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Frey: "Stadt und Land müssen aufhören, sich zu bekämpfen"

Der scheidende Brucknerhaus-Chef Hans-Joachim Frey zieht im OÖN-Interview Bilanz.

"Stadt und Land müssen aufhören, sich gegenseitig zu bekämpfen"

Sein Plan vom "Europäischen Brucknerfest" wurde nicht umgesetzt. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Nach fünf Jahren als künstlerischer Vorstandsdirektor der LIVA (Linzer Veranstaltungsgesellschaft) verlässt Hans-Joachim Frey am 27. November mit einem Galakonzert des Tschaikowski-Symphonieorchesters Moskau das Brucknerhaus. Wie berichtet, wechselt der 52-Jährige nach Sotschi (Rus). Im Gespräch mit den OÖN zieht Frey seine Linz-Bilanz.

 

OÖNachrichten: Waren Sie jemals kurz davor, den Job im Brucknerhaus hinzuschmeißen?

Hans-Joachim Frey: In der Zeit des Kontrollamtsberichts gab es eine Phase, in der ich mich oft gefragt habe, was hier los ist. Ich hab’ mir auch gedacht, dass es sich dabei um eine Auseinandersetzung zwischen Stadt und Land handelt. Ich hatte Zweifel, aber alles hinzuschmeißen, hab’ ich nie überlegt.

Wie haben Sie das Miteinander von Stadt und Land erlebt?

Auch für die Zukunft von Linz wünsche ich mir, dass die Stadt zwischen Salzburg und Wien ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickelt. Wenn man bedenkt, welche Musik-Infrastruktur hier besteht – Musiktheater, Bruckner-Uni, Brucknerhaus –, dann ist das erstklassig. Stadt und Land müssen endlich aufhören, sich gegenseitig zu bekämpfen. Stark ist man nur mit gemeinsamer Strategie.

Woran scheitert diese Idee?

Man hat bisher weder eine gemeinsame Sprache noch einen gemeinsamen politischen Willen gefunden. Jeder ist darauf aus, dass sich die eigene Kulturinstitution am stärksten profiliert. Gleichzeitig wird Kooperation gefordert.

Inwiefern?

2011 ging es in meinem Bewerbungsgespräch nur über die Positionierung des Brucknerfestes. Von einem Miteinander war da die Rede. Später wollte ich einen Ansprechpartner für dieses Miteinander, aber weder bei der Stadt noch beim Land hat sich jemand dafür interessiert. Markus Poschner ist das beste Beispiel, wie es geht. Sein Bruckner Orchester spielt im Brucknerhaus, hier hat er neue Formate und Abo-Reihen entwickelt. Im Musiktheater ist er auch sehr erfolgreich. Diese Gemeinsamkeit muss man nützen.

Ihre größten Fehler und Ihre größten Erfolge in Linz?

Mein Erfolg ist, dass ich das Gefühl habe, am Schluss den richtigen Mix für Publikum und Stadt gefunden zu haben. Am Anfang war ich zu ungeduldig. Ich hatte gedacht, hier besteht ein Bedürfnis nach Neuem. Die Linzer sind jedoch anders: Ja, sie wollen etwas Neues, aber am besten so, dass man nichts verändert. Ich habe unterschätzt, dass es bei Veränderungen einer behutsamen Vorgehensweise bedarf. Ich bin glücklich, dass ich gehe, wenn es am schönsten ist. Ich bleibe aber in Linz wohnen, weil ich mich hier wohlfühle.

Welche Linzer Erfahrung wird Ihnen in Sotschi nützlich sein?

Eine wesentliche, weil ich vorher noch nie ein Konzerthaus geführt habe. Ich habe gelernt, beim Personal wenig zu ändern und zuerst festzustellen, wie Haus und Umfeld funktionieren. Diese Stiftung in Sotschi ist nicht nur für Kultur, sondern auch für Bildung, Wissenschaft und Sport zuständig – insofern war die Erfahrung erst recht gut, weil die LIVA mit Stadion, Kinder-Kultur, Brucknerhaus, Sportparks auch breit aufgestellt ist.

Es ist eine GmbH für alle Museen von Stadt und Land geplant. Was halten Sie von einer LIVA- und Landestheater-GmbH?

Es muss eines Tages in diese Richtung gehen. Der Bürgermeister ist ganz stolz, dass er sein Brucknerhaus, sein Brucknerfest und seine protokollarische Hoheit hat. Beim Landeshauptmann wird es nicht anders sein. Man sollte auf das Miteinander nicht warten, bis die Zwänge so groß werden, dass man zwangsverpflichtet wird.

Gesetzt den Fall, Sie blieben noch, wie würden Sie das Brucknerfest umstrukturieren?

Zunächst bin ich froh, wie das Brucknerfest heuer gelaufen ist. Für das Budget von 700.000 Euro haben wir das richtige Maß gefunden. Vor eineinhalb Jahren wurde ich um ein neues Brucknerfest-Konzept gebeten. Im LIVA-Aufsichtsrat haben wir im Sommer 2016 einen breiten Plan um Bruckner vorgestellt, mit allen wichtigen städtischen und ländlichen Einrichtungen, eingebettet zwischen Wiener Festwochen und Salzburger Festspiele – ab Anfang Juni. Wir, das LIVA-Team, haben es Europäisches Brucknerfestival genannt, in Kooperation mit Passau und Budweis, um an EU-Gelder zu kommen. Weil ich jetzt gehe, dürfte sich das erledigt haben.

Ein Tipp für Ihren Nachfolger Dietmar Kerschbaum?

Er soll Demut vor der Institution des Brucknerhauses haben.

 

Brucknerhaus

14. November, 19.30 Uhr: Guiseppe Verdis "Messa da Requiem". Bruckner Orchester unter der Leitung von Massimo Zanetti, Sopran: Dinara Alieva, Alt: Maria Ortsoukhova, Tenor: Luc Robert, Bass: Gleb Pryazev.

27. November, 19.30 Uhr: Galakonzert, Tschaikowsky Symphonieorchester Moskau unter Wladimir Fedossejew. Anton Lubchenkos (pg-Bild) Symphonie Nr. 9 "Linzer Symphonie" kommt zur Uraufführung.

Außerdem: Mozarts Violinkonzert Nr. 1 B-Dur, Thomas Kerbl und Oksana Kuzo spielen Brahms, Kurt Rydl (Bass) singt Mussorgski, Margarita Levchuk (Sopran) Rimski-Korsakow.

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Artikel Peter Grubmüller 14. November 2017 - 00:04 Uhr
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