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Festival 4020: Letzter Tag mit armenischen Klängen

Traditioneller armenischer Kirchenmusik in der Linzer Elisabethinenkirche.

Ein Abend voll filigraner und melancholischer Melodien Bild: Herzenberger

Festival 4020: vierter und letzter Tag, 7. 5.

OÖN Bewertung:

Der letzte Abend des heurigen Festivals 4020 fand in der Linzer Elisabethinenkirche statt und war traditioneller armenischer Kirchenmusik und dem wundersam klingenden Duduk gewidmet.

Armenien war das erste christliche Land, und dort hat sich bereits ab dem 4. Jahrhundert eine Tradition von Gesängen entwickelt, die ähnlich der gregorianischen Choräle zunächst vor allem mündlich und dann ab dem späten 8. Jahrhundert in einer einzigartigen Notation - khaz - überliefert wurden.

Doch brach durch die immerwährenden Verfolgungen die Tradition ab, und die Stücke mussten mühsam wieder entziffert werden. Komitas Vardapet war hier als Musiker, Komponist und Priester Vorreiter am Beginn des 20. Jahrhunderts und gilt als Begründer der neuen armenischen Musik. Das ist vielleicht auch der Grund, warum die einzelnen Gesänge dieses Abends, die vom 5. bis zum 21. Jahrhundert reichten, sehr ähnlich klangen und keine deutlichen stilistischen Unterschiede aufwiesen.

Das tat aber der fast meditativen Wiedergabe durch die armenische Sopranistin Hasmik Baghdasaryan keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, gelang es der Sängerin diese wunderbar filigranen, für unser Ohr leicht melancholisch wirkenden, von orientalischen Melismen verzierten Melodien unglaublich emotional und eindringlich in der Kirche zu platzieren, sodass man Raum und Zeit beinahe vergessen mochte.

Abwechselnd mit den Gesängen erklangen Melodien auf dem Duduk, einer indigenen Oboe, die es zwar in ähnlicher Form auch in den angrenzenden Ländern gibt, in dieser weichen Klangkultur allerdings nur in Armenien gespielt wird. Das Besondere ist, dass das doppelte Rohrblatt beinahe gleich breit ist wie das Instrument selbst und dass dadurch ein besonders weicher, ein wenig an die leise Mittellage einer Klarinette erinnernder, Klang entsteht. Die Musik für Duduk wurde 2005 von der UNESCO in die Reihe des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Der Duduk wird immer von einem zweiten Instrument begleitet, das den Grundton der speziellen armenischen Tonleitern mit Hilfe von Zirkularatmung ununterbrochen spielt.

Über diesem Bordunton spielt der Meister seine weitgespannten Kantilenen mit ebenso typischen Verzierungen und Floskeln. Gevorg Dabaghyan ließ die Hörer mit seinem Duduk gleichsam schweben und in eine andere Welt entfliehen. Narek Mnatsakanyan blies beeindruckend den Duduk dam.

Ein musikalisches Erlebnis der Sonderklasse, das in der Synagoge mit Musik von Morton Feldman gespielt von Stefan Stroissnig (Klavier), Irene Kepl und Annelie Gahl (Violinen), Federico Bresciani (Viola) und Margarethe Deppe (Cello) seine Fortführung erlebte.

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Artikel Michael wruss 09. Mai 2011 - 00:04 Uhr
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