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Frankenburgs Geschichte als Freiluft-Ereignis

Ab Freitag hauchen dem "Würfelspiel" wieder knapp 1000 Mitwirkende an zehn Abenden Leben ein

Ums Leben würfeln: Bis 15. August gibt es zehn Mal die Gelegenheit, das Spektakel auf dem Haushamerfeld mitzuerleben. Bild: FW

Es herrscht wieder Ausnahmezustand in Frankenburg, der Ort befindet sich im Theaterfieber. Das „Frankenburger Würfelspiel“ (die Bezeichnung kam erst im 19. Jahrhundert auf) ist eines der größten Laienschauspiele Österreichs. Knapp 1000 Personen lassen jedes zweite Jahr jenes historische Ereignis aus dem Jahr 1625, das als Auftakt des ein Jahr später ausbrechenden oberösterreichischen Bauernkriegs gilt, unter freiem Himmel lebendig werden.

Es war die Zeit der Gegenreformation und der Verpfändung Oberösterreichs an Bayern, als etwa 5000 protestantische Hausruckviertler gegen die gewaltsame Einsetzung eines katholischen Pfarrers rebellierten. 36 von ihnen mussten unter dem bayerischen Statthalter Adam Graf von Herberstorff zur Strafe paarweise um ihr Leben würfeln. Der Würfel-Sieger wurde begnadigt.

„Wir spielen für die Leute“

Als Vorlage für das Theater dient der Roman von Karl Itzinger „Das Blutgericht am Haushamerfeld. Aus der Leidens- und Heldenzeit des Landes ob der Enns“ aus dem Jahr 1925. Der Text wurde mehrfach überarbeitet, auch um die Geschichte für das Publikum verständlicher zu transportieren. „Wir spielen für die Leute, wir selber kennen’s ja“, sagt Michael Neudorfer, der lang Regisseur war und nun eine der Hauptrollen, den Richter Christoph Strattner, spielt. Er selbst sei „mit dem Würfelspiel groß geworden“, sagt er.

Am Stück beteiligt sind etwa 700 Laienschauspieler und bis zu 500 Personen, die in der Organisation, beim Bühnenbild, dem Ton und in anderen Bereichen mitarbeiten. Mit auf der Bühne sind außerdem zwischen zwölf und 15 Pferde. Das Stück enthält 30 Sprechrollen, davon nur eine weibliche. Unter den Statisten finden sich allerdings einige Frauen in „Hosenrollen“. Wenn eine Rolle neu zu besetzen ist, müsse man nie lang suchen, erzählen die Mitwirkenden. „Es ist für jeden eine Ehre, mitzumachen“, sagt Helmut Streicher, der seit 2001 den Grafen von Herberstorff spielt. Jeder Schauspieler habe seine eigene Strategie, sich „aus dem Leben und auf die Bühne“ zu bringen.

Johann Föttinger etwa, der 73-Jährige ist seit 1958 beim Würfelspiel dabei und spielt seit 1975 einen Bettler mit seherischen Fähigkeiten, muss außer Atem auf die Bühne kommen. Also hat Föttinger bis vor einigen Jahren unmittelbar vor seinem Auftritt 100 Liegestütz gemacht, um glaubwürdig seine Rolle zu verkörpern.

Geprobt wird seit Anfang Juni zwei Mal wöchentlich, allerdings gab es Anfang Juli noch einmal zwei Wochen Probenpause. Man dürfe die Freiwilligkeit der Leute nicht strapazieren, sagt Alexander Schmid, der seit früher Kindheit als Schauspieler dabei ist und nun außerdem für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Alle Beteiligten – vom Ordner bis zum Hauptdarsteller – bekommen denselben Lohn: einen Essens- und vier Getränkegutscheine.

Die Karten für die Aufführung gelten „ewig“. Einmal gekauft, können sie an jedem Spieltag, auch etwa erst in der überübernächsten Saison, eingelöst werden. Das Stück ist zeitlos und doch zeitgemäß, es wird immer wieder adaptiert. Dieses Jahr wird am Ende erstmals live der Schlusschor von Fritz Neuböcks „Haushamerfeld“ gesungen. Außerdem wird in einem feierlichen Schlusssatz an die Aktualität der historischen Ereignisse erinnert und aller auch heute verfolgten und unter Intoleranz leidenden Menschen gedacht.

Premiere: 28. Juli, 18 Uhr. Termine: 29.7., 30.7., 4., 5., 6., 11., 12., 13., 15.8. (jeweils 20.30 Uhr); Karten gibt’s in allen oö. Raiffeisenbanken und an der Abendkassa: 17 Euro bzw. 6 Euro (Kinder).

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Artikel Von Hannah Winkelbauer 26. Juli 2017 - 00:05 Uhr
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