Mauer in Algerien. Dort war es besonders schwierig, weil ich im vierten Monat schwanger war. Das Minen-Entschärfungs-Team, das ich dort getroffen habe, ist kurz vor meiner Ankunft tausend Kilometer weiter südlich versetzt worden. Die Reise dorthin war schon sehr, sehr mühsam, durch die Wüste, teilweise durch Mauretanien. Ich denke, es war nicht gefährlich, weil der Fahrer genau wusste, wo er fahren konnte und wo nicht, wo Minen sind und wo nicht, aber es war sehr anstrengend. In Palästina war ein großes Problem, dass es extreme Kontrollen gibt, wenn man aus Richtung Israel einreist und weil der Kontakt mit Palästinenserin unerwünscht ist. Ich bin damals als Tourist hingefahren, alleine, aber mit einer kleinen, aber guten High Definition Kamera.

Beim „Crossing Europe“ wird der Film einem oberösterreichischen Publikum gezeigt. Was soll sich das Publikum in Ihrer Heimatstadt aus Ihrem Film mitnehmen?

Gerade was die Minderheit der Roma betrifft, vielleicht eine gewisse Toleranz, eine gewisse größere Offenheit ihnen gegenüber. Man sieht, wie sie leben und, dass bei ihnen eine Kategorisierung in schwarz und weiß nicht funktioniert.

Der Perspektive der Kinder wird in „Separated“ viel Raum gegeben. Spielt hier mit, dass Sie selbst Mutter von drei Kindern im Alter zwischen sieben Jahren und acht Monaten sind?

Ich glaube, die Kinder suchen die Kamera auch. Es ist unmöglich, ein Flüchtlingslager ohne Kinder zu filmen, weil sie irrsinnig begeistert von den Dreharbeiten sind. Die Kinder veranschaulichen ihre Situation auch mit großer Ehrlichkeit, Unschuld und ohne politische Beeinflussung. Sie bringen die Stimmung sehr gut rüber. Und vielleicht, weil ich dreifache Mutter bin, filme ich Kinder sehr gerne und arbeite gerne mit ihnen.

 

Crossing Europe-Tipp: Separated, Sa., 27.4., 18 Uhr, Ursulinensaal

Info: www.crossingeurope.at  und www.nataliehalla.com

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Artikel Nora Bruckmüller 25. April 2013 - 00:45 Uhr
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